Katholisch, Kochen, Kuscheln: So tickt CDU-Wahlgewinner Gordon Schnieder

Katholisch, Kochen, Kuscheln: So tickt CDU-Wahlgewinner Gordon Schnieder

Katholisch, Kochen, Kuscheln: So tickt CDU-Wahlgewinner Gordon Schnieder

Er wohnt im Elternhaus auf dem Dorf, liebt Radtouren und sammelt Briefmarken

Durchschlug den gordischen Knoten in Rheinland-Pfalz: Gordon Schnieder (50, CDU) holt den Wahlsieg und beendet nach 35 Jahren die Dauer-Regenschaft der SPD in Mainz

Gordon Schnieder (50, CDU) mit seiner Frau Diane. Ohne Abschiedskuss verlässt der das Haus nicht

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Mainz – Als die SPD 1991 die Macht in Rheinland-Pfalz übernahm, war Gordon Schnieder (heute 50) noch ein Teenager: 15 Jahre alt, Gymnasiast, Messdiener. Nach der verlorenen Wahl der CDU trat er im selben Jahr, politisch interessiert und aus politischem Elternhaus, in die Union ein. Was er damals noch nicht ahnen konnte: dass die SPD 35 Jahre lang durchregieren würde. Und dass er es sein wird, der diese Dauerregentschaft mit einem Wahlsieg beendet.

Es waren besonders seine Eltern und sein älterer Bruder Patrick Schnieder (57), der heutige Bundesverkehrsminister, die ihn politisch prägten. Vier Kinder, politische Debatten am Küchentisch formten aus Gordon Schnieder den Landespolitiker: Heimatverbunden, Familienmensch. Er sagt, das morgendliche Kuscheln mit der Familie ist ihm besonders wichtig. Ohne Kuss an Frau Diane (45) verlässt er das Haus nicht.

Die Schnieders wohnen nicht in der Metropole, nicht in einem schicken Haus mit Designermöbeln in einer Top-Gegend in Mainz. Die Schnieders wohnen im Haus der Eltern, in Birresborn in der Vulkaneifel, 1050 Einwohner. Drei Generationen unter einem Dach. Mit der Mutter (81), Diane, drei Kindern (11, 13, 23). Der 1,93 Meter große CDU-Mann kocht gerne für die Familie, liebt Radtouren und Wandern. Und er hat eine große Briefmarken- und Münzsammlung.

Gordon mit seinem älteren Bruder Patrick Schnieder Ende der 1970er Jahre im Elternhaus in Birresborn, in dem er noch heute mit seiner Familie lebt

Gordon mit seinem älteren Bruder Patrick Schnieder im Elternhaus in Birresborn, in dem er noch heute mit seiner Familie lebt

Schnieder sagt: „Ich komme vom Dorf, da kennt jeder jeden, da kann man sich nicht verstellen. Da gilt das gesagte Wort, da gilt der Handschlag.“ Und mit dieser Ehrlichkeit ging Schnieder in den Wahlkampf – und gewann. Gegen eine SPD, die mit ihren Ministerpräsidenten in drei Jahrzehnten immer wieder über Skandale, Versagen und Millionengräber stolperte. Und sich zum Schluss in einem Sonderurlaub-Skandal verhedderte.

Sein größtes Vorbild ist ein Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz aus der Zeit, bevor die SPD regierte: Helmut Kohl (1930-2017), der von 1969 bis 1976 Landesvater von Rheinland-Pfalz war. Nun tritt Gordon Schnieder in seine Fußstapfen.

CDU-Generalsekretär über Schnieder-Sieg: „Die Menschen schätzen Typen mit Ecken und Kanten“

Quelle: BILD

Mit CDU-Bundeskanzler Friedrich Merz (70) verbindet ihn etwas anderes: Schnieder ist (wie sein Bruder Patrick) Mitglied in einer katholischen Studentenverbindung. Sie alle drei sind sogenannte „alte Herren“ im Dachverband. Er selbst nennt sich konservativ. Wenn es dann darum geht, was er darunter versteht, landet er schnell bei seinem Glauben und wirtschaftsfreundlicher Politik. Er ist erkennbar kein Ideologe. Und, was die Art des Auftritts betrifft, so ziemlich das Gegenteil des baden-württembergischen CDU-Spitzenmanns Manuel Hagel, der etwas eitler ist – und wenn er im Wahlkampf unter Druck geriet, Nerven zeigte.

In der Berliner CDU-Zentrale sagten sie seit Monaten, Schnieder „passt zum Land Rheinland-Pfalz“. Das war durchaus anerkennend gemeint.

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