Scharfe Kritik an Berichterstattung: ZDF-Fernsehrat rechnet mit TV-Fehlern ab
Ein Auftritt von ARD-Reporterin Laura Cloppenburg bei der Grünen-Wahlparty sorgte auch im ZDF-Fernsehrat für Diskussionen um Glaubwürdigkeit der Öffentlich-Rechtlichen
Mainz/Berlin – Scharfe Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk im ZDF-Fernsehrat! Mehrere Mitglieder des Kontrollgremiums warfen dem Sender Fehler in der Wahlberichterstattung und eine zu defensive Aufarbeitung eines gezeigten KI-Fakes im „heute-journal“ vor. Besonders deutlich wurde Fernsehrätin Christine Richter (61, Vertreterin des Berliner Senats). Sie sei bei der Berichterstattung zur Baden-Württemberg-Wahl „dann doch ein bisschen erschrocken“.
Vorwurf 1: AfD zu klein dargestellt
Fernsehrätin Christine Richter (61) übte Kritik am ZDF
Richter bemängelte eine mehrfach gezeigte Grafik zur Sitzverteilung im Landtag: Die AfD mit 35 Sitzen sei grafisch etwa so groß dargestellt worden wie die SPD mit zehn Sitzen. Richter: „Es muss ja eine Kontrolle geben. Wer hat denn diese Grafik angeguckt?“ ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten (61) gab zu, der Anteil der AfD sei „proportional zu klein“ dargestellt worden. Sie wolle dies „mit den Grafik-Kollegen aufarbeiten“.
Bei der Sitzverteilung im baden-württembergischen Landtag zeigte das ZDF die AfD kaum größer als die SPD, dabei war die AfD dreieinhalbmal so stark wie die SPD eingezogen
Vorwurf 2: Unvollständige Koalitionsrechnung
Richter kritisierte außerdem die Analyse möglicher Regierungsbündnisse: Thematisiert worden seien CDU/Grüne und CDU/AfD, nicht aber eine rechnerische Mehrheit von Grünen und AfD. Richter: „Auf einmal werden Koalitionsmöglichkeiten dargestellt, CDU/Grüne und CDU/AfD, aber in der Berichterstattung fehlt, dass es rein rechnerisch auch eine Koalitionsmehrheit für AfD und Grüne gibt.“ ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten bekannte: „Wir haben das auch als falsch empfunden.“
Vorwurf 3: Fake-Video weggeschwurbelt
So zeigte das „heute-journal“ eine vermeintliche Abschiebung in den USA. Doch die Szene war mit künstlicher Intelligenz erstellt, hat nie stattgefunden
NRW-Staatskanzleichef Nathanael Liminski (40) kritisierte die Aufarbeitung des im „heute-journal“ gezeigten KI-Fakes: Sie habe sich zunächst zu sehr darauf konzentriert, „wie kann man das erklären“ statt auf „wie konnte das passieren“. Das sei „der falsche Reflex“. Auch BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter (62) mahnte mehr Selbstkritik an, warnte vor einer „Wagenburgmentalität“. Dahinter stecke „der Wunsch, sich nicht mit der Kritik, sondern mit der Qualität der Kritisierenden auseinanderzusetzen. Das ist eine Gefahr.“
Vorwurf 4: Intendantenwahl ohne Wahlmöglichkeit
Norbert Himmler (55) hatte es leicht, die Intendantenwahl für sich zu entscheiden. Er war völlig ohne Konkurrenz angetreten
In der Sitzung wurde Norbert Himmler (55) erneut zum ZDF-Intendanten gewählt – und das ohne Gegenkandidaten. Auch das sorgte für Kritik. Kampeter vor der Wahl zu BILD: „Dem ZDF hätte ein Rennen mehrerer Kandidaten gutgetan.“
Vorwurf 5: Begeisterte Moderatorin bei Grünen-Wahlparty
Auch Szenen von der Grünen-Wahlparty sorgten für Ärger. Richter: „Nicht akzeptabel, wenn eine Moderatorin feiert mit den Grünen.“ Aufgefallen war am Wahlabend SWR-Reporterin Laura Cloppenburg. Sie schaltete allerdings nicht fürs ZDF, sondern für die ARD. Cloppenburg hatte enthusiastisch über den Erfolg der Grünen berichtet („Das ist der Wahnsinn!“). Schausten widersprach Richter: „Das waren wir nicht, sondern die ARD.“
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