Psychologin erklärt: Warum Gewaltopfer emotionale Bindung zu Tätern bewahren
Im Fall des norwegischen Prinzessinnen-Sohnes Marius Borg Høiby überrascht viele, dass sich sein mutmaßliches Opfer noch zu ihm hingezogen fühlt. Eine Psychologin erklärt die dahintersteckenden Mechanismen.
Der Prozess gegen Marius Borg Høiby, Stiefsohn des norwegischen Kronprinzen, wirft Fragen auf: Wie kann ein mutmaßliches Opfer noch Zuneigung für seinen mutmaßlichen Täter empfinden, obwohl schwere Vorwürfe wie Gewalt und Drohungen im Raum stehen? Psychologin Martina Lackner erklärt diese scheinbar paradoxe Situation mit komplexen emotionalen Dynamiken.
Nach Lackners Analyse entsteht in solchen Beziehungen typischerweise eine sogenannte Macht-Ohnmacht-Spirale: Zunächst idealisiert das Opfer den Partner und entschuldigt problematisches Verhalten. Im Laufe der Zeit verstärkt sich die emotionale Abhängigkeit, das Opfer investiert immer mehr Zeit und Gefühle. Besonders wirksam ist die sogenannte Trauma-Bindung, bei der sich Gewaltphasen mit Momenten der Zuneigung abwechseln. Diese Schwankungen verstärken paradoxerweise die emotionale Bindung statt sie zu lockern.
Entscheidend ist Lackners These, dass es sich bei solchen Gefühlen nicht um echte Liebe handelt, sondern um toxische Beziehungsmuster, die auf beiden Seiten durch emotionale Defizite geprägt sind. Außenstehende unterschätzten oft die psychologischen Mechanismen solcher Konstellationen und fragten schlicht: "Warum geht sie nicht?" – ohne die tiefe emotionale Verstrickung zu erfassen.