Hamas führt Machtkampf mit bewaffneten Clans in Gaza
Nach zwei Jahren im Untergrund kehrt die Hamas in Gaza an die Oberfläche zurück – und setzt dabei auf Gewalt gegen rivalisierende Familien-Clans. Experten warnen vor drohendem Bürgerkrieg und einer fehlgeschlagenen Entwaffnung.
Die Hamas intensiviert ihren Kampf um die Kontrolle des Gazastreifens. Seit sie ihre Verstecke in den Tunneln verlässt, kommt es zu öffentlichen Hinrichtungen und bewaffneten Konfrontationen mit lokalen Clans, die sich während des Krieges gegen die Terrororganisation gestellt haben. Besonders betroffen ist der mächtige Dugmush-Clan in Gaza-Stadt, dem mindestens 19 Todesfälle zugeordnet werden. Dutzende weitere Familienmitglieder gelten als vermisst.
Bislang haben sich etwa acht bewaffnete Gruppen der Hamas unterworfen, darunter die einflussreiche Al-Majayda-Familie. Doch es gibt auch hartnäckigen Widerstand – etwa vom Abu-Shabab-Clan in Rafah, dem die Hamas vorwirft, mit Israel zu kollaborieren. Experten befürchten, dass die Zivilbevölkerung und Hamas-Kritiker der Willkür der Organisation schutzlos ausgeliefert sein könnten.
Islamismus-Experte Ahmad Mansour äußert sich skeptisch über eine tatsächliche Entwaffnung der Hamas und fordert verstärkten internationalen Druck. Ohne vollständige Entmachtung drohe spätestens in einer Dekade ein neues Gewaltdesaster. Auch die US-Regierung signalisierte zwar Konsequenzen bei Weigerung, räumte der Hamas aber zuvor temporäre Handlungsspielräume ein – ein Schritt, den Experten scharf kritisieren.