Sicherheitslücke: Experten warnen vor mangelhafter Drohnen-Abwehr in Deutschland
Rüstungsindustrie-Vertreter kritisieren erhebliche Defizite bei der Luftverteidigung. Der geplante Maßnahmenkatalog des Innenministeriums wird als unzureichend bewertet.
Deutschland ist nach Einschätzung von Sicherheitsexperten derzeit nicht in der Lage, sich gegen großflächige Drohnen-Anschläge zu verteidigen. Ein hochrangiger Mitarbeiter der Rüstungsindustrie beschreibt die vorhandenen Kapazitäten als praktisch inexistent. Sollte das Land mit Drohnen-Schwärmen angegriffen werden, würden die meisten Ziele erreichen – einschließlich der Hauptstadt.
Das zentrale Problem liegt in der Erkennung der unbemannten Flugkörper. Die Bundeswehr verfüge über zu wenige mobile Sensorsysteme, um Drohnen in großem Stil aufzuspüren und zu orten. Erschwerend kommt hinzu, dass moderne Drohnen von kleinen Freizeitmodellen bis zu Kampfflugzeugen unter dem Radarschirm operieren können. Selbst die militärischen Kasernen seien nicht ausreichend geschützt.
Als warnendes Beispiel gilt der Gepard-Flugabwehrpanzer, den die Bundeswehr zwischen 2010 und 2012 aus dem Dienst nahm. Das leistungsstarke System wird heute in der Ukraine erfolgreich gegen russische Angriffe eingesetzt. Ein Fehler, den der Verteidigungsausschuss des Bundestages inzwischen selbst eingesteht. Mit Blick auf Israel, das bei der Drohnen- und Raketenabwehr weltweit führend ist, beschreiben Fachleute Deutschlands Rückstand als erheblich.
Der von Innenminister Dobrindt geplante Drohnen-Abschussplan soll die Bundeswehr zu schnellerem Handeln ermächtigen. Experten zweifeln jedoch daran, dass dieser Schritt allein die vorhandenen Fähigkeitslücken schließt. Politische Vertreter fordern deshalb ein grundsätzliches Umdenken in der Verteidigungsstrategie.