Turnier in den USA
»Ein WM-Boykott ist eine Schnapsidee«
Im Sommer startet die Fußball-WM, unter anderem in den USA. Sollte man dem Event wegen Donald Trump fernbleiben? Die CDU sieht das kritisch. Eine SPD-Politikerin will hingegen persönliche Konsequenzen ziehen.
Fußball mit Kopf von US-Präsident Donald Trump: Ist unter diesen Bedingungen ein entspanntes Turnier möglich?
Foto: Scott Taetsch / FIFA / Getty Images
Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde.
Diesen Sommer wird die 23. Fußball-WM stattfinden, die Spiele sollen in Mexiko, Kanada und den USA ausgetragen werden. Doch zuletzt setzte Donald Trump die EU im Streit über Grönland massiv unter Druck, kokettierte mit einem Bruch der Nato. Dazu sorgt das brutale Vorgehen von ICE-Beamten gegen die eigene Bevölkerung auch international für Bestürzung. DFB-Vizepräsident Oke Göttlich fordert deshalb eine Debatte über einen WM-Boykott.
Lässt sich angesichts der aktuellen Lage ein Großevent in den USA genießen? Oder sollte es tatsächlich boykottiert werden?
Bettina Lugk, sportpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, hält die Bedingungen in den USA zumindest für schwierig. »Die innenpolitische Lage in den USA bleibt äußerst angespannt. Viele Fragen zu Einreisebestimmungen, Sicherheit und den Bedingungen für Fans sind weiterhin offen; teilweise wird Menschen allein aufgrund ihrer Nationalität die Einreise verwehrt«, sagte Lugk dem SPIEGEL. »Das sind leider keine guten Voraussetzungen für ein Fußballfest, das Menschen eigentlich verbinden soll.«
In der Regel reisen Mitglieder des Sportausschusses sowie Spitzenpolitiker zu Europa- und Weltmeisterschaften. Dies war in der Vergangenheit auch dann der Fall, wenn es sich um umstrittene Austragungsorte wie Russland und Katar handelte.
»Das sind leider keine guten Voraussetzungen für ein Fußballfest, das Menschen eigentlich verbinden soll.«
SPD-Abgeordnete Bettina Lugk
Doch Sportpolitikerin Lugk will nicht in die Vereinigten Staaten reisen. »Ich werde die WM in den USA nicht vor Ort besuchen.« Von einem allgemeinen Boykott halte sie allerdings nichts, sagte Lugk. »Die aktuelle Diskussion über einen möglichen Boykott der WM 2026 entstand vor dem Hintergrund massiver außenpolitischer Drohungen aus den USA.« Da sich eine Eskalation vorerst nicht bestätigt habe, sei diese Debatte nicht zielführend. »Mit Blick auf den neu geschaffenen FIFA -Friedenspreis für den US-Präsidenten hätte ich mir allerdings vom DFB eine sehr viel deutlichere – um es klar zu sagen – kritischere Haltung gewünscht«, sagte die SPD-Abgeordnete weiter.
Unionsfraktionschef Jens Spahn wollte einen Boykott der WM am Wochenende zumindest nicht gänzlich ausschließen. »Das ist nichts, was wir jetzt entscheiden müssen. Ich würde mal sagen, wir warten ab, wie sich die nächsten Wochen entwickeln«, sagte er im ZDF. Andere in der Fraktion positionieren sich deutlicher. »Ein WM-Boykott ist eine Schnapsidee«, sagte der CDU-Politiker Christoph Ploß dem SPIEGEL. »Dieser würde nicht nur die Spieler bestrafen, sondern auch der Grundidee großer internationaler Sportereignisse zuwiderlaufen, nämlich dass Athleten sowie Fans aus aller Welt zusammenkommen und sich untereinander austauschen.« Gerade in der heutigen Zeit brauche es interkulturelle Zusammenkünfte. »Die Spieler sollten sich, anders als es häufig bei der WM in Katar passiert ist, auf Fußball konzentrieren können.«
Weniger locker sieht man es in der Opposition. Grünen-Außenpolitiker Boris Mijatović fordert angesichts der aktuellen Entwicklungen in den USA eine klare Reaktion. »Die Bundesregierung muss jetzt eine belastbare Strategie vorlegen, wie sie deutsche Fans während Einreise und Aufenthalt bei der WM schützt und im Notfall unterstützt«, sagte Mijatović dem SPIEGEL. »Dazu gehören klare Reise- und Sicherheitshinweise, erreichbare konsularische Anlaufstellen, transparente Informationen und belastbare Absprachen mit den zuständigen Behörden.« Sollte sich die Menschenrechtslage in den USA weiter verschärfen, »könnte man zum Beispiel hochrangige politische Besuche auf Spiele in Mexiko und Kanada beschränken«, sagte Mijatović.
Die Bundesregierung hält sich zurück in der Boykott-Debatte. »Entscheidungen über Teilnahme oder Boykott von Sportgroßveranstaltungen liegen ausschließlich bei den zuständigen Sportverbänden, nicht bei der Politik«, sagte CDU-Politikerin Christiane Schenderlein, Beauftragte der Bundesregierung für Sport. Die Bewertung obliege daher dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und dem Weltfußballverband Fifa. »Diese Einschätzung wird die Bundesregierung akzeptieren.«



