Iran-Krieg: Gefahr in der Straße von Hormus: So funktionieren die gefährlichen Seeminen

Iran-Krieg: Gefahr in der Straße von Hormus: So funktionieren die gefährlichen Seeminen

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Iran-Krieg: So funktionieren die gefährlichen Seeminen

Laut einem US-Medienbericht hat der Iran die Straße von Hormus vermint. Seeminen werden gegen Schiffe und U-Boote eingesetzt und können noch Jahrzehnte nach dem Absetzen gefährlich sein.Hendrik Wünsche 11.03.2026 – 18:53 Uhr
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Gefahr für Tanker und andere Schiffe: Seeminen könnten in der Straße von Hormus warten. Foto: REUTERS, Gemini [M] Handelsblatt

Düsseldorf. Berichte über angeblich vom Iran in der Straße von Hormus verlegte Seeminen haben die Sorge um die Sicherheit der internationalen Energieversorgung befeuert. Seeminen kommen zum Einsatz, um Seegebiete oder Schifffahrtsrouten zu sperren, Häfen zu blockieren oder gegnerische Schiffe zu beschädigen. Sie gelten als schwer zu entdecken und zu beseitigen.

US-Präsident Donald Trump hatte auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social für den Fall einer Sperrung der Straße von Hormus gedroht, den Iran so stark zu bombardieren, dass das Land nicht wieder aufgebaut werden könne.

Durch die Straße von Hormus, die die öl- und gasreichen Staaten am Persischen Golf wie Kuwait, Saudi-Arabien und Katar mit dem Indischen Ozean verbindet, werden etwa 27 Prozent des globalen Ölhandels und 20 Prozent der weltweiten LNG-Menge transportiert.

Dabei ist die Straße gerade einmal 35 bis 70 Kilometer breit und die für große Schiffe wie Öltanker zu befahrende Fahrrinne je Richtung nur etwa drei Kilometer. Das macht es dem Iran so leicht, die strategisch wichtige Meerenge mit einfachen Mitteln zu blockieren.

Nach jüngsten Berichten setzt der Iran auf eine asymmetrische Schwarmtaktik mit Hunderten Schnellbooten der Ashura-Klasse und Kleinst-U-Booten. Das US-Zentralkommando meldete zwar die Zerstörung von 16 dieser Minenleger, aber der Iran verfügt laut Berichten über ein Arsenal von bis zu 5000 dieser Boote.

Die Boote sind mit 6,70 Meter Länge sehr klein, bis zu 170 km/h schnell und durch den Bootskörper aus glasfaserverstärktem Kunststoff nur sehr schwer zu orten. Außerdem lassen sie sich günstig in großen Mengen herstellen. Es gibt sie in drei Versionen: ausgestattet mit Raketenwerfern und Maschinengewehr, als Truppentransporter und als Minenleger.

Minenleger der iranischen Revolutionsgarden-Marine: extrem schnell und wendig. Foto: imago images/ZUMA Wire

Dass der Iran nicht unvorbereitet in den Konflikt mit Israel und den USA geht, ist kein Zufall. Seit dem einseitigen Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen und spätestens seit dem „Zwölf-Tage-Krieg“ im Jahr 2025 war für Teheran klar, dass ein neuerlicher Angriff erfolgen würde. Diese Zeit wurde genutzt, um das Arsenal an asymmetrischen Waffen – von der Ashura-Flotte bis zu modernen Grundminen – massiv auszubauen.

Ausgebracht werden Seeminen von wendigen Schnellbooten. Seeminen sind mit Sprengstoff gefüllte, unter Wasser schwebende Körper, die bei Kontakt oder bei Annäherung eines Schiffs explodieren. Manche Modelle detonieren bei direkter Berührung, andere registrieren anhand von Magnetfeld, Fahrtgeräusch oder Veränderung des Wasserdrucks, dass sich ein Schiff nähert.

