Menschenknochen in Schulsammlungen: Ein unbequemes Erbe
An deutschen Schulen lagern echte Menschenknochen in Schränken und Kellern – ein Überbleibsel aus Zeiten, als solche Präparate zum Unterricht gehörten. Heute stellen sich Schulen die Frage: Was tun mit diesen sterblichen Überresten?
In Biologieräumen deutschlands verstecken sich unbequeme Gegenstände: echte Menschenknochen, Schädel und Organe in Konservierungsmittel. Eine Umfrage in Hamburg zeigt das Ausmaß – dort wurden 22 komplette Skelette, 46 Schädel und 40 Organe in Schulsammlungen entdeckt. Jahrzehntelang lagerten sie unbeachtet hinter verschlossenen Türen oder auf Dachböden.
Bis vor etwa 60 Jahren war dies völlig normal. Ohne Videomaterial oder 3D-Modelle nutzten Schulen echte Körperteile für den Unterricht. Lehrmittelkataloge ermöglichten die Bestellung – und Firmen handelten massenhaft mit menschlichen Gebeinen. Viele dieser Überreste stammen wahrscheinlich aus Indien, China oder den ehemaligen Kolonien Deutschlands. Teilweise wurden Gräber geplündert oder Menschen ohne ihre Zustimmung nach dem Tod weitergegeben. Besonders dunkel: Einige Knochen könnten aus der NS-Zeit stammen.
Das zentrale Problem bleibt ungelöst: Niemand weiß, wer diese Menschen waren. Namen, Herkunft und Schicksale sind verloren. Schüler einer Hamburger Schule wollen nun eine Lösung suchen und debattieren über würdevolles Gedenken – ob Beerdigung, Aufbewahrung oder Denkmal. Ein Signal dafür, dass sich der Umgang mit diesem unbequemen Erbe ändern muss.