Investitionen: Globale Konzerne blicken optimistisch auf den Standort Deutschland

Investitionen: Globale Konzerne blicken optimistisch auf den Standort Deutschland

Studie zu Direktinvestitionen





Globale Konzerne blicken optimistischer auf Deutschland

Deutsche Unternehmen verzweifeln am hiesigen Reformstau und drosseln ihre Investitionen. Im Ausland haben Manager laut einer neuen Studie offenbar ein ganz anderes Bild vom Standort.

Baustelle einer geplanten Chipfabrik in Dresden
Baustelle einer geplanten Chipfabrik in Dresden

Baustelle einer geplanten Chipfabrik in Dresden


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Robert Michael / dpa / picture alliance


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Kaum ein Land ist zuletzt im Ansehen internationaler Investoren ähnlich stark gestiegen wie Deutschland. Das legt eine aktuelle Umfrage der Unternehmensberatung Kearney nahe. Demnach wird das Land aktuell unverändert auf Platz fünf der attraktivsten Investitionsziele gesehen, beim Ausblick für die kommenden Jahre macht Deutschland aber einen deutlichen Sprung nach vorn.

»Internationale Investoren haben Deutschland auch in schwachen Jahren als Zielmarkt auf dem Schirm behalten. Neu ist, dass sie jetzt wieder an die wirtschaftliche Dynamik des Standorts glauben«, sagt Teresa Schawe, Partnerin und Managing Director bei Kearney.

Die Einschätzung steht im Widerspruch zum Pessimismus, mit dem viele einheimische Unternehmen auf den Standort blicken. So stellte das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln kürzlich fest, Deutschland befinde sich »in der längsten Phase negativer Unternehmenserwartungen seit 20 Jahren«. Der Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo-Instituts fiel im April auf den tiefsten Stand seit dem Coronafrühling 2020.

Kearney befragt einmal im Jahr Topmanager aus mehr als 500 Großunternehmen weltweit, welche Standorte sie für Investitionen am attraktivsten finden. Dabei geht es nicht um reine Finanzinvestitionen, also etwa Aktienkäufe, sondern Direktinvestitionen. Darunter versteht man den Bau von Werken, Firmenübernahmen oder den Erwerb großer Beteiligungen mit strategischen Absichten.

Angeführt wird das Ranking unverändert von den USA, vor Kanada, Japan, China und Deutschland. Allerdings verändert sich das Bild, wenn man auf das blickt, was Kearney den »Optimismus-Indikator« nennt, der die Erwartung der Investoren an dessen wirtschaftliche Entwicklung über die kommenden drei Jahre abbildet.

Für Deutschland klettert der entsprechende Nettowert – also die Differenz zwischen positiv und negativ gestimmten Investoren – auf 39 Prozent und legt damit gegenüber dem Vorjahr um zehn Prozentpunkte zu. 48 Prozent der Befragten blicken optimistisch auf die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands, nur neun Prozent äußern sich pessimistisch. In der globalen Optimismus-Rangliste wird Deutschland damit nur von den Vereinigten Arabischen Emiraten (42 Prozent) und Japan (41 Prozent) übertroffen.

Die Aussichten für die USA haben sich eingetrübt

Die befragten Manager begründen ihren Optimismus damit, dass Deutschland nach zwei Jahren Rezession dank höherer Staats- und Konsumausgaben 2025 wieder um 0,4 Prozent gewachsen sei. Allerdings haben sich die Wachstumsaussichten wegen des Kriegs in Iran und der gestiegenen Energiepreise zuletzt wieder eingetrübt. Die internationalen Unternehmen loben jedoch auch die deutsche Innovationskraft, 32 Prozent der Befragten sehen darin die stärkste Standortqualität.

Großer Verlierer im Optimismus-Ranking sind die USA. Noch vor einem Jahr, nach dem Amtsantritt Donald Trumps, hatten internationale Investoren auf kein Land zuversichtlicher geblickt, in der aktuellen Umfrage sacken die USA beim Ausblick auf die kommenden Jahre auf Platz 15 ab.

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Mit Blick auf die aktuelle Attraktivität der Standorte stellt Asien erstmals seit 13 Jahren den größten Anteil unter den Top 25. Die befragten Unternehmen sehen in der technologischen Innovationskraft den wichtigsten Einzelfaktor für Investitionsentscheidungen. Auch der Industriepolitik messen die Manager zunehmende Bedeutung bei. Deutschland brauche deshalb »verlässliche Rahmenbedingungen und eine klare Industriepolitik«, um sich im schärferen Wettbewerb insbesondere mit asiatischen Staaten zu behaupten.

Die Kearney-Umfrage bestätigt einen Trend, der sich im vergangenen Jahr bereits in Zahlen niedergeschlagen hat. 2025 steigerten ausländische Unternehmen ihre Investitionen in Deutschland gegenüber dem Vorjahr von 43 auf 96 Milliarden Euro. Die ausländischen Direktinvestitionen übertrafen damit die Investitionen deutscher Unternehmen im Ausland um rund zehn Milliarden Euro.

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