Showdown in Oslo: Am letzten Tag des Prozesses um Mette-Marits Sohn Marius Borg Høiby schlägt die Verteidigung zwei bis sechs Jahre Haft vor. Das Urteil wird im Juni erwartet.
- Im Video oben: BUNTE.de-Reporterin Pauline Naethbohm berichtet live aus Olso.
Dieser Tag wird seit Wochen mit Spannung erwartet: Der Prozess um Marius Borg Høiby (29), den ältesten Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit (52), soll am heutigen Donnerstag, den 19. März ein Ende finden. Das finale Urteil wird allerdings noch ein wenig auf sich warten lassen, so Experten.
Staatsanwaltschaft fordert knapp acht Jahre Haft für Marius Borg Høiby
Was aber klar ist: Seit dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft am gestrigen Prozesstag lässt sich erahnen, was auf den 29-Jährigen zukommen mag. In 39 von 40 Anklagepunkten, darunter vier Fälle von Vergewaltigung nach norwegischem Recht, soll Marius schuldig gesprochen werden, so die Forderung von Staatsanwalt Sturla Henriksbø. Heißt konkret: sieben Jahre und sieben Monate Haftstrafe. Die mutmaßlichen Opfer fordern außerdem umgerechnet 172.000 Euro Schadensersatz.
Wie es nun am letzten Prozesstag weitergeht? Das lest ihr hier. Unsere BUNTE.de-Reporterin Pauline Naethbohm berichtet live vor Ort aus dem Saal 250 des Osloer Bezirksgerichts.
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DANA Press
BUNTE.de vor Ort in Oslo: „Liegt Aufregung in der Luft“
BUNTE.de-Reporterin Pauline schildert aus Oslo: „Wenn man durch die Stadt geht, scheint es, als sei ein ganz normaler Morgen. Das Wetter ist neblig-diesig, die Menschen eilen zu ihren Jobs. Im Innern des Bezirksgerichts ist das Bild jedoch ein anderes: Der Gerichtssaal ist voll, überall wuselt es. Es liegt ein bisschen Aufregung in der Luft.“
Marius Borg Høibys Vater wirkt nervös
Marius trägt heute ein schwarzes Hemd, seine Brille hat er auf. Er kritzelt wieder in seinen Block, schaut aber auch öfter Mal auf den Bildschirm vor sich. Zwei der mutmaßlichen Opfer sind anwesend: die Lofoten-Frau und die Frau, die im März 2024 nach einer Afterparty im Schlaf angeblich von Marius vergewaltigt wurde. Ebenfalls im Gerichtssaal 250: Morten Borg, Marius‘ leiblicher Vater. Er sitzt hinter unserer Reporterin. Sie spürt, dass er nervös zu sein scheint. Immer wieder räuspert er sich, hustet, tritt versehentlich immer wieder mit dem Fuß gegen ihren Stuhl. Er trägt eine blaue Jeans und weiße Turnschuhe sowie ein blaues Jackett aus Wolle.
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Wird Marius‘ Haftstrafe geringer ausfallen als erwartet?
Was heute zu erwarten ist: Marius‘ Verteidiger Ellen Holager Andenaes und Petar Sekulic haben das Wort. Sie wollen Beweise darlegen, warum er freigesprochen oder zumindest zu einer geringeren Strafe verurteilt werden sollte. Wir erinnern uns: Die Staatsanwaltschaft fordert knapp acht Jahre Haft. Marius bestreitet die Schuld an den schwerwiegendsten Vorwürfen der Anklageschrift. Der 29-Jährige soll am Ende des Prozesstages, sofern gewünscht, selbst abschließende Worte finden.
- Marius Borg Høiby (29) steht seit dem 3. Februar vor Gericht
- Er ist der Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit und Morten Borg, Stiefsohn von Kronprinz Haakon von Norwegen
- Für den Prozess am Bezirksgericht in Oslo sind 28 Prozesstage in sieben Wochen geplant, am 19. März enden die Schlussplädoyers
- Marius Borg Høiby ist in 40 Punkten angeklagt, darunter Vergewaltigung, Körperverletzung und Sachbeschädigung
- Das Anwaltsduo Ellen Holager Andenæs und Petar Sekulic vertritt Marius Borg Høiby in dem komplexen Prozess
- Das Gericht hat strenge Regeln für Medienvertreter aufgestellt, um die Privatsphäre der Geschädigten und des Angeklagten zu schützen
Gleich zu Beginn sind Mette-Marit und Haakon von Norwegen Thema
Marius‘ Verteidiger Petar Sekulic startet mit dem angeblich hohen medialen Druck, dem der Royal-Spross ausgesetzt war. Die Medienberichterstattung habe nicht nur an „Wahnwitz“ gegrenzt, „sondern beinahe alles überschritten“, „was man im Vorhinein hätte befürchten können“. Es habe „zehntausende Artikel“ gegeben, und „die Presse hat ihn überall gejagt, sogar bis in die Anwaltskanzlei hinein“, so Sekulic.
