US-Handelsminister Howard Lutnick ist wegen seiner Beziehungen zu dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zunehmend mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. Am Dienstag sagte der 64-Jährige vor dem US-Senat aus, und verstrickte sich dabei in Widersprüche: Zwar bestritt er enge Kontakte zu Epstein. Zugleich räumte er aber einen Besuch auf der Privatinsel des US-Multimillionärs ein, auf der zahlreiche Mädchen und junge Frauen missbraucht worden sein sollen.
Lutnick sagte bei der Anhörung in einem Senatsausschuss, er habe nach dem Jahr 2005 über einen Zeitraum von 14 Jahren »keinerlei Beziehung« zu Epstein gehabt. Das würde die Zeit bis zu dem Tod des verurteilten Sexualstraftäters 2019 umfassen. »Ich hatte so gut wie nichts mit dieser Person zu tun«, sagte der Minister.
Lutnick gab allerdings zu, im Jahr 2012 – und damit im fraglichen Zeitraum – Epsteins private Karibikinsel Little St. James besucht und mit dem verurteilten Sexualstraftäter zu Mittag gegessen zu haben. Er sei mit seiner Frau, seinen Kindern sowie deren Kindermädchen »im Familienurlaub« auf der Insel gewesen, sagte Lutnick. Vor Ort sei ihm nichts Ungewöhnliches aufgefallen, er habe nur Epsteins Mitarbeiter gesehen.
Lutnick: »Ich habe nichts zu verbergen, absolut nichts«
Das Justizministerium in Washington hatte Ende Januar rund drei Millionen neue Dokumente zu dem Fall veröffentlicht (mehr dazu hier ). Darin war erstmals von Lutnicks Besuch auf der Epstein-Insel die Rede und von weiteren Kontakten. So wurde der Handelsminister in dem Ausschuss zu Dokumenten befragt, die darauf hindeuten, dass Epstein eines der Kindermädchen Lutnicks kennenlernen wollte. Das habe nichts mit ihm zu tun, sagte Lutnick. »Ich habe nichts zu verbergen, absolut nichts.«
Lutnick bestritt zudem, 2011 in Epsteins New Yorker Wohnung zu Abend gegessen zu haben. Er räumte jedoch ein, dass die Unterlagen auf ein geplantes Treffen mit Epstein im Mai desselben Jahres hindeuteten.
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So reagiert Donald Trump
Nach der Veröffentlichung der Akten waren Rücktrittsforderungen an Lutnick laut geworden. Druck machen vor allem Kongressmitglieder der oppositionellen Demokraten. Senator Adam Schiff warf dem Handelsminister »Lügen über seine Geschäftsbeziehungen mit einem verurteilten Kinderschänder« vor. »Er sollte unverzüglich zurücktreten«, verlangte Schiff. Auch der republikanische Abgeordnete Thomas Massie forderte in einem CNN-Interview, Lutnick solle Präsident Donald Trump »das Leben erleichtern und einfach zurücktreten« (mehr dazu hier).
Trumps Sprecherin Karoline Leavitt wies das am Dienstag zurück: Lutnick sei »ein sehr wichtiges Mitglied in Präsident Trumps Team«, sagte sie nach Lutnicks Aussage, »und der Präsident unterstützt den Minister voll und ganz«.
Epstein soll nach Erkenntnissen des FBI und des US-Justizministeriums mehr als tausend Minderjährige und junge Frauen missbraucht haben. Teilweise soll er die Opfer an Prominente vermittelt haben. Epstein war 2008 verurteilt worden, weil er eine Minderjährige zur Prostitution angestiftet hatte. Nach einem umstrittenen Deal mit der Staatsanwaltschaft saß er nur knapp 13 Monate Haft ab.
Im Juli 2019 wurde Epstein erneut festgenommen und von einem Bundesgericht beschuldigt, zahlreiche weitere Opfer missbraucht zu haben. Er starb 2019 im Alter von 66 Jahren in der Haft, bevor es zu einer möglichen weiteren Verurteilung hätte kommen können. Nach offiziellen Angaben beging er Suizid.
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Die neuen Epstein-Akten schärfen das Bild eines Mannes, der die globalen Eliten miteinander vernetzte. Sein System basierte auf dem Handel mit Sex, Macht und Geld. Die Reichen und Mächtigen hofierten ihn trotz seiner Taten. Mehr dazu erfahren Sie in der SPIEGEL-Titelgeschichte .


