Deutsche Kartoffeln landen in der Biogasanlage – Supermärkte importieren stattdessen
Während Deutschlands Lager überquellen, kaufen Einzelhandelsketten lieber Kartoffeln aus Ägypten. Ein Wirtschaftsparadoxon mit teuren Folgen für die heimischen Bauern.
Die deutsche Kartoffelernte ist rekordverdächtig, doch der Handel interessiert sich mehr für Importware: Supermärkte setzen bevorzugt auf Kartoffeln aus Ägypten und Zypern, während in heimischen Lagerhallen 2,4 Millionen Tonnen unverkauft stapeln. Ein Teil der einwandfreien Ware wird notgedrungen in Biogasanlagen verheizt – für gerade 1,50 Euro pro 100 Kilogramm.
Der Grund liegt nicht an der Qualität, sondern an Gewohnheit und Geschäftskalkül. Viele Verbraucher greifen im Frühjahr noch immer zu Mittelmeer-Kartoffeln, ein Relikt aus Zeiten, als deutsche Lagerbestände nicht bis zur nächsten Ernte hielten. Heute ist das technisch kein Problem mehr – doch der Handel will es anders: Importierte Kartoffeln sind planbar, während deutsche Bauern den genauen Lieferzeitpunkt nicht auf den Tag genau vorhersagen können.
Hinzu kommt ein ökonomischer Anreiz: Ausländische Kartoffeln bringen den Supermärkten höhere Gewinnmargen pro Verkaufsfläche. Dabei sind solche Importe nach Expertenmeinung längst unnötig geworden. Doch am Markt ändert sich vorerst nichts.