Syrien-Machthaber sagt Deutschland-Besuch ab

Syrien-Machthaber sagt Deutschland-Besuch ab

Berlin – Syrien-Machthaber Ahmed al-Scharaa (43) hat seinen für Montag und Dienstag geplanten Deutschland-Besuch abgesagt. Grund sind offenbar die heftigen Kämpfe in Syrien.

Am Dienstag hätte Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) den umstrittenen Präsidenten im Kanzleramt empfangen sollen. Hauptthema des Treffens sollte die Rückkehr von Syrern sein, die wegen des Bürgerkriegs nach Deutschland geflohen waren. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (70) wollte Al-Scharaa am Dienstag treffen.

Außerdem waren Gespräche mit der deutschen Wirtschaft geplant. Außenminister Wadephul hatte im vergangenen Jahr die Gründung eines deutsch-syrischen Wirtschaftsrats angekündigt. Das Entwicklungsministerium von Reem Alabali-Radovan (35, SPD) rief die Plattform „Neuanfang für Syrien“ ins Leben.

Geplanter Empfang al-Scharaas umstritten

Der geplante Empfang al-Scharaas war allerdings angesichts der andauernden Gewalt und der Menschenrechtslage in Syrien von vorneherein umstritten. Der Ex-Dschihadist, der nach dem Sturz des syrischen Diktators Baschar al-Assad (60) im Dezember 2024 zum Übergangspräsidenten ernannt wurde, gibt sich gemäßigt und versichert, die Rechte der Minderheiten in dem Land zu achten.

Al-Scharaa geht massiv gegen Kurden vor

Seiner Regierung wird allerdings vorgeworfen, Alawiten, Drusen und Kurden nicht ausreichend zu schützen. Aktuell geht das Regime massiv gegen Kurden in Aleppo vor. Sicher kein Zufall: Nur Stunden vor seinem geplanten Abflug nach Deutschland starteten al-Sharaas Truppen eine Großoffensive gegen kurdische Milizen im Osten und Norden des Landes.

In der Region Aleppo drangen syrische Streitkräfte in Richtung des Tishrin-Staudamms vor und lieferten sich heftige Gefechte mit der dort herrschenden kurdisch dominierten „SDF“-Miliz. Der Damm ist wichtig, weil das dort befindliche Wasserkraftwerk große Teile der Region mit Energie versorgen kann.

In der östlichen Provinz Deir Essor eroberten mit al-Sharaa verbündete Clans das Conoco-Gasfeld – bislang wichtigste Einnahmequelle kurdischer Militär-Verbände in der Region. Auch aus den nördlichen Regionen Rakka und Hasaka wurden schwere Kämpfe gemeldet.

Al-Scharaa selbst vermeldete nach eigener Darstellung am Sonntag eine Waffenruhe mit der „SDF“-Miliz im Norden. Von Seiten der „SDF“ gab es zunächst keine Bestätigung und auch keine Reaktion.

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