Korruptions-Verdacht in Córdoba: Wie viel verrät dieses Foto?
42 Tote bei Bahn-Katastrophe in Spanien
An dieser Stelle entgleiste der Zug. Jetzt wird vermutet, dass hier während einer Streckensanierung nicht zugelassenes Material verbaut wurde
Córdoba (Spanien) – „Wie ist es möglich, dass sich auf einer geraden Strecke ein solcher Unfall ereignen kann?“, fragte der amtierende Verkehrsminister Óscar Puente (57) nach dem Zugunglück von Córdoba. Die Antwort könnte sein Amtsvorgänger liefern und sie könnte lauten: Korruption.
Laut spanischen Medien untersucht die Guardia Civil, ob die an der Streckensanierung beteiligten Firmen minderwertiges und nicht zugelassenes Material verbaut hatten, um ihre Gewinne zu steigern. Im Gegenzug könnten für die Vergabe Provisionen geflossen sein.
Beim Zugunglück von Córdoba sind 42 Menschen ums Leben gekommen
Wie „Esdiario“ berichtet, wurde der Streckenabschnitt von Guadalmez nach Córdoba in den Jahren 2022 und 2023 von einem Konsortium erneuert, an dem auch die andalusische Firma AZVI beteiligt war. AZVI hatte laut dem Bericht unter dem ehemaligen Verkehrsminister José Luis Ábalos zwischen 2018 und 2021 öffentliche Aufträge im Volumen von mehr als 165 Millionen Euro erhalten.
Spaniens ehemaliger Verkehrsminister José Luis Ábalos (Mitte)
AZVI habe demnach später den ehemaligen Minister-Berater Koldo García und seine Frau mit lukrativen Berater-Posten versorgt. Nach Informationen von „OK Diario“ habe der zuständige Antikorruptionsstaatsanwalt Zweifel, dass zumindest Koldos Frau für ihre Provisionen Leistungen erbringen musste.
Dubiose Auftragsvergaben
Die Guardia Civil untersucht nach Informationen von „The Objective“ Aufträge, die zwischen AZVI und dem Schieneninfrastrukturbetreiber (Adif, untersteht dem Verkehrsministerium) vereinbart wurden. Laut dem Medienbericht stehe der Verdacht auf Verwendung minderwertigeren Materials, als vereinbart war, im Raum. Die Ausschreibung und Bewertung der Angebote sei im Mai 2021 unter Ex-Minister Ábalos und Ex-Berater Koldo Garcia erfolgt. Beide sitzen derzeit wegen anderer mutmaßlicher Korruptionsdelikte in Untersuchungshaft.
Unstimmigkeiten soll es auch bei den verwendeten Steinen im Gleisbett an der Unglücksstelle geben. Das Gestein soll für den Zweck einer Hochgeschwindigkeitsstrecke nicht zugelassen und somit ungeeignet sein. Darüber berichtet unter anderem „Radio Libertad“. Betreiber Adif habe den 5-Mio.-Euro-Auftrag für die Steine einem Konsortium, an dem die Firma „Aridos Anfersa“ beteiligt war, erteilt. Laut „Voz Populi“ habe Koldos Frau von der Firma 18.000 Euro kassiert, ohne eine Gegenleistung zu erbringen.
Ex-Minister und Berater in U-Haft
Laut „El País“ wird gegen Ábalos und Koldo García ermittelt wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation, Einflussnahme, Insiderhandel, Urkundenfälschung, Unterschlagung und Bestechung in Zusammenhang mit dem Kauf von Corona-Masken während der Pandemie.
Zudem sollen Vorwürfe wegen der Erhebung von Provisionen für öffentliche Bauaufträge untersucht werden. Der Oberste Gerichtshof hatte jüngst bekräftigt, Ábalos und Koldo García wegen hoher Fluchtgefahr nicht aus der U-Haft zu entlassen.
Ex-Ministerberater Koldo García sitzt ebenso wie sein damaliger Chef in U-Haft
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