Unternehmer warnt vor Spionage von Firmen aus USA und China: Lidl-Chef: Wir müssen bei KI unabhängig werden
Lidl-Chef Gerd Chrzanowski (54) war gut zwei Stunden bei der Klausur der SPD-Bundestagsfraktion
Berlin – Die Wirtschaftswende ist das Top-Thema für 2026. Darum hat die SPD-Fraktion im Bundestag zu ihrer Jahresauftakt-Klausur einen Manager als Gastredner eingeladen: Gerd Chrzanowski (54), CEO der Schwarz-Gruppe (der Konzern hinter Lidl und Kaufland).
Das wichtigste Thema im Fraktionssaal: Künstliche Intelligenz und Daten. Der Chef der Schwarz-Gruppe machte Anwesenden zufolge eindrücklich klar, dass Deutschland da unabhängig werden müsse – von China wie auch von den USA. Sein Unternehmen habe sich deshalb von Microsoft losgesagt und setze auf eine eigene Cloud zur digitalen Datenspeicherung.
Chrzanowski warnte vor Einflussnahme ausländischer IT-Firmen, wie Teilnehmer berichten. Er habe insbesondere den China-Tech-Giganten Huawei genannt.
Der Social-Media-Zug sei „abgefahren“, sagte Chrzanowski demnach auch, er glaube nicht an ein europäisches Instagram oder Facebook. Aber: „Wir müssen schauen, wie wir damit umgehen, gerade mit Blick auf unsere Kinder.“ Er sei sicher: Der KI-Zug sei gerade erst gestartet. Mit Zusammenarbeit und Zusammenhalt könne Deutschland „noch aufspringen“.
Chrzanowski soll zudem betont haben: „Die Zukunft sind Daten. Sie dürfen wir nicht in die Hände Amerikas oder Chinas geben.“
Chef der Schwarz-Gruppe über Innovation und Forschung
Außerdem schilderte Chrzanowski, der nicht nur die Digitalisierung der Unternehmensgruppe, sondern auch den Aufbau von deren Entsorgungs- und Recyclinggeschäft verantwortet hat, laut Anwesenden Erlebnisse aus der Praxis – wie von der Besichtigung einer Müllsortierungsanlage in Kalifornien. Das Gerät sei so schnell gewesen, dass die Arbeiter am Band kaum händisch hinterhergekommen seien. Das Typenschild habe dann enthüllt: Die Maschine, die in den USA für ihre Effizienz gefeiert wurde, war schon 1986 in den Niederlanden gefertigt worden. Die Botschaft hinter der Anekdote: Wir sind besser, als wir denken, müssen aber am Ball bleiben.
Die Wirtschaftsweise Prof. Ulrike Malmendier (52), SPD-Fraktionsvize Armand Zorn (37) und Gerd Chrzanowski (Schwarz-Gruppe) am Donnerstag bei der Jahresauftakt-Klausur der SPD-Fraktion im Bundestag
SPD will „KI-Gutschein“ für den Mittelstand
Im Beschluss-Entwurf für die Klausur führt die SPD aus, wie aus ihrer Sicht die Wirtschaftswende gelingen könnte: „Wirtschaftliche Stärke entsteht nicht durch sozialen Rückbau, sondern durch höhere Produktivität“, heißt es in dem Papier. Angestrebt werden „gezielte Investitionen in Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und neue Technologien“, die „Arbeit erleichtern, Prozesse effizienter machen und neue Wertschöpfung schaffen“.
Geplant: Eine KI-Offensive für Deutschlands Mittelstand. Denn dort werde diese Technik zu wenig genutzt. Die Offensive soll einen „staatlich finanzierten KI-Gutschein“ umfassen. Damit sollen deutsche Mittelständler „KI-Lösungen bei europäischen Anbietern“ kaufen und so die Digitalisierung in ihren Betrieben vorantreiben. Details werden noch ausgearbeitet.
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