Dann wird das Kronprinzenpaar Mette-Marit und Haakon (52) Thema. Marius hat die beiden im Prozess immer wieder verteidigt, betont, wie sehr sie hinter ihm stehen. Sein Verteidiger bezeichnet Marius‘ familiären Hintergrund als „zusätzliche Belastung“. „Nicht nur, weil die Aufmerksamkeit auf ihn zunimmt, sondern weil er seine Familie so sehr liebt und es ihn wirklich quält, was sie im Zusammenhang mit diesem Fall durchmachen mussten.“
Marius‘ schlechtes Benehmen sei laut Verteidigung nicht strafbar
Dann appelliert Petar Sekulic an die Neutralität des Richters. Sympathien und Antipathien mit dem Beschuldigten seien außer Acht zu lassen – „und in einem Fall wie diesem gibt es davon mehr als genug.“ Heißt: Nur weil Marius‘ Benehmen als schlechtes Verhalten bezeichnet werden kann, bedeutet das nicht, dass es strafbar ist. „Das ist irrelevant.“
Er zitiert aus einem Urteil des Obersten Gerichts: „Richter müssen ihre Entscheidung nicht auf Bauchgefühl, Intuition oder unreflektierte Annahmen stützen dürfen.“
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Verteidigung: „… dass der Tatbestand der Vergewaltigung nicht erfüllt ist“
Im Zentrum des Plädoyers der Verteidigung stehen die mutmaßlichen Vergewaltigungen im Schlaf. „Ob das mutmaßliche Opfer überhaupt geschlafen hat, um sich sexuellen Handlungen zu widersetzen, wird auch ein Thema für sich sein“, kündigt Sekulic an. Und weiter: Sekulic sagt, es sei für Straffreiheit von zentraler Bedeutung, dass ein Täter nicht zu invasiveren Handlungen übergegangen war, nachdem die Partnerin eingeschlafen war. Heißt: Es muss bewiesen werden, dass Marius Schlimmeres getan hat, nachdem die Frauen eingeschlafen oder außerstande gewesen waren, sich den Handlungen zu widersetzen.
Marius‘ Verteidiger verweist auf ein Urteil vom Berufungsgericht Gulating, welches an den Fall um Marius erinnert – und wo es einen Freispruch gab:
„Angeklagter und Nebenklägerin hatten zunächst einvernehmlichen Geschlechtsverkehr. Anschließend schlief die Nebenklägerin ein. Der Angeklagte setzte die sexuelle Handlung fort und filmte sie dabei. Nach einer konkreten Gesamtbewertung kam die Mehrheit zu dem Ergebnis, dass kein Anlass bestand, den Sachverhalt als Vergewaltigung zu qualifizieren.“
Der Verteidiger weiter: „Die Filmaufnahmen, die Høiby gemacht hat, führen aus unserer Sicht also nicht dazu, dass der Tatbestand der Vergewaltigung erfüllt ist. Dabei stützen wir uns auf die Urteile, aus denen ich soeben zitiert habe.“
Welche Rolle spielen Alkohol & Drogen beim Wahrheitsgehalt der Opfer?
