Münchner Sicherheitskonferenz: Spahn: Rubio-Rede zeigt gemeinsame Arbeitsgrundlage mit US-Regierung
Spahn: Der Unionsfraktionschef sieht die transatlantischen Beziehungen in Takt. (Archivbild) Foto: Philipp von Ditfurth/dpa
Verfolgen Sie die Reden auf der Münchner Sicherheitskonferenz im Livestream:
Spahn: Gemeinsame Arbeitsgrundlage mit US-Regierung
Unionsfraktionschef Jens Spahn hat sich nach der Rede von US-Außenminister Macro Rubio auf der Münchner Sicherheitskonferenz optimistisch gezeigt, dass es gelingt die transatlantische Partnerschaft zu erhalten. „Die Rede von Rubio zeigt, dass die Nato Bestand hat und dass wir eine gemeinsame Arbeitsgrundlage mit der US-Regierung haben“, sagte Spahn dem Handelsblatt. Damit könne man „sehr gut arbeiten“.
Der US-Außenminister Macro Rubio hatte sich in München zum Bündnis der USA mit Europa bekannt. „Wir wollen, dass Europa stark ist“, hatte Rubio gesagt. Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete das Bündnis mit den USA als „Wettbewerbsvorteil“ für beide Seiten. Ein hochrangiger Nato-Diplomat sprach von einer „neuen Dynamik“. Er sei zufrieden mit dem Verlauf der Konferenz. Ähnlich äußerten sich Vertreter der Bundesregierung.
Von der Leyen nennt Russland „Terrorstaat“
EU-Kommissionspräsidentin hat Russland als einen Terrorstaat bezeichnet. Auf X schrieb sie: „Russland agiert seit langem als Terrorstaat und bedient sich terroristischer Methoden.“
Darunter falle laut von der Leyen die Vergiftung politischer Gegner, Journalisten zum Schweigen zu bringen und die Invasion friedlicher Nachbarländer.
Mit diesen Aussagen reagiert von der Leyen auf die Veröffentlichung mehrerer europäischer Staaten – darunter Deutschland, dass der Aktivist Alexej Nawalny wohl von Russland vergiftet wurde.
Pistorius kontert Rubio
Im vergangenen Jahr war es Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), der als erster auf die verstörende Rede von US-Vizepräsident J.D. Vance anwortete. Vance hatte Europa Demokratiedefizite und Einschränkungen der Meinungsfreiheit vorgeworfen. „Das ist nicht akzeptabel“, sagte der Verteidigungsminister damals. Auch dieses Jahr gab Pistorius US-Außenminister Marco Rubio Kontra, der in seiner Rede behauptet hatte, die internationale Ordnung der Vergangenheit habe versagt und die USA müssten dies ausgleichen.
„Ja, unsere internationalen Organisationen haben es nicht geschafft, Krisen und Konflikte zu lösen“, sagte der Verteidigungsminister. „Aber die Lösung kann nicht darin bestehen, dass eine Großmacht allein handelt. Das mag kurzfristig funktionieren. In einer Welt mit mehr konkurrierenden Großmächten wird dies langfristig definitiv nicht funktionieren.“ Es gebe einen viel besseren Weg, nämlich die Reform und Stärkung internationaler Organisationen. Frieden und Sicherheit könne man nur gemeinsam erreichen, so Pistorius.
Unverständnis von Sicherheitsexperten über positive Stimmung nach Rubio-Rede
In der Cafébar des Bayerischen Hofes, dem Marktplatz der MSC, herrscht bei Sicherheitsexperten wie Carlo Masala von der Universität der Bundeswehr in München oder Claudia Major vom German Marshall Fund noch immer Irritation darüber, wie positiv viele MSC-Teilnehmer die Rede von US-Außenminister Marco Rubio aufgefasst haben. „Ja, der Ton war deutlich versöhnlicher und bemüht konstruktiver als im letzten Jahr bei J.D. Vance“, sagte uns Claudia Major. „Aber an den inhaltlichen Unterschieden hat sich ja nichts verändert. Die Frage, ob wir die gleichen Ziele verfolgen, ob wir das gleiche Verständnis von Werten haben, diese Frage stellt sich ja immer noch.“
Rutte: Debatte über stärkere nukleare Abschreckung ist in Ordnung
Ein europäischer Atomschirm kann aus Sicht von Nato-Generalsekretär Mark Rutte allenfalls als Ergänzung für den der USA dienen. „Jede Diskussion in Europa, die sicherstellen soll, dass die nukleare Abschreckung insgesamt stärker wird, ist in Ordnung“, sagte Rutte am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz im Gespräch mit Journalisten. Das letztlich entscheidende Fundament der Freiheit in Europa sei aber der Atomschirm der Vereinigten Staaten. Nur diese verfügten über die Stärke und Macht, der nuklearen Bedrohung durch andere Atommächte zu begegnen.
