50 Millionen Euro versenkt: Riesiger neuer Freizeitpark wird wohl nie eröffnen
Im „Rivoli“ Rotterdam sind schon viele Attraktionen fertig, doch der Freizeitpark wird wohl nie eröffnet werden können
Rotterdam (Niederlande) – Stille statt Kinderlachen, leere Wege statt Warteschlangen. Mitten in Rotterdam steht ein Freizeitpark, der aussieht, als könne er morgen eröffnet werden. Und doch wirkt er wie eingefroren.
Das Riesenrad dreht sich nicht, der Escape-Room ist leer, auch Spukhaus, Eisbahn, Kletterhalle und Piratenschiff sind verwaist. Keine Menschenseele sitzt an den Tischen der Restaurants. Nur der Wind zieht durch die Gerippe der meterhohen Attraktionen, während ein paar Handwerker die Anlagen auf dem 25.000-Quadratmeter-Areal in Schuss halten.
Seit Jahren tut sich nichts mehr. Im schlimmsten Fall wird niemals ein Besucher einen Fuß in das gigantische „Rivoli“ setzen. Ein Schreckensszenario, das für den visionären Erschaffer immer realer wird.
Eine große Achterbahn wartet seit Jahren auf Besucher
„König der Freizeitparks“ steckt hinter dem Projekt
Hennie van der Most (76), auch „König der Freizeitparks“ genannt, steckt hinter dem scheintoten Projekt. Der Niederländer machte in den 1990er Jahren aus dem stillgelegten Schnellen Brüter in Kalkar das erfolgreiche „Wunderland“, wollte mit dem „Rivoli“-Park in Rotterdam ein neues Kapitel schreiben und sich einen Traum erfüllen. Doch der droht zu platzen.
Auf dem Schiff sollten sich Kinder wie Piraten fühlen
Han Groot Obbink, van der Mosts Manager, sagt zu BILD: „Hier war eine Müllverbrennungsanlage, es dauerte schon einige Jahre, um den Boden zu sanieren und das Gebäude für den Umbau herzurichten. Genehmigungen verzögerten sich, für einige Attraktionen wurden keine erteilt.“ Hinzu kam unter anderem, dass zu wenig Strom anlag, es zwischendurch auf dem Gelände brannte und schließlich das Geld ausging, weil wegen Corona Einnahmen aus den anderen Parks fehlten.
Im Spukhaus wird sich wohl niemals jemanden gruseln
Millionen müssen noch investiert werden
Seit 14 Jahren, viel länger als geplant, wird im Rotterdamer Hafen gebaut. Van der Most hat nach eigenen Angaben bereits mehr als 50 Millionen Euro investiert. Rund 7 Millionen Euro fehlen derzeit für die Tilgung der Kredite, weiteres Geld ist für die Finalisierung des „Rivoli“ nötig. Alle Anstrengungen scheiterten zuletzt.
Sogar die Restaurants wären eigentlich fertig
Zusätzliches Problem: das Verhältnis zur Stadt Rotterdam. Das Gelände ist gepachtet. „Der Vertrag läuft nur bis 2030, und die Stadt möchte ihn nicht verlängern. Wir haben die Vermutung, dass dort Wohnungen gebaut werden sollen“, so der Manager. Planungssicherheit? Fehlanzeige. Und für Investoren ein zu hohes Risiko. Sie fordern bereits ihr Geld zurück.
Freizeitpark sollte Lebenswerk werden
Nur neue Geldgeber könnten das Projekt retten. Sogar Bürger sollen sich beteiligen können. Doch die Zeit läuft davon: Eine Zwangsversteigerung ist bereits für den 21. April angesetzt. Für Groot Obbink gleichbedeutend mit dem Abriss. Er sagt zu BILD: „Für Hennie van der Most ist das ein persönliches Drama. Er beschäftigt 2500 Menschen in seinen gut funktionierenden Betrieben, hat sein ganzes Vermögen in das ‚Rivoli‘ gesteckt. Es sollte sein Lebenswerk werden.“
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