Mehrheit gegen Trump-Pläne: Amerikaner wollen Grönland gar nicht
Das dänische Patrouillenschiff „Knud Rasmussen“ liegt vor Grönlands Hauptstadt Nuuk
Washington – Donald Trump (79) greift nach Grönland und beharrt darauf, die arktische Eisinsel müsse aus „strategischen Gründen“ Teil der Vereinigten Staaten werden. Der aggressive außenpolitische Vorstoß des US-Präsidenten verursachte Schockwellen in Europa – vor allem in Dänemark, zu dem das Territorium gehört. Wegen der US-Drohungen, sich die Insel mit ihren 56.000 Einwohnern notfalls mit militärischer Gewalt zu krallen, droht sogar die Nato, in eine Krise zu schlittern.
ABER: Die meisten Amerikaner wollen Grönland gar nicht. Zwar würde die Supermacht flächenmäßig um ein Gebiet wachsen, das fast viermal so groß wie Texas ist. Dennoch taktiert Trump hier am Volk vorbei, wie Demoskopen ermittelten. Nur 17 Prozent der US-Bürger unterstützen Trumps Ambitionen im hohen Norden, ergab eine Umfrage von Reuters/Ipsos.
Selbst unter Republikanern sind es nur 40 Prozent. Noch deutlicher ist die Ablehnung militärischer Mittel: Lediglich vier Prozent der Amerikaner würden eine Invasion begrüßen – bei Trumps eigener Partei nur acht Prozent.
US-Präsident Donald Trump während eines exklusiven Interviews mit dem Reuters-Korrespondenten Steve Holland im Oval Office des Weißen Hauses in Washington am 14. Januar
„Unüberbrückbare Differenzen“
Die Erhebung entstand kurz vor dem Grönland-Gipfel von Außenminister Marco Rubio (54) und Vizepräsident JD Vance (41) mit den Chefdiplomaten aus Kopenhagen und Nuuk. Das Treffen blieb ergebnislos, die Kluft galt als „unüberbrückbar“. Trump legte jedoch nur Stunden später nach: „Grönland ist äußerst wichtig für unsere nationale Sicherheit!“ Dänemark, so Trump, könne die Insel nicht ausreichend vor China und Russland schützen.
Die Bundeswehr entsendet 13 Soldaten nach Grönland, Teil einer europäischen NATO-Erkundungsmission auf Gesuch Dänemarks: Der Hintergrund sind Spannungen im Nordatlantik – und US-Drohungen gegen Grönland
Etwas moderater fallen die Umfragen aus, wenn es um einen möglichen Kauf der Insel geht. Doch auch hier fehlt Trump klar die Mehrheit: 47 Prozent sind dagegen, 35 Prozent unentschieden und nur 18 Prozent dafür. Das dürfte auch an den möglichen Kosten liegen. Bis zu 700 Milliarden Dollar könnte der Kauf kosten, berichtete NBC.
Sorge über aggressive Außenpolitik
Andere Umfragen zeichnen ein ähnlich düsteres Bild. Laut CNN befürworten nur 25 Prozent der Amerikaner eine Übernahme des dänischen Territoriums. Selbst unter republikanischen Wählern wäre nur etwa die Hälfte bereit, Amerika auf diese Weise „greater“, also „größer“ zu machen.
Nach dem Zugriff auf Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro (63), Drohungen gegen Kuba, Kolumbien und Mexiko, sowie gegen den Iran macht sich in den USA eine gewisse Kriegsmüdigkeit breit: Fast jeder sechste Wähler zeigt sich besorgt über Trumps zunehmend aggressive Außenpolitik.
Haben Sie eine Meinung zu diesem Artikel? Hier können Sie uns schreiben.
Haben Sie Fehler entdeckt? Dann weisen Sie uns gern darauf hin.



