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Papst Leo ist ab morgen kein Neuling mehr
Ab morgen gilt es. Der Auftritt am Ostersonntag ist der wichtigste für einen Papst im Kirchenjahr. Papst Leo XIV. spricht den päpstlichen Segen »Urbi et Orbi«. Am Ostersonntag im vergangenen Jahr sprach noch sein Vorgänger Franziskus den Segen, am Tag darauf starb er. Die Kardinäle im Konklave wählten daraufhin Robert Francis Prevost, Augustinerpater mit peruanischer und US-amerikanischer Staatsbürgerschaft, zum Nachfolger. Der gab sich dann den Namen Leo XIV.
Papst Leo XIV. nach dem Konklave im Mai 2025: Die Antwort liegt in der Mitte
Foto: Oliver Weiken / dpa
Wie genau dieser Papst, der ab morgen kein Neuling mehr sein wird, sein Amt auslegt, lässt sich bisher nicht sagen.
Sein Vorvorgänger, der deutsche Papst Benedikt XVI. war ein Intellektueller und zu weltabgewandt, um die Massen zu begeistern. Franziskus war durchaus ein Menschenfänger, äußerte sich aber viel zu häufig und zu widersprüchlich.
Leo muss es besser schaffen als seine Vorgänger, Antworten zu finden, die einerseits zur Kirche passen und von vielen Gläubigen verstanden werden. Andererseits müssen seine Antworten aber der Komplexität gerecht werden, in der wir leben – einer Komplexität, die auch längst zur katholischen Kirche gehört. Wie seine Vorgänger ist auch Leo eingeklemmt zwischen den Vorstellungen der Reformer und der Traditionalisten.
Leo XIV. gibt sich aufgeschlossener als Benedikt und zurückhaltender als Franziskus, sein Temperament scheint genau in der Mitte zu liegen (mehr dazu hier und hier ). Das ist schon mal gut, denn für eine Kirche mit rund 1,4 Milliarden Mitgliedern wird dieser Papst nur in der Mitte Antworten finden.
Morgen kann er schon mal üben. »Urbi et Orbi« ist traditionell ein Appell für den Frieden. Ein Papst muss für den Frieden eintreten, das ist klar. Wie Frieden aber politisch erreicht werden kann, darauf gibt es zurzeit keine einfache Antwort. Denn leider war etwa beim Angriff Russlands auf die Ukraine zu sehen, dass die Abrüstung der einen (EU) die Angriffslust der anderen (Putin) begünstigte.
Es wäre zu hoffen, dass Leo mehr einfällt als eine schlichte Aufforderung zur Versöhnung.
Friedensbewegung: Ein Recht aufs Marschieren
Heute finden in vielen deutschen Städten die sogenannten Ostermärsche der Friedensbewegung statt. Sie haben nicht den besten Ruf. Es mischen sich inzwischen Querdenker, Rechtsextreme und auch diejenigen darunter, die Russlands Präsidenten Wladimir Putin für harmloser halten, als er es offensichtlich selbst sein möchte (mehr dazu hier ).
Ostermarsch in Berlin 2025: Nicht den besten Ruf
Foto: Reto Klar / funke foto services / IMAGO
Auch gibt es, wie gesagt, keine allgemeingültige Antwort darauf, wie die unterschiedlichen Kriege auf der Welt beendet werden könnten. Die Märsche aber suggerieren oft, dass es eine solche Antwort doch gebe.
Ich finde es trotzdem in Ordnung, dass die Friedensbewegten heute loslaufen. Die Ostermärsche sind Ausdruck einer pluralen Gesellschaft, in der jeder für seine Meinung auf die Straße gehen darf.
Ich bin froh, in so einer Gesellschaft zu leben und nicht in der, die Putin in Russland geschaffen hat und die er in der Ukraine etablieren würde, wenn er dort siegte.
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Orbán wackelt, sein System steht
Apropos Putin: Es lohnt sich schon jetzt, auf das nächste Wochenende zu schauen. Am 12. April nämlich findet eine Wahl in Europa statt, von der auch für uns viel abhängen wird, und zwar die Parlamentswahl in Ungarn.
Ungarns Ministerpräsident Orbán: Umfragen sehen ihn im Rückstand
Foto:
Attila Kisbenedek/ AFP
Der seit 16 Jahren amtierende ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán macht uns das Leben schwer, und zwar wegen seiner Nähe zu Putin und US-Präsident Donald Trump, seinem Trotz gegen die EU und seiner antideutschen Propaganda. In Berlin wie auch in Brüssel ist die Hoffnung groß, dass der rechtsnationale Regierungschef die Abstimmung verliert. In Umfragen fällt er zurzeit zurück.
Sollte er tatsächlich verlieren, wäre dann der Siegeszug der illiberalen Demokratie, die Orbán maßgeblich erfunden hat, gebrochen?
Erst einmal nicht. Orbáns System wäre ja noch vorhanden. Zu diesem System gehört eine stark eingeschränkte Meinungs- und Pressefreiheit.
Erst wenn Orbáns Herausforderer Peter Magyar im Falle eines Sieges bereit wäre, das System infrage zu stellen, würde sich wirklich etwas verändern.
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Gewinner des Tages…
…ist der Komponist Johann Sebastian Bach. Ja, ich weiß, das ist an keinem Tag ein besonders origineller Vorschlag und in der Passionszeit schon gar nicht. Bachs Johannespassion ist auch 302 Jahre nach ihrer Uraufführung noch ein häufig gespieltes Meisterwerk.
Bach-Porträt: Ausdruck für inneren Frieden
Foto: Bernhaut/ picture-alliance / dpa
Ich habe sie vor einer Woche in der nahezu ausverkauften Hamburger Elbphilharmonie gehört, aufgeführt vom Concerto Köln und dem NDR-Vokalensemble unter der Leitung von Klaas Stok. Dirigent Stok musste für den Schlussapplaus mehrfach auf die Bühne kommen, bei einer seiner letzten Verbeugungen zeigte er auf den Namen, der auf dem Umschlag seiner Noten stand: Bach. Dem Komponisten allein, so wollte Stok damit wohl andeuten, gebühre der tosende Applaus und die Verneigung.
Und das stimmt ja auch und soll deswegen hier noch mal gesagt werden: Was für ein Glück, eine Rettung oft, dass wir Bachs Musik haben. Gerade in diesen Tagen, in denen uns die Fragen von Krieg und Frieden umtreiben.
Die Johannespassion erzählt die Geschichte der Verurteilung und Hinrichtung des Jesus von Nazareth vor dem Hintergrund einer Zeit, die durch den Expansionsdrang der Römer politisch aufgewühlt war.
Obwohl diese Geschichte den bekannten, todtraurigen Verlauf nimmt, endet sie musikalisch in einem umfassenden Frieden. Der Schlusschor singt »Ruht wohl, ihr heiligen Gebeine«, es klingt tröstlich, innig, sanft.
Bach hat, immer wieder, einen Ausdruck für den inneren Frieden gefunden. Die anhaltende Popularität des Komponisten lässt darauf schließen, dass wir Menschen einen Sinn dafür und eine Sehnsucht danach haben.
Politisch lässt sich daraus so leicht nichts folgern. Nur: Eine Fähigkeit zum inneren Frieden dürfte bei politisch Verantwortlichen die Fähigkeit fördern, äußeren Frieden zu schaffen.
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Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.
Ihre Susanne Beyer, Autorin der Chefredaktion
Korrektur: In einer früheren Fassung stand, Papst Leo habe das erste Mal »Urbi et Orbi« gesprochen, er hat das aber schon an Weihnachten getan. Wir haben das korrigiert.