Dann geht es um Alkohol und Drogen – und deren Auswirkung auf die mutmaßlichen Vergewaltigungen. Rechtsanwalt Sekulic: „In diesen vier Vergewaltigungsfällen spielte Alkohol- oder Drogenkonsum in unterschiedlichem Maße eine Rolle.“
Amtsrichter Jon Sverdrup Efjestad hatte beim Verlesen des Schlussplädoyers der Staatsanwaltschaft die Frage in den Raum gestellt, ob eine unrichtige Aussage einer geschädigten Person nicht zwangsläufig auf einer Lüge beruhe, sondern auf andere Umstände zurückzuführen sei. In anderen Worten: Kann es sein, dass sich die mutmaßlichen Opfer nicht an den genauen Tatvorgang erinnern können, da sie unter Drogen standen? Sekulic: „Ich halte dies für eine relevante Fragestellung.“
Hintergrund: Alle vier Vergewaltigungen, derer Marius angeklagt ist, ereigneten sich, nachdem er und die Geschädigten auf einer Afterparty oder Feier waren, auf der unter anderem Alkohol konsumiert worden war. Mehrere der Frauen hatten während ihrer Zeugenaussagen im Prozess Fragen zu ihrem Betrunkenheitsgrad an dem betreffenden Abend, in der Nacht und am Vormittag beantwortet. Marius selbst hatte erklärt, bei mehreren dieser Gelegenheiten sowohl große Mengen Alkohol als auch Rauschmittel konsumiert zu haben.
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Log die Skaugum-Frau? Verteidiger erhebt schwere Vorwürfe
Nun geht Marius‘ Verteidiger die einzelnen Anklagepunkte durch. Er startet mit dem Fall der Skaugum-Frau (N.N.).
„Ich bin der Meinung, dass N.N. einen lockeren Umgang mit Wahrheit und Fakten hat“, so Sekulic. „Ich glaube, dass sie während des Geschlechtsverkehrs höchstwahrscheinlich bei Bewusstsein war.“
Er verweist auf den Schlafexperten und Psychologen Ståle Pallesen, der nicht mit Sicherheit sagen konnte, ob die Frau aus Skaugum auf dem von Marius aufgenommenem Videomaterial geschlafen hat oder nicht.
Skaugum-Frau soll „bewusst falsche Aussage“ getätigt haben
Marius‘ Verteidiger unterstellt ihr eine „bewusst falsche Aussage“ gegenüber der Polizei, da sie in der ersten Vernehmung nicht angegeben habe, Sex mit Høiby gehabt zu haben. „Könnte es sein, dass sie verbergen wollte, dass in jener Nacht tatsächlich eine sexuelle Beziehung zwischen ihnen bestand? Ich halte das für ziemlich offensichtlich – und im weiteren Verlauf kommt es ja auch ans Licht.“
Die Frau selbst hat erklärt, dass sie der Polizei zunächst nichts von dem vorherigen Sex erzählt habe, weil sie nicht wusste, worum es in dem Verfahren ging – und dass sie schockiert gewesen sei, als sie die Videoaufnahmen von sich gesehen habe.
Was Sekulic ebenfalls in den Raum wirft: „Man muss sich ja auch fragen, warum Marius eineinhalb Minuten, nachdem er eine unter Drogen gesetzte Frau vor sich hat, ein Taxi ruft, um sie wegzuschaffen.“ Er ist daher der Ansicht, dass eine Reihe von Elementen die Glaubwürdigkeit der Frau schwächen.
„Marius muss in diesem Fall freigesprochen werden“
Nochmal zur Erinnerung: Die Staatsanwaltschaft hat im Skaugum-Fall eine Freiheitsstrafe von drei Jahren beantragt. Dies ist, isoliert betrachtet, im Gesamtfall die höchste geforderte Strafe.
Sekulic abschließend: „In diesem Fall muss er freigesprochen werden. Und darauf wird später ein Antrag gestellt werden.“
Verteidiger zweifelt Glaubwürdigkeit der Lofoten-Frau an
Verteidiger Petar Sekulic setzt sein Plädoyer fort und behandelt jetzt die mutmaßliche Vergewaltigung der Frau aus Lofoten, die am letzten Prozesstag persönlich anwesend ist. Marius ist zusätzlich angeklagt, die Frau ohne ihre Einwilligung gefilmt zu haben.
Sekulic argumentiert, dass das mutmaßliche Opfer möglicherweise nicht geschlafen habe und verweist auf Unsicherheiten bei der Pulsuhr als Beweismittel. Er betont, dass der erste Kontakt über Tinder zustande kam und die Lofoten-Frau ihr Interesse an Marius im Prozess heruntergespielt habe. Er argumentiert, dass der 29-Jährige sie mehrfach geweckt habe, weshalb sie seiner Darstellung zufolge nicht geschlafen habe, und zweifelt damit die Glaubwürdigkeit der Zeugin an.
