USA: Atom-Gespräche mit dem Iran sollen fortgesetzt werden
Jared Kushner, Steve Witkoff mit Omans Außenminister Albusaidi (v. l.): die USA hatten Iran noch kürzlich mit Militärschlägen gedroht. Foto: via REUTERS
Istanbul. Iranische und amerikanische Unterhändler haben sich am Freitag erstmals seit den massiven US-Luftangriffen auf das Land im Juni vergangenen Jahres zu Gesprächen getroffen. Das Treffen fand in Muskat statt, der Hauptstadt des Oman.
Es sei sehr hilfreich gewesen, die iranischen und amerikanischen Sichtweisen zu klären und Bereiche zu identifizieren, in denen Fortschritte möglich seien, sagte der omanische Außenminister Badr al-Busaidi im Anschluss. „Wir beabsichtigen, zu gegebener Zeit erneut zusammenzukommen.“ Zunächst müssten die Ergebnisse aber in Teheran und Washington sorgfältig geprüft werden.
Der iranische Außenminister Abbas Araghchi bestätigte, dass ein weiteres Treffen geplant ist. „Wir haben heute sehr lange und intensive Gespräche geführt“, sagte Araghchi dem iranischen Staatsfernsehen. „Es war ein guter Anfang.“
US-Präsident Donald Trump hat weitere Gespräche zwischen Vertretern seiner Regierung und des Irans für Anfang nächster Woche angekündigt. Laut dem iranischen Außenministers Abbas Araghtschi steht allerdings noch kein Termin fest.
Einen Durchbruch habe es aber nicht gegeben, sagte Hamidreza Azizi von der Stiftung für Wissenschaft und Politik dem Handelsblatt. Denn es habe lediglich indirekte Gespräche gegeben, nicht aber Treffen der Unterhändler. Das zeigten auch Aufnahmen des omanischen Außenministeriums. Dort sieht man, wie sich Außenminister al-Busaidi in einem mit hellblauen Brokatsofas ausgestatteten Raum nacheinander mit den beiden Delegationen trifft.
Die USA verhängen weitere Sanktionen
Auf amerikanischer Seite nahmen Nahost-Sondergesandter Steve Witkoff, Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und überraschenderweise auch Admiral Brad Cooper teil. Cooper ist Kommandant des US-Zentralkommandos für den Nahen Osten.
„Die Tatsache, dass es in den nächsten Tagen oder Wochen weitere Gespräche geben könnte, lässt vermuten, dass beide Seiten zumindest vorläufig am diplomatischen Weg festhalten“, sagte Azizi. „Solange die Kernforderungen und roten Linien aber von der jeweiligen Gegenseite nicht akzeptiert werden, wird es keinen Durchbruch geben.“
Donald Trump habe sich klar gegen nukleare Aktivitäten des Irans ausgesprochen, sagte US-Regierungssprecherin Karoline Leavitt. Der US-Präsident wolle prüfen, ob ein Abkommen erzielt werden könne. Die Iraner fordern ihrerseits klare Zusagen über Sanktionserleichterungen.
Nur wenige Stunden nach dem Treffen in Muskat verhängten die USA Sanktionen gegen weitere Tanker, Firmen und Personen, die laut Experten an den sanktionierten iranischen Ölexporten beteiligt sind.
Es gebe viele Faktoren, die jederzeit zu einem Scheitern der diplomatischen Bemühungen führen könnten, betonte Azizi. Dazu zählten innenpolitische Meinungsverschiedenheiten in den USA und im Iran. Auch die Frage, wie Israel reagiert, sei relevant. Israel fordert, dass über das umstrittene iranische Raketenprogramm verhandelt wird. Zudem drängt die rechte Regierung unter Benjamin Netanjahu auf einen Regimewechsel in Teheran. Aber auch militärische Fehleinschätzungen auf iranischer oder amerikanischer Seite könnten der Diplomatie ein Ende bereiten, sagte der Iran-Experte.
Die Kriegsgefahr ist nicht gebannt
Die Spannungen in der Region sind in den vergangenen Wochen massiv gestiegen. Trump hatte dem Regime in Teheran während der Proteste mit einem Militärschlag gedroht. US-Streitkräfte verlegten einen Flugzeugträger, Kriegsschiffe und Truppen in die Region – eine „Armada“, wie Trump es nannte.
Die Iraner haben ihrerseits Kurz- und Mittelstreckenraketen in Stellung gebracht und mit Angriffen auf die Kriegsschiffe und US-Basen im Nahen Osten gedroht. Am Donnerstag führten sie einen Raketentest durch. Proiranische Milizen im Irak trafen Vorbereitungen für Angriffe auf US-Einrichtungen.
Angesichts dieser gefährlichen Lage bemühten sich unter anderem die Türkei und Katar um Deeskalation. Wie groß die Sorge in der Region ist, machte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) während seines Besuchs am Golf deutlich. „Große Sorge bereitet Katar der Blick nach Teheran“, sagte Merz am Donnerstagabend (Ortszeit). Er fordere die iranische Führung auf, „wirklich in Gespräche einzutreten“. Zudem müsse der Iran „die Aggressionen und das Atomprogramm“ beenden und seine Drohungen gegen Katar, Jordanien und Israel einstellen.
Die Gespräche wären beinahe nicht zustande gekommen. Ursprünglich hätten sie in Istanbul stattfinden sollen. Doch der Iran zog zurück. Laut Insidern lehnte es Teheran ab, dass an dem Treffen am Bosporus auch Vertreter aus anderen Ländern des Nahen Ostens teilnehmen sollten.
Trump –Anfang nächster Woche wieder Gespräche mit Iran
Für die Türkei, Katar und andere Regionalstaaten geht es zwar in erster Linie darum, einen Krieg zu verhindern. Die aktuellen Spannungen könnten jedoch nicht auf „eine einzige Frage reduziert“ werden, sagte der Sprecher des katarischen Außenministeriums, Majed bin Mohammed al-Ansari, diese Woche. „Was jetzt erforderlich ist, ist die Rückkehr zu umfassenden Verhandlungen, bei denen alle Themen auf den Tisch gelegt werden.“ Dabei setze sich Katar dafür ein, „alle regionalen Partner“ daran zu beteiligen.
Die Spannungen seien so groß, dass ein kleiner Zwischenfall zum Krieg führen könne, sagt Azizi. „Die Region ist ein Pulverfass. Eine kleine Fehleinschätzung genügt, damit es explodiert.“



