KI-Boom braucht doppelte Strommengen: Deutschlands großes Energieproblem
Künstliche Intelligenz und Digitalisierung könnten Deutschlands Stromverbrauch bis 2045 verdoppeln. Experten streiten über die Lösung: Gaskraftwerke, mehr Windkraft oder Atomkraft?
Der Energiehunger der Künstlichen Intelligenz wird zum zentralen Problem für Deutschlands Zukunft als Technologiestandort. Laut aktuellem Netzentwicklungsplan könnte der jährliche Stromverbrauch von heute etwa 512 Terawattstunden bis 2045 auf bis zu 1.300 Terawattstunden anwachsen – eine Steigerung von 150 Prozent. Zum Vergleich: 2024 produzierte Deutschland selbst nur etwa 431,5 Terawattstunden.
Die größte Hürde ist der Kohleausstieg bis 2030. Bislang liefert Kohle mehr als 20 Prozent des Stroms. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche setzt auf Gaskraftwerke, die bis zu 100 Terawattstunden beisteuern sollen. Allerdings warnen Experten: Der Ausbau neuer Stromnetze kostet 700 Milliarden Euro bis 2045. Hinzu kommt ein Preiswettbewerb – während Strom in Deutschland 25 bis 30 Cent pro Kilowattstunde kostet, zahlt man in Asien nur fünf Cent.
Energieexperten sind sich uneinig über den richtigen Weg: Während manche auf massiven Ausbau von Wind- und Solarenergie setzen, fordert der Energieökonom Manuel Frondel die Reaktivierung von Atomkraftwerken bis 2032. Eine Studie zeigt, dass elf abgeschaltete AKWs wirtschaftlich wieder hochgefahren werden könnten – politischer Wille vorausgesetzt.