Freundliche Nachrichten nach der Nacht sowie positive Notizen der Lofoten-Frau würden laut Anwalt die Unschuld seines Mandanten untermauern. Sekulic räumt zwar ein, dass einige Aussagen von Marius vor Gericht zwar „moralisch absolut verwerflich“ gewesen seien, er sehe darin aber noch lange keine Vergewaltigung.
Wie bei der Skaugum-Frau zuvor fordert Sekulic auch hier einen Freispruch für Marius.
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Sekulic schießt gegen Staatsanwaltschaft
Sekulic behandelt die nächste Anklage wegen der sogenannten Oslo-Frau aus März 2024. Marius wird beschuldigt, sie im Schlaf vergewaltigt und ohne Einwilligung gefilmt zu haben.
Høibys Anwalt hebt hervor, dass vor dem Vorfall eine spielerische und einvernehmliche Atmosphäre geherrscht habe. Die Frau habe deutliches Interesse an Marius gezeigt, und der Geschlechtsverkehr sei freiwillig erfolgt. Mette-Marits Sohn gab an, sich nicht daran zu erinnern, die Aufnahmen gemacht zu haben. Auch die Oslo-Frau konnte sich vor Gericht nicht an die Videos erinnern und äußerte, sie glaube, während der Aufnahmen geschlafen zu haben. „Aber können wir das als Grundlage nehmen?“, hinterfragt Sekulic. Der Verteidiger stellt klar, dass anhand der Videos nicht zuverlässig festgestellt werden könne, ob die Oslo-Frau wach oder bewusstlos gewesen sei.
Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor auf eine abweichende Aussage von Marius in diesem Anklagepunkt verwiesen, auf die Sekulic jetzt reagiert. Seiner Darstellung nach sei der „Fehler“ allein auf die mehr als 20 Vernehmungen zurückzuführen, denen Marius teils unter belastenden Bedingungen ausgesetzt gewesen sei. Die Einschätzung der Staatsanwaltschaft, dies schade seiner Glaubwürdigkeit, bezeichnet Sekulic als „erhebliche Übertreibung“.
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Verteidiger setzt auf Marius-Unschuld auch im Hotel-Frau-Fall
Die nächste Anklage betrifft eine mutmaßliche Vergewaltigung im Oktober 2024. Marius Borg Høiby hatte die Frau auf einer Afterparty kennengelernt, ging mit ihr in ihr Hotelzimmer, wo es zunächst zu einvernehmlichem Sex kam, bevor laut Staatsanwaltschaft der Übergriff stattgefunden haben soll. Zudem wird Marius auch in dem Fall vorgeworfen, die Frau ohne ihre Zustimmung gefilmt zu haben.
Der Verteidiger erklärt in diesem Fall: „Es spricht aus meiner Sicht so gut wie nichts für eine Verurteilung.“
Sekulic betont, dass die Videos am deutlichsten für einen Freispruch sprechen. Weder die Frau noch die Staatsanwaltschaft hätten behauptet, dass die Aufnahmen eine Vergewaltigung zeigten. Er erklärt, dass das Verhalten der Frau in den Videos „Sicherheit statt Angst“ zeige. Ein Missbrauch werde laut Ansicht von Marius‘ Verteidiger darin nicht gezeigt. Der Anwalt verweist zudem auf Aussagen der Hotel-Frau, die nach dem Vorfall vor Bekannten positiv über Marius gesprochen habe.
Sekulic widerspricht der Darstellung der Staatsanwaltschaft, Marius sei aggressiv und neige zu Gewalt gegen Frauen, und betont, dass es in den Fällen keinerlei Anzeichen dafür gebe.
Marius’ Anwalt plädiert in allen vier Vergewaltigungsfällen auf „nicht schuldig“ und sieht höchstens einfache Fahrlässigkeit, jedoch keine grobe Fahrlässigkeit. Er betont, dass Marius zwar Regeln nicht immer einhalte und unangenehm auftreten könne, aber die sexuellen Grenzen anderer Frauen stets respektiere.
Sekulic geht mit Ex-Freundin Nora Haukland hart ins Gericht
Sekulic befasst sich jetzt mit den Vorwürfen der Gewalt in der Beziehung von Marius und seiner Ex-Freundin Nora Haukland (28) und widerspricht der Darstellung der Staatsanwaltschaft eines „Regimes der Angst“. Er betont ein ausgeglichenes Machtverhältnis und stellt Noras Selbstbild als schwächere Partei infrage.
