Techkonzerne: Musk legt SpaceX und xAI zusammen

Techkonzerne: Musk legt SpaceX und xAI zusammen

Tech-Konzerne: „Höheres Risiko für Investoren“ – Musk vereint SpaceX und xAI

Elon Musk will Rechenzentren im All bauen. Um das Projekt zu finanzieren, legt er sein KI-Start-up mit seiner Raketenfirma zusammen. Analysten und Experten sind skeptisch.Felix Holtermann, Thomas Jahn 03.02.2026 – 15:36 Uhr aktualisiert
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Elon Musk: Der Milliardär ordnet sein Firmenimperium neu. Foto: Picture alliance, Reuters [M]

San Francisco, Düsseldorf. Tech-Milliardär Elon Musk legt die Raketenfirma SpaceX und xAI, seinen Entwickler von Künstlicher Intelligenz (KI) und Betreiber der Plattform X, zusammen. Die Unternehmen wollen unter anderem Rechenzentren im Weltall bauen, wie Musk am Montag ankündigte. Er schätze, dass dies in zwei bis drei Jahren der günstigste Weg sein werde, um Rechenleistung für KI zu generieren, schrieb er in einem Blogeintrag.

Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg, die sich auf Insider bezieht, wird das neue Gesamtunternehmen mit 1,25 Billionen Dollar bewertet. Wäre der Konzern an der Börse notiert, wäre er damit das elfthöchstbewertete Unternehmen der Welt.

SpaceX wird demnach mit einer Billion Dollar bewertet, xAI mit 250 Milliarden Dollar. Den Mitarbeitern wurde die neue Bewertung offenbar am Montag in einem internen Memo mitgeteilt.

Vorbereitung auf den Börsengang

Mit der Übernahme von xAI durch SpaceX entstünde „der ehrgeizigste, vertikal integrierte Innovationsmotor auf (und außerhalb) der Erde“, schrieb Musk in seinem Blogeintrag. Das Gesamtunternehmen betreibe künftig die Geschäftsfelder „KI, Raketen, weltraumgestütztes Internet, direkte Kommunikation mit Mobilgeräten und die weltweit führende Plattform für Echtzeitinformationen und freie Meinungsäußerung“.

Analysten zeigten sich skeptisch. Gregory Williams von TD Cowen spricht von einem „höheren Risiko für Investoren“ durch xAI. Dessen Sprachmodelle würden „Unsicherheit“ in ein sonst „klar ausgerichtetes Unternehmen der Satellitenkommunikation und Luft- und Raumfahrt“ bringen.

Craig Moffett von Moffett Nathanson spricht es noch härter aus: „xAI ist ein Nachzügler in einem hochkonzentrierten Markt, in dem ohne Ende Cash verbrannt wird.“ Dagegen gebe es bei SpaceX einen „klaren Weg zur Profitabilität“.

Für den Aufbau von Rechenleistung und das Trainieren des Sprachmodells Grok verbraucht xAI monatlich fast eine Milliarde Dollar, wie Bloomberg vor einigen Wochen aufgrund interner xAI-Unterlagen berichtete.

Medienberichten zufolge plant SpaceX für 2026 einen Börsengang (IPO), bei dem die Firma mit bis zu 1,5 Billionen Dollar bewertet werden könnte. Musk bestätigte das Vorhaben im Grundsatz.

Insgesamt sehen Kritiker die Fusion als Rettungsversuch für xAI, ähnlich wie 2016: Damals übernahm Tesla für 2,6 Milliarden Dollar Solar City, das von zwei Cousins von Musk geführt wurde. Die Akquisition einer überschuldeten Firma, die über eine schwache Stellung im Markt verfügte, wurde damals zu Recht stark kritisiert und gilt heute als Fehlschlag.

Ali Javaheri vom Analysehaus Pitchbook verteidigt dagegen die Fusion mit xAI. Sie sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu dem erwarteten Börsengang. „Die Fusion verlagert die Bewertung von einem Raketenunternehmen hin zu einem Kritische-Infrastruktur- und Plattformgeschäft.“

Die Kommunikations-Satellitenkonstellation Starlink des Konzerns sei bereits „ein Cashflow-Motor“. Durch die Übernahme von xAI kommen nun eine KI-Einnahmequelle sowie eine „Vertriebsplattform für KI-Dienste und Daten“ hinzu. Mit der Aussicht auf orbitale Rechenzentren positioniere sich SpaceX „als integrierte Infrastrukturplattform, die kommerzielle und staatliche Anwendungsfälle bedienen kann, was eine viel stärkere Erzählung im Hinblick auf einen Börsengang ist“, sagte Javaheri.

