ESC 2026: TV-Chef Moldaus tritt nach Protesten gegen Juryvote zurück

ESC 2026: TV-Chef Moldaus tritt nach Protesten gegen Juryvote zurück

Ob eine kleine Gruppe von Expertinnen und Experten die besseren Entscheidungen trifft oder das Volk, wird immer wieder debattiert. Der Eurovision Song Contest (ESC) macht den Konflikt jedes Jahr aufs neue sichtbar. Denn jedes Land gibt zwei verschiedene Votes ab: die einer Jury und die des Publikums.

Mitunter unterscheiden sich die beiden Stimmzettel sehr stark. In diesem Jahr zum Beispiel bei dem kleinen Land Moldau. Das Publikum vergab die Höchstpunktzahl zwölf an Rumänien (Sängerin: Alexandra Capitanescu) und die zweithöchste Punktzahl von zehn an die Ukraine (Sängerin: Leléka). Bei der offiziellen Jury Moldaus bekam Rumänien drei Punkte – und die Ukraine gar keinen.

Massenproteste auf den sozialen Medien waren die Folge – die Beziehungen zu den Nachbarländern Rumänien und der Ukraine sind traditionell eng. Nun ist der Chef des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Moldaus zurückgetreten. Der TV-Sender hatte das Juryvote am Samstagabend bei der ESC-Show verkündet: Zwölf Punkte für Polen, zehn für Israel – und die bereits erwähnten drei für den Nachbarn Rumänien sowie null Punkte für die Ukraine.

Vlad Turcanu, Generaldirektor des moldauischen Rundfunks und Fernsehens, sagte, über die Experten-Stimmen Moldaus habe allein die Jury entschieden. »Wir haben uns von der Juryentscheidung distanziert, aber es bleibt unsere Verantwortung, in erster Linie meine Verantwortung als Leiter dieser Institution«, sagte er auf einer Pressekonferenz. »Das war meine Entscheidung.«

Dass Jury und Publikum unterschiedlich entscheiden, ist nicht ungewöhnlich und durchaus erwünscht. Den ESC-Fans in Moldau war die Diskrepanz dann aber offenbar doch zu groß. Der Rücktritt des TV-Chefs verdeutlicht die Macht der sozialen Medien in einem der ärmsten Länder Europas. Moldaus Präsident hat Russlands Invasion in der Ukraine verurteilt und den EU-Beitritt bis 2030 angekündigt.

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