Der Verteidiger beschreibt die Beziehung als von beidseitigen Streitigkeiten geprägt und betont, dass Nora laut einer Freundin nur in bestimmten Situationen Angst gehabt habe. Vorwürfe der Kontrolle relativiert er und verteidigt Marius‘ Kritik an Noras Fotos auf Social Media als nachvollziehbar. „Wenn man das Ganze noch dadurch krönt, dass er die Familie hat, die er hat, dann ist es meiner Meinung nach schlichtweg beleidigend, dass sie dies offenbar nicht respektiert“, so Marius‘ Verteidigung.
Eine Verurteilung in diesem Fall hält Sekulic demnach allenfalls für einzelne Vorfälle wie Körperverletzung oder Drohungen für gerechtfertigt.
Chats zwischen Nora und Marius zeigen laut der Verteidigung „gleichberechtigte Beziehung“
Nun nimmt er Bezug auf die knapp 800 Seiten Textnachrichten zwischen Marius und Nora, die während des Prozesses verlesen worden waren. Während die Staatsanwaltschaft anhand der Nachrichten bestätigt sieht, dass Nora Angst vor Marius hatte, interpretiert die Verteidigung diese anders. Die Influencerin habe seiner Erachtens mit ihren Nachrichten eher bewiesen, dass sie tue, was sie wolle und sich nichts vorschreiben ließe.
Um dies zu stützen führt er an, Marius‘ Ex habe immerhin trotz der Auseinandersetzungen an mehreren Podcasts und Formaten teilgenommen, nur bei der Reality-Show „Farmen“ habe sie schließlich nicht mitgemacht. Und nur, weil sie in diesem Fall nicht das bekommen habe, was sie wollte, beweise dies nicht, dass sie „in einem Angstregime“ gelebt habe, berichtet „aftenposten.no„.
Anhand der Nachrichten, die Nora an Marius geschrieben habe – er zitiert hier eine, in der es hieß: „Ich vermisse dich und ich vermisse uns“ – stellt er ihre Glaubwürdigkeit in frage. Er sagt, die Nachrichten würden nicht auf eine große Angst hindeuten würden. Viel eher würden die Chats eine „gleichberechtigte Beziehung“ widerspiegeln. Die Verteidigung kommt zu dem Schluss, Mette-Marits Sohn solle nicht wegen Misshandlung in engen Beziehungen verurteilt werden. Die Beziehung zu Nora Haukland falle nicht unter diesen Straftatbestand.
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Verteidigung: Nora Haukland soll einzelne Vorfälle provoziert haben
Høiby könne aber, auch wenn seine Taten nicht unter den Tatbestand Misshandlung in engen Beziehungen zählen, wegen konkreter Einzelvorfälle verurteilt werden. Ginge es nach Sekulic, gäbe es jedoch keine Verurteilung für Marius in diesen einzelnen Fällen, da sie durch Provokationen seiner Ex entstanden seien oder gar nicht wirklich stattgefunden hätten. Er bezieht sich auf Ende 2022, wo Marius Nora angeblich in einen Würgegriff genommen und ihr ins Gesicht geschlagen haben soll. Der Angeklagte wies dies zurück, Sekulic sagt dazu: „Dieser Streit hat nie stattgefunden. Das ist schlichtweg reine Fantasie.“ Einen Fall von Körperverletzung im Jahr 2023 hält er dagegen möglicherweise für plausibel.
Seiner Ex werden finanzielle Motive vorgeworfen
Nora Haukland habe finanzielle Motive – auch, wenn dies dementiert worden sei, so Sekulic. „Es ist auch interessant, dass sie uns keinen Einblick in ihr Konto gewähren will, wenn wir darum bitten, um zu prüfen, ob sie ein finanzielles Motiv hatte oder nicht“, merkt er an.
Der Anwalt bringt auch Ex-Freundin Julianne Snekkestad ins Spiel, die Marius wegen Gewalt angezeigt hatte. Das Verfahren wurde von der Polizei eingestellt, „aus sehr guten Gründen“, wie er betont. Damit scheint er widerlegen zu wollen, dass Gewalt ein Muster in Marius‘ Beziehungen ist.
