Don DeLillo gibt sein Geheimnis preis: Eishockey-Roman darf neu aufgelegt werden
Der amerikanische Literaturnobelpreiskandidat Don DeLillo hat sich lange Jahre zu seinem frühen Eishockey-Satire-Roman bekannt. Jetzt überrascht er mit einer Neuauflage – allerdings unter Pseudonym.
Jahrzehntelang wollte Don DeLillo nichts mit "Amazons" zu tun haben. In den 1970er Jahren hatte der damals noch weniger bekannte Autor gemeinsam mit einer früheren Kollegin diese ungewöhnliche Satire verfasst – die fiktiven Memoiren der ersten weiblichen Profispielerin in der NHL. Unter dem Namen der erfundenen Spielerin Cleo Birdwell veröffentlicht, enthielt das Buch explizite Sexszenen und sollte lange Zeit zu DeLillos verschlossenem Kapitel gehören.
Auf Lesungen weigerte sich DeLillo beharrlich, das Buch zu signieren. Eine Figur daraus tauchte zwar später in seinem Hauptwerk "Weißes Rauschen" auf – doch der Großmeister der amerikanischen Literatur lehnte jede Verbindung ab. Im Antiquariat wurden seltene Exemplare zu hohen Preisen gehandelt, während das Werk lange vergriffen war.
Die jüngst hochgelobte HBO-Serie "Heated Rivalry" über eine homosexuelle Liebe im Eishockey-Milieu hat das alte Buch wieder ins Gespräch gebracht. Bei einem Familienessen soll DeLillos Ehefrau bis nach Mitternacht darin gelesen und gelacht haben. Kurz darauf folgte die Überraschung: DeLillo stimmte einer Neuauflage zu. Sie erscheint weiterhin unter Cleo Birdwells Namen – doch auf der Titelseite findet sich DeLillos klassische Visitenkarte: "I don't want to talk about it".