Rutte äußerte sich zu der Frage, was er von der Debatte über eine europäische nukleare Abschreckung halte. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte zuvor bei der Münchner Sicherheitskonferenz gesagt, er habe mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron erste Gespräche über europäische nukleare Abschreckung aufgenommen.
Pistorius erwartet stärkere Arbeitsteilung in der Nato
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius geht davon aus, dass die USA weiter zur Nato stehen, erwartet aber künftig eine stärkere Aufteilung der Arbeit und Verantwortung. „Europa muss die Führung bei der Bereitstellung starker konventioneller Streitkräfte übernehmen und mehr Verantwortung für seine Nachbarschaft tragen, während die Vereinigten Staaten auch in absehbarer Zukunft weiterhin strategische und nukleare Unterstützung leisten“, sagte der SPD-Politiker in seiner auf Englisch gehaltenen Rede bei der MSC. Die USA hätten diese neue Lastenverteilung sehr deutlich gemacht, und Europa handele: „Die Nato wird europäischer, damit sie transatlantisch bleiben kann.“
Auch die USA könnten aber nicht allein bestehen in der heutigen Welt der aufstrebenden Großmächte, auch sie bräuchten starke Verbündete. Dass die transatlantische Allianz mehr als 30 Alliierte vereine, sei wirklich einzigartig: Das Bündnis mache „die Vereinigten Staaten stärker als jede andere Großmacht und, was am wichtigsten ist, stärker als ihre Gegner.“
Die Nato wird europäischer, damit sie transatlantisch bleiben kann.
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius
Frankreichs Außenminister zu Rubio-Rede: Ändert unsere Strategie nicht
Aus Sicht von Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot ändert die Rede von US-Amtskollegen Marco Rubio bei der Münchner Sicherheitskonferenz nichts am eigenen Kurs. Barrot sagte, er verstehe, warum die Rede positiv aufgefasst wurde, aber „wird das unsere Strategie ändern? Natürlich nicht!“ Man werde ein starkes, unabhängiges Europa abliefern, „ungeachtet der Reden, die wir bei der Münchner Sicherheitskonferenz hören, wie gescheit sie auch sein mögen“.
Auf die Frage eines Journalisten, ob die Rede ihn beruhigt habe, entgegnete Barrot: „Sehe ich so aus, als müsste ich beruhigt werden?“ Dennoch sagte der Minister, auf ein gemeinsames Vermächtnis zu verweisen, könne in Europa nur mit Applaus entgegengenommen werden. Auch der Gedanke, dass manche Herausforderungen nicht von einem Land allein gelöst werden könnten, finde in Europa natürlich Anklang.
Sehe ich so aus, als müsste ich beruhigt werden?
Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot
Nato: Russland erleidet „wahnsinnige Verluste“ – Bündnis abwehrbereit
Russland muss nach Angaben von Nato-Generalsekretär Mark Rutte im Krieg gegen die Ukraine derzeit „wahnsinnige Verluste“ hinnehmen. In den vergangenen zwei Monaten habe die russische Armee rund 65.000 Soldaten verloren, sagt Rutte auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Zugleich betont er die Stärke der westlichen Allianz. Russland werde es derzeit nicht wagen, die Nato anzugreifen. „Wir werden jeden Kampf gegen Russland gewinnen, wenn sie uns jetzt angreifen“, sagt Rutte vor Journalisten. Man müsse sicherstellen, dass dies auch in zwei, vier oder sechs Jahren noch der Fall sei.