Damit sind die Ausführungen in Bezug auf Nora Haukland abgeschlossen. Es folgt die Verteidigung im Fall der Frogner-Frau.
Marius hat sich „mehrerer Straftaten gegenüber der Frogner-Frau schuldig gemacht“
20 von 40 Anklagepunkten betreffen die Frogner-Frau. Zu 15 davon hat Marius sich ganz oder teilweise bekannt. „Es steht völlig außer Frage, dass Marius sich zeitweise nicht nur äußerst kritikwürdig verhalten hat, sondern sich in der Zeit, in der sie zusammen waren, auch mehrerer Straftaten gegenüber der Geschädigten schuldig gemacht hat“, bekennt Sekulic. Er verweist gleichzeitig aber darauf, dass sie stets genau gewusst habe, wie sie ihn provozieren könne. Sie sei sich im Klaren gewesen, wie sie starke Reaktionen bei Marius habe hervorrufen können.
Auch in Bezug auf die Frogner-Frau sagt der Anwalt, dass sie in Befragungen nie den Eindruck erweckt habe, Angst vor Marius gehabt zu haben.
In einigen Punkten muss Høiby laut seines Anwalts Verurteilung akzeptieren
In einem Gewaltvorfall in der Wohnung der Frogner-Frau im August 2024 gestand Marius teilweise die Schuld ein. Sein Anwalt plädiert jedoch darauf, dass es sich entgegen der Anklage nicht um eine schwere Körperverletzung handle.
Bezüglich des Verstoßes gegen das Kontaktverbot müsse Marius wohl akzeptieren, dass er verurteilt würde. Auch in Bezug auf die Morddrohung, die Mette-Marits Sohn einem Freund der Frogner-Frau schickte, wird nicht für einen Freispruch plädiert. Der Anwalt bittet das Gericht aber, zu berücksichtigen, dass der Empfänger der Nachricht sich nicht ernstlich bedroht gefühlt hatte.
Verteidigerin hält Freiheitsstrafe von etwa zwei Jahren für angemessen
Der Verteidiger übergibt das Wort an seine Kollegin Ellen Holager Andenæs, die gleich mit Anträgen zur Strafzumessung beginnt. Eine Strafe müsse er in jedem Fall erhalten, kündigt sie an. In puncto des Drogentransports (Marius hatte für seinen Dealer 3,5 Kilogramm Marihuana mit dem Auto abgeholt) stellt sie einen Antrag auf zehn Monate Haft. Für die Taten, die sich auf die Froger-Frau beziehen, trägt sie sechs bis acht Monate Haft als angemessen vor. Bezüglich der „eher harmlosen“ Morddrohung hielte sie 14 bis 21 Tage Haft für angemessene Strafe.
Insgesamt werden die verschiedenen Strafen nicht addiert, die Strafe wird nach dem Asperationsprinzip reduziert, wenn die Taten gleichzeitig verhandelt werden. So kommt die Verteidigung zu dem Ergebnis, dass Marius für die gestandenen Straftaten zu einer Freiheitsstrafe von etwa anderthalb Jahren verurteilt werden sollte. Sollte er der häuslichen Gewalt gegenüber Nora Haukland schuldig gesprochen werden, wären zwei Jahre angemessen. Aufgrund der intensiven medialen Berichterstattung über den Fall solle das Gericht zudem prüfen, ob eine Strafmilderung in frage kommt.
Im Falle einer Verurteilung wegen Vergewaltigung sollen es fünf bis sechs Jahre werden
Von den Vergewaltigungen sowie vom Missbrauch in engen Beziehungen solle er freigesprochen werden. Im Falle einer Verurteilung sei jedoch zu betonen, dass es kurz vor den Taten zu einvernehmlichem Sex gekommen sei. Sollte der 29-Jährige tatsächlich auch für die Vergewaltigungen verurteilt werden, wären „etwa fünf bis sechs Jahre“ das angemessene Strafmaß, so Andenæs. Das sind weniger als die von der Staatsanwaltschaft geforderten sieben Jahre und sieben Monate.
Anwältin Andenæs ist gegen Entschädigungszahlungen
Nun geht es um die Entschädigungen, die im Falle einer Verurteilung wegen Vergewaltigung und Missbrauch in engen Beziehungen gegen Marius verhängt werden könnten. Seine Anwältin hält weiter daran fest, dass er diesbezüglich freigesprochen werden und demnach auch keine Zahlungen an die Frauen leisten müssen soll. Doch laut „VG“ könnten auch, wenn es nicht zur Verurteilung kommen sollte, Entschädigungen fällig werden. Hintergrund sei hier der niedrigere Beweismaßstab.
