KI: Deutsches Start-up will Marktführer bei autonomer Robotik werden
Roboter von Robco: Die Maschinen sollen autonom agieren. Foto: Robco
München. Gestärkt durch eine neue Finanzierungsrunde in Höhe von 100 Millionen Dollar will Robco zum führenden Anbieter von autonomer Robotik für die Industrie in Deutschland und den USA aufsteigen. „Wir wollen einen unabhängigen Marktführer aufbauen“, sagte Gründer und CEO Roman Hölzl dem Handelsblatt. Mit stark steigenden Umsätzen und einer großen Menge an Daten aus Projekten stehe Robco schon jetzt besser da als viele ambitionierte Konkurrenten.
Robco zählt zu den aufstrebenden deutschen Start-ups. Das Unternehmen hatte eine Art Baukastensystem für Industrieroboter entwickelt, mit dem sich Roboter innerhalb von ein bis zwei Tagen betriebsbereit installieren lassen. Sie können dann Aufgaben übernehmen, etwa das Palettieren oder Pick-and-Place-Tätigkeiten, bei denen Gegenstände angehoben und neu positioniert werden.
Kern der Robco-Technologie ist die selbst entwickelte Software, an die zumeist eigene Hardwaremodule angedockt werden können. Mithilfe eines digitalen Zwillings können die Komponenten aus der Ferne konfiguriert und programmiert werden. So versteht sich Robco inzwischen als „Robotikunternehmen mit Fokus auf physischer KI, das autonome Prozesse in die Industrie bringt“.
Zukäufe und die US-Expansion angepeilt
Die sogenannte Series-C-Runde wird von Lightspeed Venture Partners und Lingotto Innovation angeführt. Beteiligt sind außerdem Sequoia Capital, Greenfield Partners, Kindred Capital und Leitmotif. „Robco hat das Zeug dazu, ein globaler Marktführer zu werden“, sagte Alexander Schmitt von Lightspeed.
Das Start-up habe die Messlatte dafür, was moderne Robotik in realen Produktionsumgebungen leisten kann, weiter angehoben. Morgan Samet, Co-Head von Lingotto Innovation, sagte: „Die Industrie steht an einem Punkt, an dem Autonomie zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil wird.“
Robco-CEO Hölzl: Dreistellige Millionenumsätze angepeilt. Foto: Robco
Mit dem Erlös aus der Finanzierungsrunde will Robco die Technologie weiterentwickeln. Auch Akquisitionen sind laut Hölzl denkbar. Die Branche konsolidiere sich gerade. „Dabei wollen wir eine aktive Rolle spielen.“ Zudem will das deutsche Unternehmen die Internationalisierung vorantreiben – und hat dabei vor allem einen Markt im Fokus. „Wir sehen große Chancen in den USA“, sagte Hölzl.
Robco hat im vergangenen Jahr einen neuen US-Hauptsitz in San Francisco eröffnet und Rapid Robotics übernommen. Schon jetzt mache man etwa 30 Prozent der Umsätze in den Vereinigten Staaten, perspektivisch könnten es 50 Prozent sein, sagte Hölzl.
Potenzial sieht das Start-up dort sowohl bei US‑Kunden als auch bei der Begleitung von deutschen Unternehmen, die in den USA Produktion neu aufbauen oder effizienter machen wollen. Dabei teile sich das Start-up das Risiko mit den Kunden. Die Zellen werden in der Regel als „As a Service“-Lösung zum Mieten angeboten.
Die Zellen von Robco können zum Beispiel beim Entladen, Verpacken und Palettieren eingesetzt werden. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) sollen die Anlagen weitgehend autonom arbeiten. „Wir gehören zu den wenigen, die tief in die Systeme und Prozesse von Unternehmen integrieren können“, sagte Hölzl.
Der Robotikmarkt schwächelte während der Coronapandemie zwar, gilt aber weiterhin als attraktiv. Der Weltverband IFR schätzt, dass die Zahl der Neuinstallationen angetrieben durch neue KI-basierte Lösungen bis 2028 auf mehr als 700.000 Roboter steigen könnte.
Noch dominieren traditionelle Anbieter schwerer Industrieroboter wie Yaskawa, Kuka und ABB den Markt. Doch spielen neue Anbieter zum Beispiel bei Cobots und Humanoiden eine zunehmend große Rolle.
Robco wächst schnell, laut Branchenschätzungen könnten zeitnah erstmals dreistellige Millionenumsätze erzielt werden. „Wir wollen die Geschwindigkeit halten und uns nicht verzetteln“, sagte Hölzl. Der Fokus liege klar auf Europa und den USA.
Robco trifft auf eine Reihe von Konkurrenten. So hat zum Beispiel Coboworx einfach zu bedienende Lösungen für kleinere Unternehmen entwickelt. Die Robotik-Zellen werden ebenfalls als „As a Service“-Mietmodell vertrieben.
Beim Bierversender Sirl etwa werden in Roboterzellen die knapp 18 Kilogramm schweren Kartons mit Bierflaschen von Münchener Brauereien umgehoben und für den Versand ins Ausland palettiert. „Der adressierbare Markt hat ein Multi-Milliarden-Volumen“, sagte Coboworx-Mitgründer Olaf Gehrels dem Handelsblatt.
Zudem gibt es inzwischen ambitionierte Firmen, die sich stark auf den Einsatz von KI konzentrieren. Dazu gehört zum Beispiel Agile Robots, das eine Roboterhand und einen humanoiden Roboter entwickelt hat. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz werden die Maschinen für ihre Aufgaben trainiert und programmiert.