Tausende bei Iran-Demo in München
Tausende Teilnehmer haben bei einer Groß-Demonstration in München ihre Solidarität mit den Menschen im Iran gezeigt. Für seinen Protest gegen die politische Führung in dem Land hatte der Verein The Munich Circle 100.000 Teilnehmer angemeldet, wie das Kreisverwaltungsreferat (KVR) mitteilte. Zum Versammlungsbeginn um 12 Uhr waren laut Polizei etwa 15.000 Menschen auf der Theresienwiese zusammengekommen.
Die Demonstranten unterstützen Reza Pahlavi, den Sohn des 1979 vertriebenen Schahs von Persien. Dieser war zur Sicherheitskonferenz nach München gereist und sagte vor Journalisten: „Heute stehen Tausende Menschen von München über Toronto bis Los Angeles im Rahmen meines Aufrufs zu einem globalen Aktionstag in Solidarität mit dem iranischen Volk. Sie senden eine klare Botschaft an die Führer der westlichen Demokratien, sich mit dem iranischen Volk zu solidarisieren.“
Tausende demonstrieren auf der Theresienwiese in München ihre Solidarität mit den Menschen im Iran. AFP
Laschet geht nicht von Entspannung in transatlantischem Verhältnis aus
Der CDU-Außenpolitiker Armin Laschet warnt davor, nach der Rede von US-Außenminister Marco Rubio bei der Münchner Sicherheitskonferenz von Entspannung im transatlantischen Verhältnis auszugehen. „Die wird es auch nicht mehr geben“, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag der Deutschen Presse-Agentur am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz.
„Wir tun alles, dass die Amerikaner so eng dabei sind, wie es geht, weil sie in vielen Themen auch ähnliche Interessen haben wie wir“, sagte Laschet. „Aber es wird nicht mehr so friedlich und entspannt sein, wie in den Zeiten vor 2020.“ Rubio habe eine versöhnliche, Europa zugewandte Rede gehalten und gemeinsame Wurzeln etwa im kulturellen Bereich beschrieben. Dies sei eine Selbstverständlichkeit. „Man nimmt es schon als etwas Besonderes, wenn es mal wieder einer aus den USA ausspricht, dass das so ist.“
Wadephul lobt Rubio: „Ein echter Partner“
Bundesaußenminister Johann Wadephul hat die Rede von US-Außenminister Marco Rubio auf der Münchner Sicherheitskonferenz gelobt. „Das war die Rede, die ich erwartet habe“, sagte Wadephul in einer Podiumsdiskussion auf der Konferenz in der bayerischen Landeshauptstadt am Samstagmittag. „Wir wissen, dass er ein echter Partner ist“, sagte der Minister mit Blick auf Rubio. „Und natürlich haben wir eine gemeinsame Basis“, ergänzte der Minister mit Blick auf Rubios Ausführungen zur gemeinsamen Geschichte Europas und der USA.
Die drei Appelle des Wolodymyr Selenskyj
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, der bei der MSC erneut mit stehenden Ovationen empfangen wurde, hat drei flammende Appelle an den Westen gerichtet.
1. Die westlichen Verbündeten dürften sein Land nicht bei der Luftverteidigung im Stich lassen.
Russland greife täglich weiter mit Raketen, Gleitbomben und Drohnen an, doch der Nachschub für die Luftverteidigungssysteme sei weitgehend erschöpft. Oft kämen dringend erwartete Flugkörper für die Systeme erst kurz vor russischen Angriffswellen an. Ausdrücklich dankte Selenskyj Deutschland, Norwegen und den Niederlanden dafür, dass sie bei diesem Thema Druck machten. Auch Nato-Generalsekretär Mark Rutte forderte die europäischen Verbündeten auf, stärker die Initiative PURL zu nutzen, um damit dringend benötigte Luftverteidigungssysteme in den USA einzukaufen.