KI-Rechenzentren im All? Musk legt SpaceX und xAI zusammen

vor 1 Std.
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Sowohl Weltraumtechnik als auch KI seien kapitalintensive Branchen, so die Pitchbook-Experten. Um die „enormen Kosten für Rechenleistung, Infrastruktur und Energie“ weiter finanzieren zu können, sei ein Börsengang essenziell. Sollte der Betrieb von Weltraumrechenzentren funktionieren, dürften „Solarenergie und die natürliche Kühlung im Weltraum“ die KI-Betriebskosten deutlich senken.

Diesen Optimismus teilen aber viele nicht. Henrique Cecci, Forschungsdirektor und Datenzentrenexperte von der Beratung IT-Gartner, sagt: „Während weltraumgestützte Rechenzentren für Aufmerksamkeit sorgen, sind sie nicht wirtschaftlich tragfähig.“ Sie können nicht mit der Leistungsfähigkeit „erdgebundener Rechenzentren mithalten“.

Kontroverse um xAI

Schon vor dem Börsengang dürfte die Fusion Musk ermöglichen, xAI mit Milliarden aus den Kassen von SpaceX zu versorgen. Das KI-Start-up hat einen hohen Kapitalverschleiß. SpaceX und zuletzt auch der ebenfalls von Musk geführte Elektroauto-Hersteller Tesla steckten in Finanzierungsrunden bereits jeweils zwei Milliarden Dollar in xAI.

Elon Musk hat die Übernahme seines KI-Startups xAI durch seine Raumfahrtfirma SpaceX bestätigt. Die Transaktion bewerte das neue Gesamtunternehmen mit 1,25 Billionen US-Dollar, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person.

In der vergangenen Woche waren Überlegungen bekannt geworden, auch einen potenziellen Zusammenschluss von SpaceX mit Tesla durchzuspielen. Davon war am Montag jedoch keine Rede mehr.

So ambitioniert die am Montag verkündete Vision für SpaceX klingt, so real waren zuletzt die Probleme bei xAI. Das Unternehmen betreibt den KI-Chatbot Grok, mit dem Musk ChatGPT von OpenAI und anderen KI-Angeboten Konkurrenz machen will.

So wurden jetzt die Büros von xAI in Paris durchsucht. Schon in wenigen Wochen muss Musk dort bei der Staatsanwaltschaft vorstellig werden: Die französische Behörde untersucht unter anderem den Verdacht der Beihilfe zur Verbreitung von kinderpornografischem Material und die Verletzung von Bildrechten durch Sex-Deepfakes.

Der EU geht das allerdings nicht weit genug. Sie fordert von xAI, systematisch gegen Risiken durch den KI-Chatbot vorzugehen, und hat daher ein Verfahren gegen X eröffnet.

EU geht gegen Elon Musks Chatbot Grok vor

Bereits im Dezember hatte die EU unter dem Digital Services Act (DSA) eine Strafe von 120 Millionen Euro gegen X verhängt. Grund für die Strafe waren unter anderem Verstöße gegen Transparenzregeln für Werbung. Künftige Strafen könnten durch die Übernahme von xAI durch SpaceX jedoch deutlich höher ausfallen – bis zu sechs Prozent des Jahresumsatzes. Weitere Verfahren laufen.

Schlüsselrolle für Starship

Eine Schlüsselrolle beim Aufbau von Rechenzentren im Orbit könnte die SpaceX-Rakete Starship spielen, die größere Lasten in die Umlaufbahn bringen kann. Musk sprach von „einer Million Tonnen an Satelliten jährlich“, die Starship transportieren könne.

„In der Geschichte der Raumfahrt gab es noch nie ein Fahrzeug, das in der Lage war, die Megatonnen an Masse zu transportieren, die für weltraumgestützte Rechenzentren oder permanente Stützpunkte auf dem Mond und Städte auf dem Mars erforderlich sind“, erklärte Musk. Zunächst stehe „der Start von KI-Satelliten von der Erde“ für das neue Unternehmen im Mittelpunkt. Danach würden „Operationen auf anderen Welten“ ermöglicht und „letztlich die Expansion ins Universum“.

SpaceX spielt seit Jahren eine zentrale Rolle für das US-Raumfahrtprogramm. Ohne die Raketen des Unternehmens könnte der Westen keine Astronauten mehr zur Internationalen Raumstation ISS befördern.

Da die USA die Einführung von KI in ihren militärischen Netzwerken vorantreiben wollen, locken zudem neue lukrative Verteidigungsaufträge für den fusionierten Konzern, erklärte Caleb Henry von der Beratung Quilty Analytics bereits in der vergangenen Woche. xAI hat bereits einen Vertrag im Wert von bis zu 200 Millionen Dollar über die Lieferung von KI-Produkten an das Pentagon abgeschlossen.

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CEO von SpaceX ist offiziell Musk. Laut Insidern wird das Unternehmen jedoch maßgeblich von Gwynne Shotwell geführt, Präsidentin und Organisationschefin (COO). Die 62-Jährige ist als effiziente Managerin bekannt, die öffentlich kaum in Erscheinung tritt.

Mit Material von dpa.

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