London. Als Luke Miels am Anfang des Jahres die Führung des britischen Pharmakonzerns GSK übernahm, musste er nach Meinung vieler Analysten nur die Ernte der guten Vorarbeit einfahren, die seine Vorgängerin Emma Walmsley in den neun Jahren zuvor geleistet hatte.
Die Börse in London reagierte mit einem Kursplus von mehr als zwei Prozent auf die Geschäftszahlen, nachdem die Aktie in den vergangenen fünf Jahren bereits um mehr als 50 Prozent gestiegen war. Der 51-jährige Australier Miels, der bereits seit 2017 als Chief Commercial Officer unter Walmsley gearbeitet hatte, startet also mit viel Rückenwind.
Einfach werden die nächsten Jahre für GSK dennoch nicht. Der Pharmakonzern muss nicht nur eine Reihe von Blockbustern ersetzen, also Medikamente, die bislang einen Umsatz von jeweils mehr als einer Milliarde Pfund gebracht haben.
Miels steht darüber hinaus vor der Aufgabe, auch ein Gegenmittel für die Marktschwäche bei Impfstoffen zu finden, die nicht zuletzt durch die restriktive Haltung des amerikanischen Gesundheitsministers Robert F. Kennedy Jr. verschärft wird. Fast 30 Prozent setzt GSK mit dem Verkauf von Impfstoffen um.
Patentschutz für HIV-Medikamente läuft aus
„GSK hat 2025 erneut eine starke Leistung erzielt, die vor allem auf den Bereich Spezialmedikamente zurückzuführen ist“, sagte der neue GSK-Chef und nannte das zweistellige Umsatzwachstum in den Bereichen Atemwege, Immunologie und Entzündungen, Onkologie und HIV.
Das HIV-Medikament Dolutegravir verliert mit seinen vier Varianten zur Bekämpfung des Aids-Erregers jedoch bis 2030 den Patentschutz in Europa und den USA. Damit ist ein Umsatzanteil von rund 18 Prozent potenziell durch neue Konkurrenzprodukte gefährdet.
Umso wichtiger ist es für Miels, die Forschungspipeline wieder schnell zu füllen. „Wir haben im Bereich Forschung und Entwicklung weiterhin gute Fortschritte erzielt“, berichtete der Vorstandschef und verwies auf fünf Produktzulassungen und mehrere Akquisitionen sowie neue Partnerschaften, um Medikamentenentwicklungen in den Bereichen Onkologie sowie Immunologie und Entzündungen zu stärken.
Konkret haben die Briten mit neuen Heilmitteln gegen Asthma (Exdensur), Meningitis (Penmenvy) und Leukämie (Blenrep) drei starke Umsatzträger in der Pipeline. Hinzu kommt noch ein neues Medikament gegen Hepatitis B (Bepirovirsen), das gerade seine letzte Testphase erfolgreich abgeschlossen hat.
„Wir gehen davon aus, dass sich die positive Dynamik auch im Jahr 2026 fortsetzen wird“, sagte Miels. Zugleich kündigte der GSK-Chef an, dass er einen „starken Fokus auf Markteinführungen und die Beschleunigung der Forschung und Entwicklung“ legen wolle.
Auf der Suche nach neuen Akquisitionen
Der Konzern erwartet für 2026 ein Umsatzplus von drei bis fünf Prozent nach einem Anstieg von sieben Prozent im Jahr 2025. Der Gewinn soll um bis zu neun Prozent höher ausfallen. Negative Währungseffekte des schwachen Dollars könnten das Gewinnziel jedoch gefährden. „Die derzeitige Schwäche des Dollars dürfte das gemeldete Wachstum drastisch verringern und zu Konsenssenkungen führen“, sagte John Murphy, Pharma-Experte beim Finanzdienstleister Bloomberg Intelligence.
Weitere Standorte gibt es auch in Belgien, Frankreich und Deutschland, wo GSK etwa 3000 Mitarbeiter beschäftigt. Insgesamt ist die Zahl der Beschäftigten im Konzern in den vergangenen neun Jahren um rund ein Drittel auf gut 68.000 gesunken. Dazu beigetragen hat auch die Abspaltung der Konzerntochter Haleon vor drei Jahren, die rezeptfreie Arzneimittel, Pflegeprodukte und Hygieneartikel im Angebot hat.
Parallel dazu halten die Briten aber auch nach neuen Akquisitionen im Biotech-Sektor Ausschau. Im Januar übernahm GSK für 2,2 Milliarden Dollar die US-Firma Rapt Therapeutics, die sich auf Heilmittel gegen Lebensmittelallergien spezialisiert hat.



