Märkte: Japan deutet gemeinsames Eingreifen am Devisenmarkt mit den USA an
Aktueller Wechselkurs zwischen dem japanischen Yen und dem US-Dollar: Eine gemeinsame Devisenmarktintervention gab es zuletzt vor 15 Jahren. Foto: REUTERS
Tokio. Die wiederholten Spekulationen um Stützungskäufe für den Yen beschäftigen Investoren zusehends. Führende Regierungsvertreter haben die Gerüchte zum Wochenauftakt erneut verstärkt. An der Börse in Tokio fielen die Aktienkurse daraufhin deutlich. Dabei ist der Effekt von Devisenmarktinterventionen höchst umstritten.
Seit elf Monaten befindet sich der Yen in einem Abwärtstrend, weshalb die Regierung sich offenbar an die USA gewandt hat, um die eigene Währung zu stützen. Bereits vor dem Wochenende hatte daraufhin der einflussreiche New Yorker Ableger der US-Notenbank Fed sogenannte „Rate Checks“ durchgeführt, so lauten Berichte mehrerer US-Medien.
Dabei fragen die Währungshüter die Geschäftsbanken aktiv nach den aktuellen Wechselkursen. Das gilt als Vorstufe einer Intervention und kommt höchst selten vor. Eine gemeinsame Intervention Japans mit den USA gab es zuletzt vor 15 Jahren infolge des schweren Erdbebens und der Nuklearkatastrophe von Fukushima.
Finanzministerin Satsuki Katayama erklärte, die Regierung beobachte den Devisenmarkt „mit einem Gefühl der Dringlichkeit“. Der für die Währungsentwicklung zuständige Vertreter des Ministeriums sagte, man stehe in enger Abstimmung mit den US-Behörden. Am Wochenende hatte Regierungschefin Sanae Takaichi betont, man werde „notwendige Schritte gegen spekulative oder sehr abnormale Marktbewegungen unternehmen“.
Vor einem direkten Eingriff gibt es in der Regel mehrstufige verbale Äußerungen. Der Effekt am Devisenmarkt ist deutlich spürbar: Der Yen notierte gegenüber dem US-Dollar am Montag bei bis zu 153,31 Yen. Am Freitag lag das Verhältnis noch über der Marke von 159 Yen. Allerdings schwächelte der Dollar auch gegenüber anderen Währungen. Im Verhältnis zum Euro bewegte sich der Yen ausgehend von knapp 187 auf unter 182 Yen pro Euro. Der Auftrieb der Landeswährung drückte wiederum auf die Stimmung an der Börse.
Angesichts möglicher Interventionen sei der Devisenmarkt derzeit „in höchster Alarmbereitschaft“, warnte Dorothea Huttanus von der DZ Bank. Sie sieht dadurch „die nächste Eskalationsstufe“ erreicht. „Markteingriffe sind zum Greifen nah“, sagt die Analystin.
„Die Tatsache, dass die Fed ihren japanischen Kollegen zur Seite zu stehen scheint, dürfte eine große Abschreckungswirkung haben“, sagt Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen. Gleichwohl sei dies noch kein Garant dafür, dass die Yen-Aufwertung auch länger anhält.
Notenbank könnte in ein Dilemma geraten
Um die eigene Währung zu stützen, muss die Bank of Japan (BoJ) auf Anweisung des Finanzministeriums die Währungsreserven nutzen und Dollar gegen Yen eintauschen. Ein solches Vorgehen ist problematisch, weil es einerseits teuer und andererseits riskant ist. Sollte nämlich der gewünschte Stützungseffekt nicht eintreten, könnte dies Spekulationen an den Märkten auslösen und den Druck auf eine Währung verstärken. Die Notenbank gerät so in ein Dilemma.
Stützungskäufe tätigte die BoJ zuletzt 2024 und 2022. Die jüngste Intervention in insgesamt vier Schritten umfasste ein Gesamtvolumen von etwa 100 Milliarden US-Dollar. Schon damals lag die Landeswährung nach einer sehr dynamischen Abwertung an der Schwelle von 160 Yen pro Dollar. Allerdings waren die geldpolitischen und fiskalischen Voraussetzungen gänzlich anders.
Markteingriffe sind zum Greifen nah.
Commerzbank-Analystin Nguyen zweifelt daher den Effekt einer möglichen Intervention an. Das Schicksal des Yens hänge davon ab, „ob die Umstände, die zum Abwertungstrend der japanischen Währung geführt haben, fortbestehen oder nicht“, sagt die Expertin.
Sanae-Kekse: Japans Regierungschefin Sanae Takaichi will ihren Kultstatus mit vorgezogenen Neuwahlen in politische Mehrheiten ummünzen. Foto: AFP
Die Sorgen um die fiskalische Entwicklung Japans hatten zuletzt die Anleiherenditen in die Höhe getrieben. In diesem Kontext verlor auch der Yen an Wert. Zumindest der Renditeauftrieb ist vorerst gestoppt.
Sollte Premierministerin Sanae Takaichi vor den anstehenden Neuwahlen glaubhaft versichern, auf Steuererleichterungen zu verzichten, dürften auch Investoren am Devisenmarkt erleichtert reagieren – ohne eine direkte Intervention der Zentralbank.



