Raumfahrt: US-Mondmission „Artemis II“ erfolgreich beendet – Raumkapsel Orion sicher gelandet

Raumfahrt: US-Mondmission „Artemis II“ erfolgreich beendet – Raumkapsel Orion sicher gelandet

New York. Die ersten Menschen, die seit mehr als 50 Jahren in der Nähe des Mondes waren, sind nach rund zehn Tagen im All zurück auf der Erde. Die vier „Artemis 2“-Astronauten an Bord der „Orion“-Kapsel landeten planmäßig im Pazifik, teilte die US-Raumfahrtbehörde Nasa mit. Spezialkräfte der Nasa und des US-Verteidigungsministeriums sollten den Astronauten aus der Kapsel helfen.

„Eine perfekte Punktlandung im Wasser“, meldete Rob Navias, Sprecher der Nasa, aus dem Kontrollzentrum. Vor Ort wartete schon das Bergungsschiff „USS John P. Murtha“ mit Flugzeugen und Hubschraubern auf die Astronauten. Später sollten sie zurück nach Houston gebracht werden.

Wenige Minuten vor der Landung warteten die Nasa-Mitarbeiter im Kontrollzentrum gespannt, als die „Orion“ während des Wiedereintritts in die Erdatmosphäre in eine geplante Funkstille eintrat. Der Hitzeschild der Kapsel musste dabei Temperaturen von mehreren Tausend Grad standhalten – bei einem Testflug 2022 hatte er dabei sichtbare Schäden davongetragen.

Die vier Astronauten – der Kanadier Jeremy Hansen sowie die US-Amerikaner Christina Koch, Victor Glover und Reid Wiseman – waren die ersten Menschen seit mehr als 50 Jahren in der Nähe des Mondes. Sie waren in der vergangenen Woche an Bord der „Orion“-Kapsel mit dem Raketensystem „Space Launch System“ vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida abgehoben.

Für Glover, Koch und Wiseman war es der zweite Flug ins All, für Hansen der erste. Koch wurde zur ersten Frau an Bord einer Mondmission der Nasa, Glover zum ersten nicht-weißen Menschen und Hansen zum ersten Kanadier.

Landung im Ozean: Nasa-Mitarbeiter helfen den Astronauten aus der Orion-Kapsel. Foto: via REUTERS

Bislang zwölf US-Amerikaner auf dem Mond

Der Flugverlauf von „Artemis 2“ glich insgesamt einer Acht um Erde und Mond. Die vier Astronauten legten insgesamt mehr als 2,3 Millionen Kilometer zurück. Sie flogen um den Mond herum und entfernten sich weiter von der Erde als jemals Menschen zuvor. Mit ihrer „Orion“-Kapsel knackten sie den 1970 aufgestellten Rekord der „Apollo 13“-Mission von rund 400.171 Kilometern. Am weitesten Punkt waren sie im weiteren Verlauf rund 406.771 Kilometer von der Erde entfernt. Dem Mond näherten sie sich auf rund 6545 Kilometer. Eine Landung war bei dieser Mission nicht geplant.

Bei ihrem Flug um den Mond herum beobachteten die Astronauten den Himmelskörper rund sieben Stunden lang ganz besonders intensiv. Insbesondere auf der Rückseite des Mondes konnten sie dabei auch aufgrund der Sonnenverhältnisse Dinge sehen, die nie ein Mensch zuvor mit den eigenen Augen gesehen hat. Für rund 40 Minuten war es währenddessen für die Astronauten, wie vorab erwartet, nicht möglich, mit dem Kontrollzentrum auf der Erde zu kommunizieren.

Nasa-Mondmission „Artemis 2“ ist gestartet – und zeigt die neuen Machtverhältnisse im All

Gegen Ende des Vorbeiflugs am Mond konnten die Astronauten – mit speziellen Brillen – sogar noch eine Sonnenfinsternis beobachten, bei der die Sonne aus der Perspektive von „Orion“ hinter dem Mond verschwand.

Generalprobe für Mondlandung

Die Mission „Artemis II“ gilt als Generalprobe für eine 2028 geplante Mondlandung. Das langfristige Ziel ist der Aufbau einer dauerhaften Mondstation. Von dort sollen Flüge zum Mars starten. Das gesamte „Artemis“-Programm hat seit 2012 mindestens 93 Milliarden Dollar gekostet, schätzen Experten.

Die Nasa setzt dabei verstärkt auf Zulieferer aus der Privatwirtschaft. Die Schwerlastrakete SLS, die die Orion in den Weltraum transportiert, wurde von den US-Konzernen Boeing und Northrop Grumman entwickelt. Lockheed Martin baut die Raumkapsel. Um den Auftrag für eine künftige Mondlandefähre konkurrieren die Weltraumfirmen SpaceX und Blue Origin der Milliardäre Elon Musk und Jeff Bezos.

Die aufgehende Sonne hinter dem Mond: Das Foto wurde von der Artemis II-Crew aufgenommen. Foto: IMAGO/Xinhua

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Der erste Mensch auf dem Mond war am 20. Juli 1969 Neil Armstrong. Als bislang letzter Mensch verließ im Dezember 1972 der 2017 gestorbene Nasa-Astronaut Eugene Cernan mit der „Apollo 17“-Mission den Erdtrabanten. Insgesamt brachten die USA als bislang einziges Land mit den „Apollo“-Missionen zwischen 1969 und 1972 zwölf Astronauten auf den Mond.

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