Prozess: Marius Borg Høiby im Kreuzfeuer

Prozess: Marius Borg Høiby im Kreuzfeuer

Er hat auch eine kriminelle Vergangenheit: Jetzt zieht Marius auch seinen Vater Morten mit rein

Mette-Marits Skandalsohn Marius Borg Høiby (29) steht derzeit in Oslo vor Gericht

Mette-Marits Skandalsohn Marius Borg Høiby (29) steht derzeit in Oslo vor Gericht. 38 Anklagepunkte, vier davon wegen mutmaßlicher Vergewaltigung

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Oslo (Norwegen) – Trockene Luft in Raum 250. So trocken, dass sie im Hals kratzt. Die Stimmen der Anwälte klingen brüchig. Vielleicht ist es die Heizung. Vielleicht die Schwere dieses Prozesses. Siebter Verhandlungstag gegen Marius Borg Høiby (29), Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit (52). Er wirkt entspannter als am Vortag. Dunkle Hose, hellblauer Pullover, keine Brille. Das linke Handgelenk frisch bandagiert. Doch an diesem Tag geht es nicht nur um die Vorwürfe, sondern auch um seine Vergangenheit. Und um seinen leiblichen Vater!

Marius’ leiblicher Vater saß im Knast

Eine Zeugin berichtet von der „Absacker“-Party auf den Lofoten. Dort habe Marius offen über seine Familie gesprochen. „Papa sei im Gefängnis gewesen und deshalb sei er so geworden, wie er ist“, habe er gesagt. Zunächst habe sie einen positiven Eindruck von ihm gehabt. Charmant, zugewandt. Doch im Laufe des Abends habe sich das Bild gewandelt, als sich alles nur noch um Alkohol drehte.

So sah eine Gerichtszeichnerin Marius Borg Høiby (29) am heutigen Verhandlungstag. Er wirkte teilweise regungslos

So sah eine Gerichtszeichnerin Marius Borg Høiby (29) am heutigen Verhandlungstag. Er wirkte teilweise regungslos. Es ist verboten, Fotos von Marius im Gerichtssaal zu zeigen

Sein leiblicher Vater, Morten Borg (57), wuchs in einem vornehmen Viertel von Oslo auf. Er galt als privilegierter Party-It-Boy, bewegte sich in gehobenen Kreisen und im Osloer Nachtleben. Schon früh geriet er in Konflikt mit dem Gesetz: 1991 wurde er wegen Besitzes von Kokain verhaftet.

Marius und sein Vater Morten Borg (55). Das Foto wurde von Borg Høibys Ex-Freundin Nora Haukland (29) aufgenommen, in einer Instagram-Story veröffentlicht

Marius und sein Vater Morten Borg (55). Das Foto wurde von Borg Høibys Ex-Freundin Nora Haukland (29) aufgenommen, in einer Instagram-Story veröffentlicht

Im Gerichtssaal sitzt Marius derweil regungslos da. Zunächst starrt er nach vorn. Doch je länger der Tag dauert, desto mehr scheint er abzutauchen. Er greift zum Notizblock. Kritzelt. Während eine Vertraute des mutmaßlichen Lofoten-Opfers von Angst, Schmerzen und Flashbacks spricht, beugt er sich tief über das Papier. BILD erkennt von Weitem ein Iglu. Oder eine Höhle. Als wolle er sich verkriechen.

Immer wieder fällt der Name von Kronprinz Haakon

Wieder geht es um jenen Abend auf den Lofoten: Filmfestival in Henningsvær. Pizza, Alkohol, gute Stimmung. Vorfreude auf die Premiere eines Skifilms. Auch Kronprinz Haakon (52) war dort, sein Name fällt an diesem Tag mindestens zwölf Mal. Für viele Norweger kaum zu ertragen.

Marius (damals 6) bei seiner Einschulung 2003 mit seinem Vater Morten Borg mit Mutter Mette-Maritt (damals 30) und Stiefvater Kronprinz Haakon (damals 30, r.)

Marius (damals 6) bei seiner Einschulung 2003 mit seinem Vater Morten Borg (damals 36, l.), Mutter Mette-Marit (damals 30) und Stiefvater Kronprinz Haakon (damals 30, r.)

