Rhetorik-Professor kritisiert Merz' widersprüchliche Kommunikation
Kanzler Merz sorgt regelmäßig mit provokanten Aussagen für Aufregung, rudert dann zurück. Ein Tübinger Rhetorik-Professor sieht darin ein Glaubwürdigkeitsproblem – und warnt vor Folgen für die Koalition.
Friedrich Merz hat sich im Kanzleramt als ein Politiker erwiesen, der immer wieder mit markanten Statements auffällt, um diese später zu relativieren oder einzuordnen. Für Joachim Knape, Seniorprofessor für Rhetorik an der Universität Tübingen, ist dieses Muster problematisch: Es untergrabe das Vertrauen in die Führungsperson.
Das Kernproblem liegt nach Knapes Einschätzung in der fehlenden Konsistenz. Der Regierungschef wirke oft noch wie ein Oppositionspolitiker, der polarisiert und provoziert, anstatt klare, durchdachte Positionen zu vertreten. Diese Widersprüchlichkeit schaffe Unsicherheit bei Bürgern und Koalitionspartnern gleichermaßen – ein Zustand, der die schwarz-rote Zusammenarbeit belastet.
Der Experte verweist darauf, dass auch frühere Kanzler wie Helmut Kohl mit ähnlichen Techniken arbeiteten. Bei Merz sei dies jedoch deutlich problematischer, da die fehlende Klarheit und Stringenz in der heutigen politischen Situation verstärkt negativ wahrgenommen werden. Die fortgesetzten Umfrageverluste des Kanzlers könnten auch eine Folge dieser kommunikativen Inkonsistenz sein.