Christina Block: Bringt sie das Kuschel-Kissen ins Gefängnis?
05.05.2026, 10:09 Uhr
05. Mai 2026 um 10:09 Uhr
Christina Block soll die Entführung ihrer Kinder in Auftrag gegeben haben. Jetzt taucht ein skurriles Beweismittel auf.
Bei ihrer Befragung durch die Polizei musste Klara Hensel (15) einmal kurz schmunzeln. Die Tochter von Christina Block (52) erzählte, wie sie von ihren Entführern in einem Wohnmobil nach Süddeutschland gefahren wurde. Einer der Täter gab ihr eine weiße Tüte mit einer schwarzen Aufschrift und zwei Stoffhenkeln. Darin fand sie eine Strickjacke ihrer Mutter, Kuscheltiere aus ihrer Kindheit und ein Kissen mit ihrem Namen. Das Kissen, so Klara, habe sie schon immer merkwürdig gefunden, denn daran waren Bommel, die wie Penisse aussehen. Jetzt könnte dieses „Pimmel-Kissen“ die Steakhauserbin schwer belasten und sogar zu ihrer Verurteilung führen. Sie ist angeklagt, die Entführung ihrer Kinder Klara und Theo (12) in Auftrag gegeben zu haben. Christina Block bestreitet die Tat.
Gegenstände sollten den Block-Kindern zeigen, dass sie nicht in Gefahr sind
Auf einem Überwachungsvideo ist Christina Block wenige Tage vor der Entführung in der Silvesternacht 2023/24 zu sehen, wie sie mit einer weißen Papiertüte das Hamburger Hotel „Grand Elysée“ betritt. Kurz danach, so sagten mehrere der mutmaßlichen Entführer aus, habe sie sich mit ihnen in einem Konferenzraum getroffen. Dabei, so behauptet der angebliche Haupttäter David Barkay (68) habe Christina Block die Tüte übergeben. Darin seien ein Teddy und eine Decke gewesen. Bei der Decke sei er sich aber nicht sicher. Die Ermittler vermuten, dass er das von Klara beschriebene „Pimmel-Kissen“ meinte. Gut eine Viertelstunde später verließ Christina Block ohne Tüte das Hotel. Die persönlichen Gegenstände sollten den Kindern nach Aussage von Barkay zeigen, dass sie nach ihrer Verschleppung aus Dänemark nicht in Gefahr sind, da die Täter im Auftrag ihrer Mutter handeln. Der Geruch der Kleidung sollte sie zudem beruhigen. Eine weitere Beschuldigte machte ähnliche Angaben. Block-Anwalt Ingo Bott teilte mit, dass sich seine Mandantin zu gegebener Zeit zu den Bildern äußern werde.
Besagtes Kissen könnte Christina Block noch zum Verhängnis werden
Für die Ermittler sind die Zeugenaussagen und die Aufnahmen Indizien dafür, dass Christina Block bei dem Treffen die Entführung vorbereitet haben könnte. Ihre Anwälte argumentieren, dass die belastenden Statements von Personen stammen, die an der Tat beteiligt gewesen sein sollen, und deshalb unglaubwürdig seien. Das sind gute Argumente.
Allerdings passen die Aussagen zu anderen Ermittlungsergebnissen, die unstrittig sind. Da ist zum einen die Anhörung von Klara, die wenige Tage nach der Tat die weiße Tüte und den Inhalt beschreibt. Zum anderen gibt es einen sogenannten Rückführungsplan, den Christina Block beim Psychologen Stefan Rücker in Auftrag gegeben hat. Darin steht: „Die ‚Befreiung‘ wird von den Kindern dagegen zunächst als etwas Unberechenbares mit unklarem Ausgang erlebt. Aus diesem Grund ist dringend geboten, den Kindern ein Höchstmaß an Sicherheitssignalen zu vermitteln.“
Weiter heißt es: „In den ersten Stunden kommt es vor allem darauf an, die Kinder emotional zu beruhigen und sie auf die Begegnung mit Ihnen (gemeint ist Christina Block, Anm. d. Red.) vorzubereiten.“ Den Rückführungsplan, so sagte Christina Block vor Gericht, habe sie per E-Mail an eine mutmaßliche Mittäterin geschickt. Ein weiteres Indiz dafür, dass Christina Block im „Grand Elysée“ die Tüte der Entführerbande übergeben hat, ist die Tatsache, dass der Konferenzraum von ihr persönlich gebucht wurde. Dazu bestellte sie zehn Flaschen Mineralwasser zu je acht Euro.
Vor Gericht werden Indizien, Aussagen und Beweise in einer Gesamtschau bewertet. Sie dürfen nicht isoliert betrachtet, sondern müssen in ihrer Gesamtheit gewürdigt werden. Das „Pimmel-Kissen“ könnte also Teil einer Beweiskette werden, die entscheidend für das Urteil sein könnte.



