Mona Neubaur im Interview: „Wir machen ein Angebot, damit Start-ups nicht weggehen müssen“

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Mona Neubaur im Interview: „Wir machen ein Angebot, damit Start-ups nicht weggehen müssen“

Die NRW-Wirtschaftsministerin sagt im Interview mit dem Handelsblatt, wie sie ein neues Cluster für große Rüstungskonzerne, den Mittelstand, Start-ups und die Forschung schaffen will.Martin Knobbe, Sebastian Matthes 14.02.2026 – 20:51 Uhr
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NRW-Wirtschaftsministerin Neubaur: „Zeitenwende nicht nur eine Phrase“. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Die Unterzeichnung des „Letter of Intent“ fand in einer Suite im Bayerischen Hof am zweiten Tag der Münchner Sicherheitskonferenz statt. Gemeinsam mit den Rüstungs- und Technologiekonzernen Rheinmetall und Lockheed Martin sowie dem Leichtbauspezialisten für Automobil- und Luftfahrtkomponenten, Mubea, plant die nordrhein-westfälische Landesregierung, ein neues Cluster für die Rüstungsindustrie aufzubauen.

Kern der Initiative ist das sogenannte Production Launch Centre Defence (PLCD), ein Technologie- und Entwicklungszentrum für die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie. Auf einer Art Campus sollen künftig Konzerne, Mittelstand, Start-ups und Forschung zusammenkommen.

„Wir wollen das westdeutsche Innovationszentrum für Hightech im Bereich von Sicherheit und Verteidigung werden“, sagte die nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) im Interview mit dem Handelsblatt.

Es gehe darum, die Lücke zwischen Labor und Serienproduktion zu schließen, sagte Neubaur, die auch stellvertretende Ministerpräsidentin ihres Bundeslandes ist. „Damit wollen wir nicht nur für militärische Sicherheit sorgen, sondern auch industrielle Wertschöpfung generieren“.

Lesen Sie hier das komplette Interview mit Mona Neubaur.

Frau Neubaur, was ist das Ziel Ihrer Initiative, ein Hightech-Zentrum für Rüstungsgüter zu schaffen? Sich als Bundesland im großen Verteidigungsboom zu profilieren?
Wir zeigen, dass für uns in Nordrhein-Westfalen die Zeitenwende nicht nur eine Phrase ist, wir wollen tatsächlich mitgestalten. Wir schaffen mit dem Production Launch Center Defence einen Ort, an dem große Systemhäuser mit mittelständischen Unternehmen und Start-ups zusammenarbeiten können. Wir zeigen, dass man das Ganze auch wettbewerblich betrachten kann und Innovation wie Innovationsgeschwindigkeit zu einem echten Markenkern für Verteidigungsfähigkeit und Wertschöpfung macht.

München gilt als Big-Tech-Cluster, soll Nordrhein-Westfalen so etwas wie das Rüstungscluster werden?
Wir wollen das westdeutsche Innovationszentrum für Hightech im Bereich von Sicherheit und Verteidigung werden. Wir sind wahnsinnig stark darin, Künstliche Intelligenz in Anwendung zu bringen, zum Beispiel in der Landwirtschaft. Das Gleiche machen wir jetzt mit der Verteidigung. So können sich zivile und militärische Anwendungen gegenseitig befruchten – dual use at it’s best. Da sind wir sehr gut aufgestellt mit Hochschulen, mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen, mit Start-ups. Hier konnten wir in Nordrhein-Westfalen im letzten Jahr ein Wachstum von 33 Prozent beobachten.


Das ist eine Chance, allen zu zeigen: Wir können das in Nordrhein-Westfalen.

Die großen Unternehmen in dem Feld, auch die Start-ups, sind aber vor allem in Süddeutschland zu finden.
Wir machen mit dem PLCD jetzt ein Angebot, damit Start-ups nicht weggehen müssen aus Nordrhein-Westfalen. Das PLCD bietet einen Ort, wo sie mit ihren Ideen in die Produktion gehen können und über die Skalierbarkeit bis zur Marktfähigkeit kommen. Wir machen das nicht zum ersten Mal, in Aachen bietet die RWTH ein ähnliches Angebot für Tech-Startups.