Als die Bar schließt, bietet die Gruppe Marius einen Schlafplatz an. Man habe sogar mit Haakon gesprochen und vereinbart, Marius am nächsten Tag zurückzufahren. Doch später kippt alles. Eine Vertraute schildert vor Gericht, wie die junge Frau, die Geschädigte, erstarrt sei. „Der ganze Körper unter Vollspannung.“ Schlaflosigkeit. Übelkeit. Gedankenstürme. Als die Polizei sie mit möglichen Beweisen konfrontiert habe, sei sie zusammengebrochen. Die Zeugin: „Sie schrieb: Ich brauche Hilfe.“

Ein weiterer Übernachtungsgast sagt, er habe Geräusche gehört: „Es klang wirklich so, als hätten beide Sex.“ Er setzte Kopfhörer auf. Ein Schlafforscher erklärt: Hoher Puls spreche eher für Wachheit, Alkohol könne ihn erhöhen. Daten einer Smartwatch (misst den Puls) spielen eine Schlüsselrolle. Sie passen zu den Aussagen der Geschädigten, wonach Marius in der Nacht ohne ihre Einwilligung Sex mit ihr hatte.

Dann das nächste mutmaßliche Opfer. Die Staatsanwaltschaft wirft Marius Vergewaltigung ohne Geschlechtsverkehr vor. Grundlage: Videos auf seinem Handy. Aufnahmen vom 24. März 2024 zwischen 8.08 und 8.25 Uhr, insgesamt 103,18 Sekunden. Sie sollen zeigen, wie er ihre Genitalien berührt.

So sah eine Gerichtszeichnerin 10. Februar das mutmaßliche Marius-Opfer von den Lofoten. Aufgrund des Persönlichkeitsschutzes wurden ihre Gesichtszüge anonymisiert

So sah eine Gerichtszeichnerin am 10. Februar das mutmaßliche Marius-Opfer von den Lofoten. Aufgrund des Persönlichkeitsschutzes wurden ihre Gesichtszüge anonymisiert

Die Frau sagt: Bis zur polizeilichen Vorladung am 26. November 2024 habe sie nichts von den Videos gewusst. Als man sie ihr zeigte, sei sie „krank und wütend“ gewesen. Kennengelernt hätten sie sich im März 2024 auf einer Party. Später „Absacker“ im Westen Oslos. Sie beschreibt sich als „ziemlich betrunken“. In einem Club zuvor habe Marius mit seiner damaligen Freundin gestritten und sich das T-Shirt zerrissen.

Bei Trinkspielen seien sie zum Kleidertausch aufgefordert worden. Fotos zeigen ihn in Frauenkleidung. Er sei „sehr energiegeladen“ gewesen, sie vermutet Kokain. Sie selbst habe nur Alkohol getrunken. Er habe von „70.000 im Monat“ (rund 6220 Euro) gesprochen – norwegische Kronen. Anderen gegenüber von „Unterstützungsrente“. Dabei ist bekannt, dass Mette-Marit ihm monatlich 20.000 Kronen (rund 1779 Euro) zur Verfügung stellt.

Marius Borg Høiby (29) bei einer Party 2023. Er inszenierte sich gerne als harter Kerl mit Dom-Pérignon-Pulle, Knarre (vermutlich Attrappe) und Rolex-Daytona

Marius bei einer Party 2023. Er zeigte sich mit Dom-Pérignon-Champagner-Flasche, Pistole (vermutlich Attrappe) und einer goldenen Rolex-Daytona

Später gingen sie in ihre Wohnung. Sie: „Dann hatten wir Sex.“ Sie nahm wie üblich eine Schlaftablette. Am Morgen habe sie ein ungutes Gefühl gehabt. Erinnerungsfetzen von grellem Licht in ihrem Gesicht. Er sei „blitzschnell verschwunden“. Und: „Ich war froh, dass er weg war.“

Im Gerichtssaal bricht sie in Tränen aus. Der Staatsanwalt sagt leise: „Ich verstehe, dass das schwierig für Sie ist.“ Marius bestreitet alle Vorwürfe. Am Freitag sagt das mutmaßliche Opfer weiter aus, am Nachmittag wird sich Marius dazu äußern.

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