Noma in Kopenhagen: Küchenchef René Redzepi tritt nach Gewaltvorwürfen zurück

Noma in Kopenhagen: Küchenchef René Redzepi tritt nach Gewaltvorwürfen zurück

Der Küchenchef des international bekannten Restaurants Noma in Kopenhagen, René Redzepi, gibt nach 23 Jahren seinen Posten ab. Das verkündete er selbst in einer Erklärung und einem Video bei Instagram . »Eine Entschuldigung ist nicht genug«, erklärt der 48-Jährige dabei. »Ich übernehme die Verantwortung für mein Handeln.«

Erst vor Kurzem war durch Berichte in der »New York Times«  und in sozialen Netzwerken  bekannt geworden, dass zahlreiche ehemalige Noma-Angestellte ihrem einstigen Chef massive Vorwürfe machen: Redzepi soll in den Jahren 2009 bis 2017 wiederholt gewalttätig geworden sein.

Die Zeitung berichtete von Interviews mit etwa 35 früheren Mitarbeitern. Redzepi habe demnach Angestellte geschlagen, mit Küchenutensilien gestochen oder gegen Wände geschleudert. Es sei zu Einschüchterungen, Bodyshaming und öffentlichen Demütigungen gekommen. Der Chefkoch habe zudem gedroht, seinen Einfluss geltend zu machen, um weitere Jobaussichten zu ruinieren.

Redzepi gilt als einer der einflussreichsten Köche der Gegenwart. Im Jahr 2003 gründete er auf Initiative von Mitbegründer Claus Meyer das Noma. Der Name setzt sich aus den ersten Silben der dänischen Begriffe »nordisk« (nordisch) und »mad« (Essen) zusammen. Im Jahr 2005 erhielt das Restaurant den ersten Stern im Guide Michelin, im Jahr 2007 folgte der zweite. Der dritte Stern ließ zwar bis 2021 auf sich warten. Für den weltweiten Hype um das Lokal waren aber eher die Auszeichnungen als »bestes Restaurant der Welt« verantwortlich. Noma landete gleich fünf Mal auf dem Spitzenplatz der »The World’s 50 Best Restaurants« : 2010, 2011, 2012, 2014 und 2021.

Derzeit gibt es in Los Angeles ein Pop-up des Restaurants. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Redzepi kündigten allerdings mehrere Sponsoren an, ihre Unterstützung für das US-Event zu streichen, darunter Cadillac und Resy American Express.

Redzepi hatte eingestanden, Mitarbeiter verbal missbraucht zu haben. Am Samstag entschuldigte er sich für die körperlichen Misshandlungen. Weitere konkrete Maßnahmen kündigte er dabei nicht an. Das änderte sich nun in der Nacht zu Donnerstag.

Wer die Küche des Restaurants künftig leiten soll, ist bisher nicht bekannt. Er sei stolz auf sein Team, schrieb Redzepi in seiner Rücktrittserklärung: »Wir sind seit 23 Jahren geöffnet, und ich bin unglaublich stolz auf unsere Mitarbeiter, unsere Kreativität und die Richtung, in die sich das Noma entwickelt.« Er habe daran gearbeitet, eine bessere Führungskraft zu werden, »und Noma hat über viele Jahre hinweg große Schritte unternommen, um die Unternehmenskultur zu verändern«. Er sei sich aber bewusst, dass diese Veränderungen die Vergangenheit nicht ungeschehen machen könnten.

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