Wohnungsbau: Verhaltener Start bei der EH55-Förderung: Noch 650 Millionen Euro im Budget

Wohnungsbau: Verhaltener Start bei der EH55-Förderung: Noch 650 Millionen Euro im Budget

Berlin. Die befristete Fördermöglichkeit für den Bau von EH55-Effizienzhäusern ist verhalten gestartet: Mit Stand vom 2. Februar konnten seit Förderbeginn am 16. Dezember 2025 etwa 15.800 Wohneinheiten gefördert werden. Das teilte das Bundesbauministerium dem Handelsblatt auf Anfrage mit.

Von einer bereitgestellten Fördersumme in Höhe von 800 Millionen Euro „verbleiben noch rund 650 Millionen Euro Budget“, hieß es weiter. Etwa 4000 Anträge seien gestellt worden.

Bei EH55 handelt es sich um Gebäude, die nur 55 Prozent der Energie verbrauchen, die ein Standardhaus benötigt. Bedingung für die Förderung ist allerdings, dass die Wärme in den Neubauten zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien erzeugt wird. Die Förderung erfolgt über zinsverbilligte Kredite, Anträge können bei der staatlichen Förderbank KfW gestellt werden. Ein Kredit kann pro Wohneinheit bis zu 100.000 Euro umfassen.

Die EH55-Förderung galt als Hoffnungsträger im Wohnungsbau. Eigentlich war die Förderung 2022 abgeschafft worden mit dem Argument, der geförderte Energiestandard habe sich auf dem Markt durchgesetzt und brauche keine Förderung mehr. Seitdem wurde der strengere und teurere EH40-Standard gefördert.

Mit der Reaktivierung der EH55-Förderung wollte Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) den schleppenden Neubau anreizen. Um die Fördermittel zu bekommen, müssen die Projekte genehmigt sein, aber mit dem Bauvorhaben darf noch nicht begonnen sein.

Neuer Förderkredit: Das ist der Zinssatz für Hausbauer und Investoren

Die bisherige Bilanz schätzt die Branche unterschiedlich ein. Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB), sagte: „Der sehr schnelle Start mit rund 90 Millionen Euro in den ersten Tagen zeigte den enormen Nachholbedarf und den Investitionsstau im Wohnungsbau.“

Dass sich der Mittelabruf danach deutlich verlangsamt habe und bis Anfang Februar erst etwa 150 Millionen von insgesamt 800 Millionen Euro gebunden sind, sei aber erwartbar gewesen, sagte Pakleppa: „Planungs- und Genehmigungsprozesse brauchen Zeit.“ Entscheidend sei daher für die Branche nicht der kurzfristige Abruf, sondern die Verlässlichkeit der Förderung.

Forderung nach Zinssenkung

Die Verlässlichkeit der Förderung scheint derzeit tatsächlich gegeben – was aber an den Zinssätzen liegen dürfte. Andreas Beulich, Bundesgeschäftsführer des Bundesverbands Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW), sagte: „Die Politik schaut zu sehr darauf, dass die Mittel möglichst lange halten.“ Wäre der Zins deutlich attraktiver, würden viel mehr Interessenten davon Gebrauch machen.

Für „enttäuschend“ hält Beulich die bis heute vorgelegten Zahlen. „Aus meiner Sicht sollte der Zins schleunigst nach unten korrigiert werden.“

Derzeit liegt der Zinssatz bei einer Kreditlaufzeit von 35 Jahren und einer Zinsbindung von zehn Jahren bei 2,72 Prozent effektiv. Liegen Laufzeit und Zinsbindung bei jeweils zehn Jahren, wird ein Zinssatz von 1,83 Prozent fällig. Gestartet war das Programm mit 2,84 beziehungsweise 1,94 Prozent.

Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbands der Wohnungswirtschaft GdW, hat eine andere Erklärung für den bislang geringen Mittelabfluss: „Unter den aktuellen Bedingungen rechnet sich der Neubau vielfach nicht“, sagte er dem Handelsblatt. „Die Förderkonditionen gleichen die stark gestiegenen Baukosten nicht aus, bezahlbare Mieten sind so kaum darstellbar.“ Gleichzeitig fehle Planungssicherheit, weil unklar sei, wie lange das Programm Bestand habe.

Christian Bruch, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM), ist weniger kritisch. Er hält die 15.800 Wohneinheiten für „erst mal eine gute Zahl“ und sagt: „Das Förderprogramm dürfte sehr schnell erfolgreicher werden als alle Förderprogramme der Ampelregierung zusammen, die es auf weniger als 50.000 geförderte Neubauten im Jahr 2025 gebracht haben.“

Wir verzeichnen seit mehreren Monaten steigende Baugenehmigungszahlen.

Sören Bartol

Parlamentarischer Staatssekretär

Tatsächlich zeigt ein am Mittwoch herausgegebener Überblick des Bauministeriums für das Jahr 2025 eine eher magere Bilanz der anderen Förderprogramme:

  • Klimafreundlicher Neubau (KFN): 36.747 Wohneinheiten
  • Klimafreundlicher Neubau im Niedrigpreissegment (KNN): 8214 Wohneinheiten
  • Wohneigentumsförderung für Familien (WEF): 4554 Wohneinheiten
  • Jung kauft Alt (JkA): 690 Förderzusagen
  • Genossenschaftliches Wohnen: 390 Förderzusagen

Sören Bartol, Parlamentarischer Staatssekretär von Bauministerin Hubertz, äußerte sich dennoch optimistisch: „Wir verzeichnen seit mehreren Monaten steigende Baugenehmigungszahlen.“ Perspektivisch werde die Förderlandschaft überarbeitet und vereinfacht.

Ruf nach weiteren Maßnahmen

Sven Suberg, Vertriebsleiter des Fertighausherstellers Hanse Haus GmbH, sagte dem Handelsblatt: „Alles in allem viel Lärm um wenig Bauten.“

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KfW

Am Zinssatz liegt seiner Einschätzung nach die schwache Nachfrage in erster Linie nicht, sondern eher am zeitlichen Verzug bei dieser Förderung und am Wunsch nach einer zeitgemäßen Energieeffizienz. „Erst mit Genehmigung kann der Antrag EH55 gestellt werden. Das schafft Unklarheiten bei der Finanzierung, dazu ist der finanzielle Vorteil von rund einem Prozent bei einem Kredit von 100.000 Euro recht überschaubar“, sagte Suberg. Seiner Beobachtung nach wollen „die meisten Bauherren EH40, um Nebenkosten zu sparen, einen noch zinsgünstigeren Kredit zu erhalten und einen höheren Wiederverkaufswert zu haben“.

Mehr bewegen würden ihm zufolge andere Hebel: keine Grunderwerbsteuer auf die erste Wohnung oder höhere zinsgünstige Darlehen durch die KfW, damit die immer restriktiveren Banken mitmachen.

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