Ofarim-Opfer Markus W. spricht über Davidstern-Skandal: Kippt durch Gils Dschungel-Sieg die Stimmung?
Im Dschungelcamp verwies Gil Ofarim auf eine Verschwiegenheitserklärung – die es jedoch nicht gibt
Leipzig (Sachsen) – Hotelmitarbeiter Markus W. (37) wurde von Gil Ofarim (43) beschuldigt, ihn aufgrund seiner Davidsternkette aus dem Hotel „The Westin Leipzig“ verwiesen zu haben. Über vier Jahre liegt der Vorfall zurück. Jetzt, nach Ofarims Dschungel-Sieg und zahlreichen Aussagen im Camp, spricht W. erstmals in der Öffentlichkeit über den Abend, der sein Leben veränderte.
Das Dschungelcamp habe er nicht verfolgt, sagte Markus W. der „ZEIT“. Von den Schlagzeilen und Gil Ofarims Äußerungen habe er dennoch mitbekommen. „Das wirkt für mich sehr befremdlich, es ärgert mich massiv, und ich frage mich auch: Ist es denn nie vorbei?“, so der 37-Jährige. Es sei auch der Grund, warum er jetzt doch öffentlich sprechen wolle.
2023: Gil Ofarim (damals 41) legte vor dem Landgericht Leipzig ein Geständnis ab und gab zu, die Unwahrheit gesagt zu haben
Markus W. erinnert sich an den Fall zurück
An den Abend des 4. Oktober 2021 erinnere er sich gut, sagte Markus W. im Gespräch mit der „Zeit“. Es habe technische Probleme gegeben, viele Gäste mussten warten, u. a. auch Ofarim. „Er war sehr aufgebracht, zeigte mit dem Finger auf mich und pöbelte, was das für ein Scheißladen sei. Dann drohte er: Wenn er in seinem Zimmer sei, werde er die Zustände hier öffentlich machen, das werde viral gehen. (…) Da habe ich ihm den Meldeschein weggezogen und ihm gesagt, dass er unter diesen Umständen nicht unser Gast sein kann.“
Ofarim machte ernst, lud am nächsten Morgen das Video mit den Anschuldigungen hoch, das schnell viral ging. „Das gesamte Hotel war sehr schnell in einem Ausnahmezustand. Kollegen weinten. (…) Irgendwann am Nachmittag wurde mir gesagt, dass ich besser nach Hause gehen solle. Denn noch am selben Abend sollte eine Demonstration vor dem Hotel stattfinden. Man hatte große Sorge, dass ich nicht mehr sicher bin“, berichtete Markus W.
Der Instagram-Post vom 5. Oktober, in dem Ofarim den Fall vom Vortag schilderte. Den Post löschte er 2023
Für den Hotelmitarbeiter der blanke Horror
Markus W. ging zur Polizei, erstattete Anzeige gegen Gil Ofarim. Doch für ihn begann ein Spießrutenlauf: „Über meine dienstliche E-Mail-Adresse lief eine Morddrohung ein. Mein damaliger Chef rief am Abend an, um mir anzubieten, mich für einige Tage an einen sicheren Ort zu bringen.“ W. zog sich die folgenden Wochen zurück, mied sogar private Feiern: „Aus Angst davor, dass irgendwer ein Foto von mir machen könnte, auf dem ich feiernd oder lachend zu sehen bin.“
Ganz anders Gil Ofarim: Der gab zahlreiche Interviews, sprach immer und immer wieder über den angeblichen Vorfall. Auch W. hätte gerne gesprochen, doch: „Beweisen Sie mal, dass etwas nicht stimmt. Dass Sie kein Antisemit sind. Wie macht man so etwas? Mir haben in der damaligen Zeit Juristen gesagt, ich müsste mich darauf einstellen, dass mein gesamtes bisheriges Leben durchleuchtet würde. Und dass ich mir sehr gut überlegen müsse, wo ich mich öffentlich blicken lasse. Alles könne gegen mich verwendet werden.“ Daher entschied er sich zu schweigen.
Gils aktuelle Aussagen machen W. „fassungslos“
Im Dschungelcamp behauptete Ofarim jetzt, er dürfe aufgrund einer Verschwiegenheitserklärung, die eigentlich nur eine Unterlassungserklärung ist, nicht über den Davidstern-Skandal sprechen. Doch W. betont, einen Schweigedeal habe es nie gegeben: „Er kann über die Vorgänge in der Lobby sprechen. Das Einzige, was er nicht wiederholen darf, ist die Unwahrheit über mich. Er hat im Zuge des Vergleichs vor Gericht eine Unterlassungserklärung abgegeben. Das bedeutet, er darf nicht mehr sagen, dass ich ihn wegen des Tragens einer Davidsternkette des Hotels verwiesen hätte. Und er darf auch keine ähnlichen Aussagen tätigen, die andeuten, dass eine antisemitische Äußerung stattgefunden habe. Das ist alles.“
Auch Ofarims Aussagen über manipulierte Überwachungsvideos machen Hotelmitarbeiter Markus W. laut eigener Aussage „fassungslos“. „Weder das Gericht noch der Videogutachter haben die Glaubwürdigkeit der Aufnahmen in Zweifel gezogen – ebenso wenig wie die Aussagen der Zeugen.“
Gils Dschungel-Auftritt und sein Sieg hinterlassen bei W. einen üblen Nachgeschmack: „Mir geht es nicht gut damit, wie er sich jetzt inszenieren konnte. Denn es hinterlässt bei mir den Eindruck, dass die öffentliche Wahrnehmung dieses Falles wieder kippt. Die Staatsanwaltschaft hat Tatsachen ermittelt, die vor Gericht Bestand hatten. Gil Ofarim hat diese Tatsachen irgendwann bestätigt, indem er sich bei mir entschuldigte und das Video löschte. Nun habe ich den Eindruck, dass all das wieder infrage gestellt wird. Er inszeniert sich wie ein Opfer, obwohl ich das bin, und das ist schwer für mich.“ Auf die vor Gericht vereinbarten 20.000 Euro Schadensersatz wartet W. bis heute.
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