Konjunktur: Inflation in Japan schwächt sich ab – bleibt aber über Notenbankziel

Konjunktur: Inflation in Japan schwächt sich ab – bleibt aber über Notenbankziel

Tokio. Die Bank of Japan (BOJ) hat am Freitag ihren Leitzins unverändert bei 0,75 Prozent belassen. Zunächst will die Zentralbank abwarten, wie sich die Erhöhung im vergangenen Monat auswirkt. Darüber hinaus steht in Japan eine vorgezogene Parlamentswahl an. Beides könnte sich auf die Ausgabenpläne des Landes auswirken.

Die Entscheidung, den Zinssatz unverändert zu lassen, wurde von allen befragten Ökonomen prognostiziert. Die Kreditkosten bleiben damit auf dem höchsten Stand seit drei Jahrzehnten.

Außerdem wurden höhere Inflationsprognosen veröffentlicht, die Raum für eine kommende Zinserhöhung lassen. Diese könnte bereits im Sommer erfolgen und damit früher als erwartet. In ihrem aktuellen Quartalsausblick hat die BOJ vier von sechs Inflationsprognosen nach oben korrigiert und ihre Absicht bekräftigt, die Kreditkosten anzuheben, sollte sich dieser Ausblick bewahrheiten.

Vorstandsmitglied Hajime Takata hatte sich für eine erneute Zinserhöhung ausgesprochen, um die Inflation zu dämpfen. Die übrigen neun Vorstandsmitglieder stimmten dafür, die Zinsen beizubehalten. Trotz der Zurückhaltung der Notenbank rechnen die Märkte darum weiterhin mit höheren Zinsen.

„Angesichts der Aufwärtskorrektur der Inflationsprognosen denke ich, dass sich die jüngste Abwertung des Yen auswirkt und der Kurs der Zinserhöhungen fortgesetzt wird“, sagte Harumi Taguchi, Chefökonomin bei S&P Global Market Intelligence.

Premierministerin Sanae Takaichi hatte zuletzt in ihr Wahlprogramm aufgenommen, die Umsatzsteuer auf Lebensmittelkäufe auszusetzen – und damit die Finanzmärkte in Aufruhr versetzt.

Weitere Zinserhöhung im April erwartet

Der japanische Leitzins war im Dezember auf den höchsten Stand seit 1995 angehoben worden. „Die Kommunikation der BOJ scheint darauf abzuzielen, auf eine mögliche Zinserhöhung im April hinzuweisen“, sagte Yujiro Goto, Chef-Devisenstratege bei Nomura Securities. Die mehrfachen Anhebungen der Preisprognosen „spiegeln eine stabilere Einschätzung der zugrunde liegenden Inflationstrends und des Lohnwachstums wider“, fügte er hinzu.

In einer Pressekonferenz nach der Entscheidung erklärte der Gouverneur der BOJ, Kazuo Ueda, die Zentralbank könne Maßnahmen ergreifen, um die Volatilität am Anleihemarkt auf flexible Weise zu glätten. Damit reagierte er auf eine Frage zu den jüngsten Turbulenzen am Anleihemarkt, die die Renditen langfristiger Anleihen auf den höchsten Stand seit zehn Jahren steigen ließen.

Der Gouverneur merkte auch an, dass das Ausmaß, in dem Unternehmen im April, dem Beginn des neuen Geschäftsjahres, ihre Preise erhöhen, ein Faktor sein wird, den der Vorstand bei der Diskussion über mögliche Zinserhöhungen berücksichtigen wird. Japanische Unternehmen neigen dazu, ihre Preisänderungen auf den Beginn des neuen Geschäftsjahres oder den Beginn der zweiten Jahreshälfte zu legen.

Der Yen schwächte sich während Uedas Rede ab und fiel unter 159 pro US-Dollar.

Inflation im Dezember abgeschwächt

Im Dezember hatte sich die Inflation in Japan abgeschwächt. Sie bleibt jedoch über dem Ziel der Notenbank Bank of Japan (BOJ) von zwei Prozent. Der Kernverbraucherpreisindex, der die schwankungsanfälligen Kosten für frische Lebensmittel ausklammert, stieg im Jahresvergleich um 2,4 Prozent, wie aus am Freitag veröffentlichten Daten hervorgeht.

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Die Abschwächung war größtenteils auf den Basiseffekt des Anstiegs der Energiekosten im vergangenen Jahr zurückzuführen, der durch das Ende staatlicher Subventionen für Kraftstoffe verursacht wurde. Ein Index, der sowohl die Preise für frische Lebensmittel als auch für Kraftstoffe ausklammert, stieg im Dezember um 2,9 Prozent nach 3,0 Prozent im November. Dieser wird von der BOJ als besserer Indikator für die zugrunde liegende Inflation angesehen.

Die Notenbank hatte 2024 ein jahrzehntelanges, massives Konjunkturprogramm beendet und die Zinssätze in mehreren Schritten angehoben, unter anderem im Dezember.

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