2. Der Druck auf Russland muss erhöht werden, auch durch die Lieferung neuer Waffensysteme.
Russland verliere Monat für Monat 30.000 bis 35.000 Soldaten an der Front und mobilisiere im Gegenzug monatlich etwa 40.000 neue Soldaten, von denen nicht alle an die Front kämen. Es gehe darum, den Preis für Russland weiter in die Höhe zu treiben. Verliere Russland nicht 30.000, sondern 50.000 Soldaten monatlich, werde auch Kreml-Chef Wladimir Putin den Krieg nicht mehr lange durchhalten können.
3. Der Westen darf Putin nicht auf den Leim gehen.
Der Kreml-Chef gebe zwar vor, friedensbereit zu sein, aber man dürfe ihm das nicht abnehmen, da er seinen imperialen Plänen treu bleibe. Auch sei es illusorisch zu glauben, dass Gebietsabtretungen der Ukraine einen dauerhaften Frieden sichern könnten. So wie das Münchner Abkommen 1938, als die Tschechoslowakei das Sudetenland an Deutschland abtrat, den Zweiten Weltkrieg nicht verhinderte, so würden auch jetzt Konzessionen der Ukraine Putin nicht von seinen eigentlichen Zielen abbringen. Russland höre nur auf Stärke.
Ukrainischer Präsident Wolodymyr Selenskyj dpa
US-Senator erwartet harte Russland-Sanktionen „binnen Wochen“
„Wir werden bald über das Graham-Blumenthal-Gesetz abstimmen“, sagte der demokratische Senator Mark Warner am Rande der MSC. „Es handelt sich nur noch um Wochen.“ Dahinter verbirgt sich ein Paket aus harten Sekundärsanktionen gegen Russland, das seit zehn Monaten im US-Kongress feststeckt. Trump hatte angekündigt, ein entsprechendes Gesetz unterschreiben zu wollen. Der Anfang April 2025 im US-Senat eingebrachte „Sanctioning Russia Act of 2025“ sieht weitreichende wirtschaftliche Strafmaßnahmen gegen Russland vor. Neu ist, dass auch jene Länder sanktioniert werden sollen, die den Krieg gegen die Ukraine durch Energieimporte indirekt unterstützen.
Der überparteiliche Entwurf wurde von den Senatoren Lindsey Graham (Republikaner) und Richard Blumenthal (Demokrat) initiiert. Das Ziel besteht darin, Russland durch direkte sowie erstmals auch sehr harte sekundäre Sanktionen wirtschaftlich zu isolieren. Im Zentrum stehen US-Strafzölle in Höhe von 500 Prozent auf alle Importe aus Ländern, die wissentlich russisches Öl, Erdgas, Uran oder petrochemische Produkte beziehen. Vertreter der Bundesregierung hatten sich zuletzt enttäuscht darüber gezeigt, dass das Gesetz nicht vorankommt – in Berlin wird es als ein Schlüssel gesehen, Putin auf dem Weg zu einem Waffenstillstand in der Ukraine zu bewegen.
Zukünftiger Merck-Chef: Abhängigkeit bei Medikamentenversorgung verringern
Am Rande der MSC sagte der künftige Merck-CEO Kai Beckmann dem Handelsblatt: Die Verknüpfung sicherheitspolitischer Themen und ökonomischer Resilienz sei noch nie so wichtig gewesen wie jetzt, deshalb sei er hier. Er vermisse allerdings ein aus seiner Sicht existenziell wichtiges Thema: die enorme Abhängigkeit bei der Medikamentenversorgung wie Antibiotika.
