Feuer-Katastrophe von Crans-Montana: Ihr gehört die Bar, in der 40 Menschen starben
Jessica Moretti (40) soll den Nachtclub in Crans-Montana zusammen mit ihrem Ehemann Jacques (49) betrieben haben
Crans-Montana (Schweiz) – Das verheerende Feuer in dem Nachtclub „Le Constellation“ in Crans-Montana wurde für rund 40 Menschen zur tödlichen Falle. Mehr als 100 weitere wurden am frühen Neujahrsmorgen teilweise schwer verletzt. Während der Skiort unter Schock steht und die Ermittler mit der Identifizierung der Opfer beginnen, kommen weitere Details ans Licht.
Nach Angaben der britischen Tageszeitung „Daily Mail“ soll der Schweizer Nachtclub im Besitz des französischen Ehepaars Jacques (49) und Jessica (40) Moretti sein. Während ihr Mann in einem anderen Lokal arbeitete, befand sich Jessica Moretti in der Bar, als das Feuer ausbrach. Demnach überlebte sie das Inferno mit leichten Verbrennungen am Arm. Auch die französische Nachrichtenagentur AFP gibt an, dass sie wohlauf, aber seit der Tragödie genau wie ihr Mann nicht mehr erreichbar sei.
Begann hier das Inferno? Feiernde halten Champagnerflaschen nach oben, an den Flaschen ist Feuerwerk befestigt – und an der Decke scheint sich das Feuer auszubreiten
Barbesitzer abgetaucht
Auch BILD hatte mehrfach versucht, mit dem Gastro-Ehepaar Kontakt aufzunehmen – bislang ohne Erfolg. Am Morgen nach der Katastrophe waren zudem sämtliche Aktivitäten auf den Social-Media-Seiten der Bar von Instagram und Facebook gelöscht. Und bei Google hieß es, die Bar sei „temporär geschlossen“.
Unterdessen berichtet die Schweizer Tageszeitung „Blick“, dass ein Freund des Paares laut verschiedenen korsischen Medien bestätigte, dass die beiden Barbesitzer am Leben sind. Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP sagte der Freund: „Ich habe die ganze Nacht versucht, meine Freunde zu erreichen. Gegen 5 Uhr morgens meldete sich schließlich die Frau und sagte mir, dass sie leben und dass es eine Katastrophe sei.“
An der Decke erkennt man die Schallschutzverkleidung. Könnte sie der Grund für die schnelle Ausbreitung der Flammen sein?
Nicht erlaubte Schalldämpfung verbaut?
Wie „Inside Paradeplatz“ berichtet, sollen Bilder, die Decken- und Wandverkleidungen zur Schalldämmung zeigen, von der Seite verschwunden sein. Die Schalldämpfung soll laut der Schweizer Finanzseite in der Bar verwendet worden sein. Diese sei „für Gewerbeliegenschaften wie einen Gastrobetrieb (…) entsprechend verboten“.
Wollten die Barbesitzer durch die umfangreiche Löschung mögliche Verfehlungen und Beweise löschen? Gegenüber „Focus“ sagte Brandschutzexperte Markus Knorr, dass die „brennend von der Decke tropfende Verkleidung“ eine der Hauptursachen des Brandes sein könnte.
Um 1.30 Uhr brach das verheerende Feuer in dem Club „Le Constellation“ aus und wurde zur Flammenhölle
Jacques und Jessica Moretti gelten in der dortigen Gastronomie-Szene als einflussreiche und tüchtige Geschäftsleute. Sie haben neben dem Nachtclub „Le Constellation“ noch weitere Lokale in der Region. Die Unglücksbar eröffneten die beiden Eheleute, die einen kleinen Sohn haben, im Dezember 2015 in dem exklusiven Skiort. 2011 verbrachte das Duo – er stammt ursprünglich aus Korsika, während seine Frau an der Côte d’Azur aufwuchs – einen einwöchigen Urlaub in der Gegend und verliebte sich in die Schweizer Alpen im Kanton Wallis.
Beliebter Treffpunkt in Crans-Montana
Die Morettis machten aus dem „Le Constellation“ einen der beliebtesten Treffpunkte des Nobel-Ortes. So zog die Bar mit einer Terrasse im Obergeschoss und einem Club im Untergeschoss, in dem DJs auflegten und auch Live-Musik gespielt wurde, hauptsächlich junge Wintersportler, aber auch Einheimische an.
Das Lokal, das für 300 Gäste Platz bot, war täglich geöffnet und bot Speisen, DJ-Musik, einen Shisha- und Raucherbereich sowie zahlreiche Bildschirme für Sportübertragungen.
Entsprachen die Notausgänge den nötigen Standards?
Über die Unglücksnacht im „Le Constellation“ sagten mehrere Zeugen, dass der Veranstaltungsraum im Untergeschoss, wo das Feuer ausbrach, nur durch eine Treppe mit dem Erdgeschoss verbunden sei. Einige beschrieben sie als „schmal“.
Am Neujahrsabend trauerten zahlreiche Menschen in Crans-Montana, legten Blumen nieder und zündeten Kerzen an
Die Generalstaatsanwältin des Wallis, Béatrice Pilloud, bestätigte dies jedoch nicht. Sie betonte, dass die Ursache der Tragödie noch untersucht werde. Auf Fragen von Reportern sagte sie, dass sie sich selbst ein Bild von der Lage gemacht habe. Die Ermittlungen würden feststellen, ob alle Sicherheitsstandards eingehalten wurden. Es sei noch zu früh, um sich dazu zu äußern, ob die Notausgänge den nötigen Standards entsprachen oder ob von den Organisatoren der Silvesterfeier die notwendigen Verfahren eingehalten wurden.
Das Schweizer News-Portal „20 Minuten“ zitiert den Gemeindepräsidenten Nicolas Féraud, der auf der Pressekonferenz am Donnerstagabend hilflos auf Fragen von Journalisten reagierte – und nicht einmal sagen konnte, in welchem Turnus solche Überprüfungen stattfinden. Es gebe „die Regel, dass solche Bars und Restaurants jedes oder alle zwei Jahre untersucht werden müssen“, sagte Féraud. „Wir müssen die Frage stellen, ob sich die Besitzer diesen Untersuchungen gestellt haben.“
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