Verdacht auf Geldwäsche: Razzia bei der Deutschen Bank

Verdacht auf Geldwäsche: Razzia bei der Deutschen Bank

Geldwäsche: Ermittler durchsuchen Deutsche Bank – späte Verdachtsmeldungen

Wegen des Verdachts der Geldwäsche durchsucht die Justiz Gebäude des größten deutschen Geldhauses in Frankfurt und Berlin. Der Grund: Geschäfte mit Firmen des Oligarchen Abramowitsch.Yasmin Osman, René Bender, Volker Votsmeier und Dennis Schwarz 28.01.2026 – 17:01 Uhr aktualisiert
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Deutsche Bank in Frankfurt: Ermittler in Zivil durchsuchen mehrere Dependancen. Foto: dpa

Frankfurt. Ermittler haben am Mittwoch Büros der Deutschen Bank wegen des Verdachts auf Geldwäsche durchsucht. Ein entsprechender Beschluss des Amtsgerichts Frankfurt sei an Standorten des Geldinstituts in Frankfurt und Berlin vollstreckt worden, teilte die Staatsanwaltschaft Frankfurt mit.

Die Deutsche Bank habe in der Vergangenheit Geschäftsbeziehungen zu ausländischen Gesellschaften unterhalten, die im Verdacht stünden, „zum Zwecke der Geldwäsche eingesetzt worden zu sein“, erklärte die Behörde. Zuvor hatte der „Spiegel“ berichtet.

Hintergrund sind Geschäfte mit Unternehmen des russischen Oligarchen Roman Abramowitsch, wie mehrere mit dem Sachverhalt vertraute Personen dem Handelsblatt sagten. Es gehe um Transaktionen aus den Jahren 2013 bis 2018, also aus der Zeit, bevor Abramowitsch wegen Russlands Überfall auf die Ukraine auf europäischen und amerikanischen Sanktionslisten landete.

Geldwäscheverdacht zu spät gemeldet

Die Bank habe Geldwäsche-Verdachtsmeldungen verspätet abgegeben, hieß es. Damit bestätigten die Insider Informationen der „Süddeutschen Zeitung“. Die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen Frankfurt führt die Ermittlungen gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt (BKA).

„Wir bestätigen, dass in den Geschäftsräumen der Deutschen Bank derzeit eine Maßnahme der Staatsanwaltschaft Frankfurt durchgeführt wird“, teilte das Institut mit. Die Bank arbeite vollumfänglich mit der Staatsanwaltschaft zusammen. Zu Details äußerte sie sich nicht.

Verspäteter Geldwäscheverdacht

Geschäfte von Assad-Clan lösen Razzia bei Deutscher Bank aus

Vorwürfe, beim Thema Geldwäsche nicht genau genug hinzuschauen und Verdachtsanzeigen zu spät abzugeben, haben der Deutschen Bank wiederholt Ärger eingebracht.

So durchsuchten Ermittler von Staatsanwaltschaft, BKA und der Finanzaufsicht Bafin Ende April 2022 die Zentrale der Bank in Frankfurt. Hintergrund waren verspätete Verdachtsmeldungen wegen Transaktionen mit einem Onkel des damaligen syrischen Machthabers Baschar al-Assad, wie das Handelsblatt damals exklusiv berichtet hatte.

Diese Geschäfte brachten dem Geldhaus eine Geldbuße in Höhe von sieben Millionen Euro ein. Wegen der Mängel im Geldwäschebereich schickte die Finanzaufsicht Bafin dem Institut im Zeitraum von 2018 bis 2024 sogar einen Sonderbeauftragten ins Haus, der Fortschritte beim Kampf gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung überwachen sollte.

Kein Blaulicht, keine bewaffneten Polizisten

Anders als bei früheren Durchsuchungen blieben dem Geldhaus in diesem Fall Bilder von bewaffneten Polizisten und mit Blaulicht ausgestatteten Polizeibussen erspart: Die Fahnder seien in Zivil gekommen, war zu hören.

Fahnder des Bundeskriminalamtes (BKA) haben einen Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Frankfurt vollstreckt. Hintergrund ist ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts der Geldwäsche. Die Aktie der Deutschen Bank gab rund drei Prozent nach.

Die Aktie des Instituts lag im frühen Nachmittagshandel mehr als drei Prozent tiefer. Die Deutsche Bank legt am Donnerstagmorgen Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2025 vor. Analysten gehen davon aus, dass Vorstandschef Christian Sewing das erklärte Ziel einer Rendite von mehr als zehn Prozent auf das eingesetzte Kernkapital erreicht haben dürfte.

Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt seit 2023 gegen den russischen Oligarchen Roman Abramowitsch, wobei die Strafverfolgungsbehörde offiziell nur bestätigt, dass sie gegen einen 58-jährigen Unternehmer aus der Russischen Föderation wegen etwaiger Verstöße gegen das Außenwirtschaftsgesetz ermittelt. Diese Ermittlungen hätten aber nichts mit der aktuellen Durchsuchung bei der Deutschen Bank zu tun, betonten Insider.

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Die Staatsanwaltschaft Frankfurt wollte auf Nachfrage keine Angaben dazu machen, ob auch sie gegen Abramowitsch ermittelt.

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