Haben Sie ein konkretes Ziel, wollen Sie in bestimmten Feldern den Spitzenplatz erreichen?
Die Landesregierung macht sich sehr konkret Gedanken darüber, wie wir zum Beispiel europäische Mittel so kofinanzieren können, dass wir denen, die gute Ideen haben, mit öffentlichem Fördergeld helfen können. Damit wollen wir nicht nur für militärische Sicherheit sorgen, sondern auch industrielle Wertschöpfung generieren. Wir sehen ja, welche Arbeitsplatzwirkungen jetzt alleine schon die großen Systemhäuser in Nordrhein-Westfalen haben. Wir zeigen mit Weeze …

… wo Amerikaner mit Deutschen das Kampfflugzeug F-35 bauen …
… dass es sie gibt, die Nordrhein-Westfalen-Geschwindigkeit. Jetzt erweitern wir die Zusammenarbeit und schaffen Platz für den Mittelstand und für Start-ups. Das ist eine Chance, allen zu zeigen: Wir können das in Nordrhein-Westfalen – ihr müsst nicht irgendwo anders hingehen.

Modell des US-Tarnkappenbombers F35: Zusammenbau in Weeze. Foto: dpa

Wie genau funktioniert das Entwicklungszentrum?
Wir bauen das Gebäude. Die Anlage im Inneren zu bauen, ist Auftrag der Sicherheits- und Verteidigungsunternehmen, der Startups, der Mittelständler und der Systemhäuser.

Und die Startups können dann dort Flächen mieten?
Vereinfacht gesagt: Ja. In Münster machen wir etwas Ähnliches mit der Forschungsfabrik Batteriezelle, in Aachen für Aviation. Da stehen die Unternehmen Schlange, um da reinzukommen und dann ihre neuen Werkstoffe oder Verfahrensweisen so zu testen, dass sie ihre Idee bis zur Marktreife bekommen. Es gab da eine Lücke zwischen Labor und Serienproduktion, wir haben diese Lücke geschlossen. Das Gleiche machen wir im Verteidigungsbereich.

Wo wird das Gebäude stehen?
Wir sind ja noch dabei, das Konzept abzuschließen, aber es wird relativ sicher im Rheinischen Revier sein.


Wir sagen ja nicht, dass wir die transatlantische Partnerschaft beenden.

Wie wollen Sie garantieren, dass die beteiligten Unternehmen und Start-ups schnell und unbürokratisch arbeiten können?
Das Wichtigste: Wir wollen zeigen, wie schnell wir von der Unterzeichnung des Letter of Intent zur Inbetriebnahme kommen.

Sie planen den Spatenstich bis Herbst.
Im besten Fall, zumindest Spatenstich as soon as possible. Das zweite ist, dass wir jetzt schnell in Nordrhein-Westfalen umsetzen, was das Vergabebeschleunigungsgesetz fürs Verteidigungsministerium ermöglicht: die Vergabe in kurzer Frist und nicht in langjährigen Schleifen.

Einer der Partner ist das US-Unternehmen Lockheed Martin. Wie passt das zum Bestreben Europas, unabhängiger zu werden, gerade von amerikanischer Technologie?
Wir sagen ja nicht, dass wir die transatlantische Partnerschaft beenden. Das wäre zum jetzigen Zeitpunkt nicht das richtige Signal. Das Signal ist, dass wir uns anbieten für Kooperationen auf Augenhöhe. Und dass wir neben den Erstunterzeichnern weitere europäische Unternehmen haben, die mit reinwollen, zum Beispiel Leonardo aus Italien. Es gibt einen klaren Fokus auf die Stärkung der europäischen Sicherheitsindustrie.

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Frau Neubaur, vielen Dank für das Gespräch.

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