Ferrari-Fahrer Hamilton: »Das war eines der spaßigsten Rennen, das ich seit Langem hatte«
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Lewis Hamilton wusste in Shanghai kaum, worüber er sich mehr freuen sollte: über seinen ersten Podestplatz im Ferrari – oder über den Triumph seines Nachfolgers bei Mercedes. Kimi Antonelli, gerade einmal 19, gewann sein erstes Formel-1-Rennen und wurde damit zum zweitjüngsten Grand-Prix-Sieger der Geschichte, hinter Max Verstappen, der 2016 in Spanien triumphiert hatte.
Hamilton, 41, wirkte nach dem dritten Platz in diesem Rennen gelöst, er nahm gefühlt jeden in den Arm, der ihm über den Weg lief, so glücklich wie lange nicht mehr. »Das war eines der spaßigsten Rennen, das ich seit Langem hatte, vielleicht sogar das spaßigste überhaupt«, sagte Hamilton.
Worte der Erleichterung, kein Wunder: Die Saison 2025 war für den siebenmaligen Weltmeister eine Zumutung gewesen. Sein Debütjahr bei Ferrari: ein Reinfall. Das Auto kaum konkurrenzfähig, der Teamkollege Charles Leclerc meist schneller, die eigene Form und Zuversicht im Sinkflug.
Hamilton kämpfte: mit der Technik, mit sich selbst, und am Ende wohl auch mit der Frage, warum er sich das alles noch antat.
Dritter Platz in China: Hamiltons Ferrari-Premiere auf dem Podium
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Einige Experten, darunter der ehemalige Formel-1-Fahrer und heutige TV-Kommentator Ralf Schumacher, rieten Hamilton bereits, über einen Rücktritt nachzudenken. Die Stimmen, er habe den richtigen Zeitpunkt dafür verpasst und beschädige jetzt sein eigenes Denkmal, sie wurden immer lauter.
Der Gescholtene suchte seinen eigenen Weg durch die Krise: Er zog sich erst einmal für mehr als einen Monat ganz ins Private zurück, weg von der Öffentlichkeit, weg von den sozialen Medien.
Hamilton hoffte, dass mit der neuen Ferrari-Generation für diese Saison der Erfolg und vor allem der Spaß zurückkehren würde. Erste Eindrücke aus dem Simulator hatten ihn vorsichtig optimistisch gestimmt, und die Wintertests in Barcelona schienen diesen Eindruck zu bestätigen: Die etwas kleineren, leichteren, wendigeren Wagen lagen ihm weit besser als die trägen Ground-Effect-Boliden, mit denen die Formel 1 seit 2022 unterwegs war.
Schon bei Mercedes, in den späten Jahren seiner Ära, hatte Hamilton nie wieder jenes Gefühl völliger Kontrolle erlebt, das ihn in seinen Glanzzeiten getragen hatte. Zwischen 2014 und 2020 hatte er sechs seiner sieben WM-Titel gewonnen.
Selbst diese Saison und ihre neuen Regeln schienen zunächst nicht unbedingt zum Fahrer Hamilton zu passen. Das veränderte Reglement (mehr über die Technikneuheiten der Formel 1 lesen Sie hier ) mit Fokus auf Energierückgewinnung statt purer Fahrkunst lag ihm anfangs nicht. Bis kurz vor dem Saisonstart in Melbourne zählte er noch zu den lautesten Kritikern, gemeinsam mit den Superstars Max Verstappen und Fernando Alonso.
Doch als Hamilton merkte, dass ihm diese Vorgaben in manchem sogar zugutekommen könnten, verstummten seine Beschwerden. In Melbourne wurde er vor einer Woche Vierter, nun beim zweiten Saisonrennen Dritter.
Vor allem im Qualifying sieht Hamilton jetzt deutlich besser aus gegen seinen Ferrari-Teamkollegen Charles Leclerc. Ausgerechnet in jener Disziplin also, die lange als Paradefach des Monegassen galt. Doch Leclercs aggressive Linie, sein Hang zum kalkulierten Risiko, lässt sich unter den neuen Regeln weniger ausleben.
Hamilton in China: Viel Fan-Unterstützung
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Hamilton hatte sich im Qualifying von Shanghai dann auch als Dritter vor Teamkollege Leclerc platziert und übernahm nach dem Rennstart sogar kurz die Führung. Dank ihrer kleineren, schneller ansprechenden Turbolader sind die Ferraris in der Startphase derzeit allen anderen überlegen. Doch im Rennverlauf selbst ist Mercedes vorn.
Hamilton erkannte in Shanghai rasch die Kräfteverhältnisse, verzettelte sich nicht in aussichtslosen Duellen mit den Mercedes-Fahrern und konzentrierte sich stattdessen darauf, Platz drei gegen seinen Teamkollegen zu verteidigen.
Das Kalkül ging auf. Nach mehreren Positionswechseln und einer leichten Berührung – »nur ein kleiner Kuss«, grinste Hamilton später – fiel die Entscheidung in Runde 35: Leclerc verbremste sich heftig und kam danach nicht mehr heran. Hamiltons erster Podiumsplatz für Ferrari war perfekt.
Auf der Pressekonferenz sprach Hamilton auf die Frage nach seinen Gefühlen zum ersten Ferrari-Podium zunächst gar nicht über sich selbst – sondern darüber, wie sehr er sich freue, gemeinsam mit seinem jungen Mercedes-Nachfolger Antonelli auf dem Podium zu stehen. Er erinnere sich noch gut an seinen eigenen ersten Sieg 2007, sagte Hamilton. Worauf Antonelli trocken entgegnete: »Da war ich gerade ein Jahr alt.« Beide schüttelten lachend den Kopf. »Unglaublich, oder?«, meinte Hamilton.
Antonelli mit Hamilton (r.): Youngster trifft Altmeister
Foto: Vincent Thian / AP
Was trägt dazu bei, dass es wieder läuft? »Ich bin in diese Saison mit dem Selbstvertrauen gestartet, das ich früher einmal hatte«, sagte Hamilton. »Und hier in China kam noch die unglaubliche Unterstützung der Fans dazu – vielleicht die größte, die ich je erlebt habe. Das hat mich zusätzlich motiviert.«
Physisch und mental, sagte Hamilton, fühle er sich »in der besten Verfassung, in der ich je war«. Er habe im Winter auch mit den Ingenieuren intensiver gearbeitet: »Ich bin froh, dass sie mir zugehört und vieles von dem umgesetzt haben, was ich mir für das neue Auto gewünscht habe.« Ein Satz, der sich als kleiner Seitenhieb auf die Kommunikationsprobleme aus dem Krisenjahr 2025 verstehen lässt.
Auf dem Podium stand als Mercedes-Vertreter noch ein alter Vertrauter: Peter »Bono« Bonnington, Hamiltons langjähriger Renningenieur aus den WM-Jahren, jetzt ist er für Antonelli zuständig. »Der alte Lewis scheint wieder zurück zu sein, das ist unglaublich schön«, sagte Bonnington.
Zum alten Hamilton gehört allerdings auch ein Sieg. Zeit dafür bleibt noch, die Saison hat gerade erst begonnen.
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