Bette Davis schaltete trotz zweier Oscars verzweifelte Zeitungs-Anzeige
von Kölner Express
14.04.2026, 09:54 Uhr
14. April 2026 um 09:54 Uhr
Bette Davis gilt als Königin der Leinwand, trotzdem bleiben die großen Rollenangebote aus. Da setzt die Hollywood-Ikone ein klares Statement.
Man muss sich vorstellen, ein Superstar wie Julia Roberts (58) oder Meryl Streep (76) wäre heute gezwungen, per Kleinanzeige nach Jobs zu suchen. Unvorstellbar? Am 21. September 1962 passiert genau das: Eine Anzeige in der Presse erschüttert die glitzernde Welt Hollywoods.
Bette Davis: „Suche ständige Beschäftigung“
Die Studiochefs trauen ihren Augen nicht. In der Rubrik „Stellengesuche, weiblich“ des Branchenblatts „Variety“ findet sich folgende Anzeige:
„Mutter von drei Kindern, geschieden, Amerikanerin, 30 Jahre Erfahrung als Filmschauspielerin, immer noch beweglich und freundlicher, als man es ihr nachsagt, sucht ständige Beschäftigung in Hollywood. Broadway-Erfahrung vorhanden. Auf Wunsch Referenzen.“
Verfasserin dieser Zeilen ist niemand Geringeres als Bette Davis (†81), ausgezeichnet mit zwei Oscars – 1936 für „Dangerous“ und 1939 für „Jezebel – Die boshafte Lady“. Insgesamt bringt sie es als einer der wichtigsten Stars der 1940er Jahre auf zehn Oscar-Nominierungen, unter anderem für „Opfer einer großen Liebe“ (1940), „Reise aus der Vergangenheit“ (1943) und „Alles über Eva“ (1950).
Die Schauspielerin mit den markanten Augen fügt der Anzeige ein Foto bei. Damit stellt sie sicher, dass auch der letzte Zweifler erkennt: Hier fordert eine Legende ihren Anspruch auf Arbeit ein.
Die Rache der „alten Schachtel“
Mit diesem Schritt setzt sie ein deutliches Zeichen gegen ein Studiosystem, das Frauen jenseits der 40 aussortiert. Mit 54 Jahren gilt eine Schauspielerin im alten Hollywood als „alte Schachtel“. Die Entscheider in den Chefetagen sind überzeugt: Das Publikum interessiert sich nur für junge Stars.
Bette Davis aber denkt nicht daran, in den Ruhestand zu gehen. Während Bekannte fassungslos reagieren und um ihr Ansehen fürchten, wählt sie den Angriff. Ihre klare Botschaft: Ich bin da, ich will arbeiten – und ihr unterschätzt mich.
Das späte Wunder von Hollywood-Ikone
Ihr Wagnis zahlt sich aus. Kurz nach der Anzeige startet „Was geschah wirklich mit Baby Jane?“ in den Kinos und entwickelt sich zum Kassenschlager. Die Zuschauer strömen, um Bette Davis als verbitterten früheren Kinderstar zu erleben, der sich einen erbitterten Kampf mit der von Joan Crawford gespielten Schwester liefert. Dass die beiden sich abseits der Kamera seit Jahren nicht ausstehen können sollen, heizt das Interesse zusätzlich an.
Für beide Hauptdarstellerinnen wird der Film zum großen Comeback, der Thriller selbst avanciert zum Klassiker des Genres. Bette Davis erhält erneut eine Oscar-Nominierung.
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Außerdem entsteht mit „Baby Jane“ ein neues Subgenre: die „Hagsploitation“, auch als „Psycho-Biddy“-Film bekannt. Darin stehen ältere Schauspielerinnen im Zentrum düsterer Stoffe. 1964 knüpft Bette Davis mit „Wiegenlied für eine Leiche“ an den Erfolg an und demonstriert einmal mehr ihre Durchschlagskraft vor der Kamera.
Obwohl große Kinohauptrollen später seltener werden und sie zunehmend im Fernsehen arbeitet, bleibt sie bis zu ihrem Tod 1989 eine unbequeme, kämpferische Stimme in Hollywood. Ihr Lebensweg macht deutlich: Echte schauspielerische Klasse hat kein Ablaufdatum.
Von Jan Gebauer (jag)