Beckmann weist darauf hin, dass es bei den Vorprodukten für einige lebenswichtige Medikamente eine hohe Abhängigkeit von Ländern außerhalb Europas bestehe. Dies sei aus seiner Sicht ein Thema, dass bei der Münchner Sicherheitskonferenz unbedingt diskutiert werden müsste. Auch in der Bundesregierung sieht Beckmann hier keine ernsthafte Diskussion. Europa muss hier dringend eigene Kapazitäten aufbauen, auch wenn das manche Medikamente erst einmal etwas teurer macht. „Wir kaufen unsere Panzer ja auch nicht in Russland, nur weil die da billiger sind.“
Klingbeil: Nach Rubio-Rede nicht zufrieden zurücklehnen
Die Rede von US-Außenminister Marco Rubio an die Europäer in München ist für Vizekanzler Lars Klingbeil kein Grund, sich zufrieden zurückzulehnen. Zwar sei der Auftritt Rubios „sehr verbindlich“ und „sehr diplomatisch“ gewesen, sagte der Finanzminister und SPD-Chef unmittelbar nach der Rede der Deutschen Presse-Agentur. „Trotzdem muss man ja einfach sehen, wir haben gerade sehr viele Dinge im transatlantischen Verhältnis, die nicht gemeinsam laufen, wo wir Differenzen haben. Und deswegen wäre das Falscheste, was jetzt passieren kann, dass die Europäer sich jetzt zufrieden zurücklehnen und sagen: Jetzt ist wieder alles gut.“
Europa müsse weiter an den eigenen Stärken arbeiten, betonte Klingbeil. Die neue Tonlage der USA wertete er als Ergebnis des entschlossenen Kurses der Europäer gegenüber den USA zum Beispiel in der Grönland-Frage.
Der SPD-Chef stellte sich auch klar hinter die Rede von Bundeskanzler Friedrich Merz am Freitag in München. „Ich finde, der Kanzler hat eine sehr kraftvolle, auch wichtige Rede gehalten. Er hat da meine volle Unterstützung.“ Die enge transatlantische Bindung, die es viele Jahrzehnte gab, sei „in der Tat in der Auflösung“.
Ian Bremmer zum transatlantischen Verhältnis: „Konflikt bleibt“
Der US-Politologe Ian Bremmer sieht trotz der Rede von US-Außenminister Macro Rubio keine Anzeichen dafür, dass die amerikanische Regierung an einem starken Europa interessiert ist. „Wenn man die Oberfläche abkratzt, bleibt der Konflikt“, sagte er dem Handelsblatt und verwies auf den Handelskonflikt und die eingestellte Hilfe für die Ukraine. „Die Europäer sollten sich keine Illusionen machen“, sagte Bremmer.
Chinas Außenminister: Keine Alleingänge einzelner Staaten
Chinas Außenminister Wang Yi hat auf der Münchner Sicherheitskonferenz eine Wiederbelebung der Vereinten Nationen gefordert – und sich deutlich gegen Alleingänge einzelner Staaten auf der Welt gewandt. Ohne die USA beim Namen zu nennen, sagte Wang Yi laut offizieller Übersetzung: „Multilateralismus sollte immer gefördert und gestärkt werden. Es darf nicht passieren, dass einige Länder andere dominieren.“
Der Minister rief die internationale Staatengemeinschaft auf, das System der Vereinten Nationen zu revitalisieren und zu reformieren. „Wir haben nicht das Recht, es zu zerstören.“ Die Uno sei in der jetzigen Form zwar nicht perfekt, aber immer noch das beste und mächtigste Instrument, das es auf der Welt gebe. Und die Plattform, auf der alle Nationen, unabhängig von Größe und Wohlstand, eine Stimme hätten und die gleichen Rechte.
Bundeskanzler Friedrich Merz mit Chinas Außenminister Wang Yi. AP
„Ohne die Uno würden wir zurückkommen zu einem Recht des Stärkeren, wo die Stärkeren die Schwachen besiegen und bestimmen“, warnte Wang Yi. „Wir leben in einer multilateralen Welt und das müssen wir weiter so verfechten. Das muss die internationalen Beziehungen dominieren“, betonte er. China wolle Partner sein, versicherte der Außenminister. „Wir sind keine Rivalen.“
Starmer: Müssen zum Kampf bereit sein
Der britische Premierminister Keir Starmer hat angesichts der Bedrohung durch Russland eine Aufrüstung der europäischen Partner angemahnt. „Hard power“, die Fähigkeit, die eigenen Interessen militärisch und wirtschaftlich durchzusetzen, sei „die Währung unsere Zeit“, sagte Starmer während seiner Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz, und diese müsse aufgebaut werden.