Es gibt Seeminen, die am Boden verankert werden, und direkt auf dem Meeresboden liegende Minen. Andere können ferngesteuert werden. Minen, die frei und unkontrollierbar treiben, sind völkerrechtlich verboten. Ins Meer gebracht werden sie von Flugzeugen, U-Booten oder Schiffen.

So funktioniert eine Seemine

Zwar können die USA versuchen, den Iran daran zu hindern, Minen zu legen, aber bei der schieren Zahl der Boote wird das schwierig. Das US-Regionalkommando für den Nahen Osten hatte nach eigenen Angaben mehrere iranische Marineschiffe, darunter 16 Minenleger, in der Nähe der Straße von Hormus zerstört.

Wenn die Minen erst einmal liegen, steht die US-Marine vor dem nächsten Dilemma: Sie hat in den vergangenen Jahren massiv die Fähigkeit verloren, Minen zu räumen.

Die spezialisierten Minensuchboote der Avenger-Klasse wurden bereits abgezogen, während die als Nachfolger geplanten Littoral Combat Ships (LCS) aufgrund technischer Mängel noch immer keine einsatzreifen Räummodule besitzen.

Littoral Combat Ship im Einsatz: Schiffe der Independence-Klasse sollten eigentlich mit Minenräumfähigkeit ausgestattet werden. Foto: REUTERS

Auch fehlt eine luftgestützte Komponente: Schwere Räumhubschrauber sind nicht in der Region stationiert und technisch veraltet. Vor Ort bleiben den USA derzeit nur kleine Unterwasserdrohnen, die zwar einzelne Objekte finden, aber für eine großflächige Räumung der strategisch wichtigen Fahrrinne viel zu langsam sind. Ohne Partner mit speziellen Fähigkeiten, etwa nichtmagnetischen Booten, bleibt die Straße von Hormus damit auf unbestimmte Zeit blockiert.

Wer könnte helfen, die Minen zu räumen?

Da die USA technologisch limitiert sind, rücken Nationen in den Fokus, die eine Nischenkompetenz in der Minenabwehr (MCM) haben.

Die deutsche Bundesmarine gilt mit ihrer Frankenthal-Klasse als weltweit führend. Ihre Boote sind aus speziellem, nichtmagnetischem Stahl gefertigt und verfügen über modernste Sonarsysteme sowie die „Seefuchs“-Drohnen. Das Problem: Die Boote sind alt, und eine Verlegung aus der Ostsee in den Golf dauert Wochen. Zudem zögert die Bundesregierung politisch, in den direkten Konflikt mit dem Iran hineingezogen zu werden.

Japanische Marine mit modernster Minenräumtechnik

Traditionell die stärkste Kraft im Golf ist die britische Royal Navy. Doch nach massiven Kürzungen und dem Abzug der letzten Hunt-Klasse-Boote Anfang 2026 hat die Royal Navy aktuell keine einsatzbereiten Schiffe mehr permanent vor Ort. Die Briten setzen auf autonome Systeme, die in der aktuellen Krise aber noch nicht im nötigen Umfang bereitstehen.

Die japanische Marine verfügt über eine der weltweit größten und modernsten Minenräumflotten, etwa die Uraga-Klasse. Da Japan fast vollständig von Ölimporten aus den Golfstaaten abhängt, wäre ein Einsatz nachvollziehbar. Die pazifistische Verfassung und die Spannungen mit China binden diese Kräfte jedoch primär in heimischen Gewässern.

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Belgien und die Niederlande haben gerade erst ihre neuesten rMCM-Schiffe, etwa die Vlissingen, in Dienst gestellt. Diese hochmodernen „Mutterschiffe“ für Drohnenschwärme wären die ideale Lösung, befinden sich aktuell aber noch in der Erprobungsphase.

Mitarbeit und Recherche: Marius Prauß.
Mit Material von dpa und Reuters.

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