Laut der Anwältin müsse in Bezug auf einen dennoch möglicherweise festgelegten Schadensersatz durch das Gericht mit einbezogen werden, dass es zumindest vorher zu eindeutig freiwilligen Handlungen zwischen Marius und den Frauen gekommen sei. Die Verteidigung würde Referenzwerte aus vergleichbaren Fällen zu Rate ziehen, um eine angemessene Entschädigungshöhe festzulegen. In anderen, ähnlichen Fällen, in denen zuvor einvernehmlicher Sex stattgefunden habe, seien die Entschädigungsansprüche halbiert worden, führt sie an.
Höhere Entschädigung wegen Medienaufmerksamkeit wird abgelehnt
Am Mittwoch war eine Summe in Höhe von gut 170.000 Euro in den Raum geworfen worden. Laut Andenæs könnte mit einem Aufschlag zu rechnen sein, wird Marius auch für das heimliche Filmen und Fotografieren der Frauen verurteilt. Dass die Geschädigten – wie zuvor gefordert –aufgrund der großen Medienaufmerksamkeit des Falls eine höhere finanzielle Entschädigung erhalten sollten, lehnt Marius‘ Anwältin ab. Die Forderung sei „geradezu absurd“ und „unangemessen“, da ja gerade der Angeklagte in der Öffentlichkeit stand und für diese Belastung nicht auch noch mehr Geld bezahlen sollte.
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Als der Staatsanwalt zu sprechen beginnt, hört Marius auf zu malen
Somit kommt die Verteidigung zum Schluss. Zusammenfassend beantragt sie den Freispruch Marius Borg Høibys in 15 Punkten, den Freispruch von allen Entschädigungsforderungen der Geschädigten. Sollte er dennoch in einem der Anklagepunkte für schuldig befunden werden, beantragen die Anwälte, dass er die mildeste Strafe erhält.
Dazu darf sich nun noch einmal Staatsanwalt Henriksbø äußern. Als dieser zu sprechen beginnt, hört Marius auf, auf seinem Notizblock zu malen und lehnt sich in seinen Stuhl. Er blickt zum Staatsanwalt herüber, wie BUNTE.de im Gerichtssaal beobachtet. Henriksbø geht auf die Verteidigung ein und widerspricht einigen Punkten erneut.
Medientrubel ist „ein Ergebnis der Handlungen von Marius Borg Høiby selbst“
Dann gibt er das Wort an Verteidigerin Heidi Reisvang ab, die drei der Frauen im Prozess vertritt. Sie ergreift noch einmal Partei für die Frauen, unterstreicht zudem, dass die mediale Berichterstattung, die Marius‘ Anwältin in Bezug auf die Entschädigungszahlungen erwähnt hatte, „ein Ergebnis der Handlungen von Marius Borg Høiby selbst“ sei. Die Vorwürfe, Nora Haukland hätte finanzielle Beweggründe für die Klage, spricht sie erneut an. Dazu würde nicht passen, dass sie nicht da sei. Zudem habe sie die besten Angebote, die sie jüngst bekommen habe, abgelehnt.
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Mette-Marits Sohn möchte keine abschließenden Worte mehr sagen
BUNTE.de beobachtet vor Ort, wie Marius während ihres Schlussplädoyers kurz die Augenbrauen hochzieht, er süffisant lächelt. Auf Reisvangs Ausführungen folgt weiteres Hin- und Her zwischen den Parteien, Marius äußert sich jedoch nicht mehr. Zum Prozessende scheint er verstummt zu sein, auch die anwesenden mutmaßlichen Geschädigten wollten sich auf Nachfrage des Richters nicht mehr äußern.
Urteil im Marius-Prozess wird Anfang Juni erwartet
Damit erklärt Jon Sverdrup Efjestad die Verhandlung für beendet. Das Urteil sei Anfang Juni zu erwarten, gibt er zuletzt noch bekannt. Die Verteidiger und Opferanwältin Larsen umarmen sich zum Schluss, alle anderen Beteiligten schütteln sich gegenseitig die Hände, beobachtet BUNTE.de.
Mit Material von DANA Press.