„Wir müssen in der Lage sein, Aggression abzuschrecken, und ja, wenn nötig, müssen wir bereit sein, zu kämpfen, alles zu tun, was erforderlich ist, um unsere Mitmenschen, unsere Werte und unsere Lebensweise zu schützen“, sagte Starmer, der betonte: „Wir suchen keinen Konflikt. Unser Ziel ist dauerhafter Frieden.“ Europa müsse dafür auf eigenen Füßen stehen, unabhängiger vom größten Nato-Partner USA.
Wir suchen keinen Konflikt. Unser Ziel ist dauerhafter Frieden.
Großbritanniens Premier Keir Starmer
Starmer: Sind nicht mehr das Großbritannien der Brexit-Jahre
Der britische Premierminister Keir Starmer baut in der Verteidigung auf die gemeinsame Zusammenarbeit in Europa. „Wir sind nicht mehr das Großbritannien der Brexit-Jahre, denn wir wissen, dass wir Handlungsfähigkeit einer gefährlichen Welt nicht mit Abkapselung erreichen“, sagte Starmer auf der Münchner Sicherheitskonferenz.
„Darum bin ich heute hier, um deutlich zu machen: Es gibt keine britische Sicherheit ohne Europa und keine europäische Sicherheit ohne Großbritannien. Das ist die historische Lektion und es ist auch heute die Realität“, sagte Starmer. Die Zusammenarbeit für eine stärkere und europäischere Nato bedeute vertiefte Zusammenarbeit in Industrie, Technologie und der weiteren Wirtschaft. Diese seien die Fundamente, auf denen Sicherheit und Wohlstand gegründet seien.
Großbritanniens Premier Keir Starmer AP
Röttgen bewertet Rubio-Rede verhalten positiv
Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen hat die Rede von US-Außenminister Marco Rubio auf der Münchner Sicherheitskonferenz verhalten positiv gewertet. Rubios Rede „hat einen Rahmen geschaffen, in dem über die Meinungsverschiedenheiten im transatlantischen Verhältnis gesprochen werden kann“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag der Deutschen Presse-Agentur in München.
Die Rede habe alle konkreten politischen Themen wie etwa den Krieg Russlands gegen die Ukraine ausgelassen, sagte Röttgen. Rubio habe die historische Verbindung und die gemeinsamen Erfolge der USA und der Europäer betont.
Positiv war, dass er die Untrennbarkeit des Schicksals der USA und Europas hervorgehoben hat.
CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen
Von der Leyen: Keine Äquidistanz zwischen Russland und USA
Im Interview nach ihrer Rede bezeichnet Kommissionspräsidentin von der Leyen das Regime in Moskau als „echte Bedrohung“ für Europa auf die Frage, ob sich Europa zwischen zwei feindlichen Großmächten befinde. Die Situation mit den USA sei „völlig anders“ gelagert.
Clüver-Ashbrook über Rubio-Rede: „Zutiefst revisionistisch“
Die Rede des US-Außenministers ist am Vormittag das wichtigste Thema bei der MSC. Die USA-Expertin Cathryn Clüver-Ashbrook sagte im kurzen Gespräch mit dem Handelsblatt: „Es war insgesamt eine zutiefst revisionistische Rede. Nicht nur, was das transatlantische Verhältnis angeht, sondern tatsächlich auch, was die Geschichte Europas und der USA angeht“.
Die Erzählung einer rein weißen Geschichte, wie sie Rubio porträtiert habe, habe tatsächlich mit der Gründung Amerikas wenig zu tun, so die Politologin, die für die Bertelsmann Stiftung zur Zukunft Europas forscht. „Diese Regierung möchte die eigene Geschichte umdenken“ und empfehle den Europäern, ihre Geschichte ebenfalls „ad acta zu legen“. Warum es trotzdem Standing Ovations gab? Das frage sie sich auch, sagte Clüver-Ashbrook. „Ich frage mich tatsächlich, ob im Raum nicht genau zugehört wurde“.
Lang lebe Europa.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen
Ukraine als Prüfstein für Europas Verteidigung
Der Krieg in der Ukraine zeige eine Wahrheit, so von der Leyen: „Du änderst dich oder du stirbst“. Dabei erwachse militärische Stärke aus industriellen Kapazitäten. Europa habe Champions in der Rüstungsbranche, die Unterstützung bräuchten.
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