Kolumne „Inside America“: Was ein Supermarkt ohne Preise über die US-Politik verrät

Kolumne „Inside America“: Was ein Supermarkt ohne Preise über die US-Politik verrät

Kolumne „Inside America“: Was ein Supermarkt ohne Preise über die US-Politik verrät

In New York eröffnet ein Gratis-Supermarkt – und das scheint ins Bild zu passen: Die Trump-Regierung und Demokraten liefern sich ein teures Wettrennen um Staatsinterventionen.Laurin Meyer 08.02.2026 – 16:06 Uhr

Artikel anhören

Laurin Meyer ist US-Korrespondent in New York. Foto: Handelsblatt

Gerade mal einen Monat ist Zohran Mamdani im Amt, und schon scheinen die schlimmsten Befürchtungen wahr zu werden: In New York stapelt sich der Müll, Obdachlose schützen sich in der Abwärme der U-Bahn-Schächte vor der Kälte. Und die neue City-Maut hat Manhattan in eine Geisterstadt verwandelt.

So lautet zumindest das Narrativ der Republikaner, die in sozialen Medien den Untergang der Weltmetropole beschwören. Die Wahrheit ist komplexer: Der Müll kann vor allem wegen der Schneemassen nicht abgefahren werden. Und ansonsten liefert Mamdani im Rekordtempo.

Der 34-Jährige hat versteckte Gebühren verboten, die kostenlose Kinderbetreuung in einem Deal mit der Gouverneurin des Bundesstaats New York ausgeweitet und verspricht Gratisbusse. In dieser Woche eröffnet sogar der erste kostenlose Supermarkt – mit einem Sortiment ohne Preisschilder, offen für alle 8,5 Millionen New Yorker, unabhängig von Einkommen und Vermögen.

Donald Trump trifft unerwartete Maßnahmen

Was wie ein lokales Experiment wirkt, ist Teil eines größeren, bizarren politischen Wettlaufs: Weil die Amerikaner noch immer mit den hohen Lebenshaltungskosten unzufrieden sind, überbieten sich Politiker mit massiven Markteingriffen.

Das zwingt selbst Donald Trump zu Maßnahmen, die man eher im Programm der Linken vermuten würde. Der Präsident plant, Kreditkartengebühren zu deckeln, und will institutionellen Investoren den Kauf von Einfamilienhäusern verbieten. Trump bekämpft die Teuerung nicht mit marktwirtschaftlichen Mitteln, sondern mit dem harten Regiment gegen Branchen und Konzerne.

Sogar die radikale Abschiebepolitik wird nun als ökonomisches Instrument umgedeutet. Das Weiße Haus behauptet, dass Immobilienpreise dort sinken, wo Migranten verschwinden. Belege liefert die US-Regierung nicht.

Klar ist aber: Dieser Populismus hat seinen Preis. Zum einen kostet er Leben – durch Schüsse von Abschiebe-Beamten starben in Minnesota zwei US-Bürger. Zum anderen kostet er Milliarden; unter anderem hat sich das Budget der Einwanderungsbehörde ICE mehr als verdoppelt.

Werbegag statt Dauerlösung

Verwandte Themen
Donald Trump
USA

Am Ende hat also alles ein Preisschild, auch der „Kostenlos-Supermarkt“ in New York. Hinter der Aktion steckt die kryptobasierte Wettplattform Polymarket und damit gar kein Lebensmittelhändler – und schon gar nicht Bürgermeister Mamdani. Die Aktion für „freie Märkte“, wie es vom Unternehmen heißt, soll vorerst nur fünf Tage lang laufen. Danach müssen die New Yorker wieder für ihren Einkauf bezahlen.

Die Lehre daraus: Ob demokratischer Sozialismus oder populistischer Dirigismus – am Ende wird die Rechnung für das „Gratis-Amerika“ präsentiert. Meistens über die Staatsverschuldung oder den Verlust an politischer und wirtschaftlicher Freiheit.

Zur Startseite
Nachricht an die Redaktion


Weiterlesen

Weitere Nachrichten

Eckernförde: Getöteter Jugendlicher

Eckernförde: Getöteter Jugendlicher

Nach dem gewaltsamen Tod eines Jugendlichen in Eckernförde hat die Kieler Staatsanwaltschaft eine Belohnung in Höhe von 5000 Euro für Hinweise ausgesetzt, die zur Ermittlung und rechtskräftigen Verurteilung von Tatbeteiligten führen. Zudem ist ab sofort ein...

mehr lesen