Şahin wurde Mitte der Nullerjahre mit bewusst provokantem Pornorap bekannt. Auftritte in Talkshows und Songs wie »Hengzt, Arzt, Orgi« machten sie schnell zu einer umstrittenen Figur der deutschen Popkultur. In der aktuellen Folge des Podcasts »G Spot« schildert sie, wie stark die öffentliche Aufmerksamkeit und die Anfeindungen ihr Leben belasteten.
Ohne Job und unter Angriff
Nach eigener Darstellung verlor sie damals ihre Stelle bei Radio Bremen aufgrund ihrer musikalischen Karriere. Gleichzeitig sei ihr kaum zugetraut worden, akademische Arbeit und öffentliche Provokation miteinander zu verbinden. Die Vorstellung, eine »Gossenrapperin« könne promovieren, sei immer wieder auf Unverständnis gestoßen, sagt Şahin.
Der öffentliche Druck habe schließlich zu einem Zusammenbruch geführt. Nachdem es sogar zu Angriffen auf ihr Elternhaus gekommen war, zog sie sich 2008 weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück und wurde wegen Depressionen stationär behandelt.
Nach etwa einem Jahr, erzählt Reyhan Şahin im Podcast mit Stefanie Giesinger, habe sie sich dann vollständig auf ihre wissenschaftliche Arbeit konzentriert. Die Promotion sei damals weniger ein Karriereschritt als vielmehr ein Versuch gewesen, sich beruflich und persönlich neu zu stabilisieren, sagt sie: »Ich habe aus der Not heraus promoviert.«
Gender, Islam, Popkultur
Heute forscht Şahin zu Gender, Islam und Popkultur, veröffentlicht Bücher und unterrichtet Studierende an der Berliner Kunstuniversität. Rückblickend sagt sie, ihr ungewöhnlicher Lebensweg entspreche nicht ihrem ursprünglichen Traum, Musikerin zu werden, aber es sei »trotzdem was Cooles entstanden.«



