Marius Borg Høiby: „Ich glaube nicht, dass ich um Erlaubnis gefragt habe“
Wie schlimm kann es eigentlich noch werden? Zu Beginn der zweiten Prozesswoche kommen neue erschütternde Vorwürfe gegen Marius Borg Høiby ans Licht.
Am Dienstag (10. Februar) begann die zweite Prozesswoche im Fall Marius Borg Høiby (26). Der Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit von Norwegen (52) steht wegen schwerer Vergewaltigungsvorwürfe vor Gericht. Der Vorfall, der sich am 8. Oktober 2023 auf den Lofoten ereignet haben soll, wirft dunkle Schatten auf die norwegischen Royals. Die norwegische Zeitung „VG“ berichtet an diesem Tag live vom Prozess.
Was geschah nach dem Kinoabend mit Kronprinz Haakon?
Die Staatsanwaltschaft eröffnete den Verhandlungstag mit einer Zusammenfassung der Ereignisse. Laut Staatsanwalt Sturla Henriksbø trafen Marius und die Geschädigte über die Dating-Plattform Tinder aufeinander. Nach einer Filmvorführung in der Trevarefabrikken, an der auch Kronprinz Haakon (50) teilnahm, wurde Marius von der Frau eingeladen, in ihrer Unterkunft zu übernachten. Die Unterkunft, eine sogenannte Fischerhütte, war Schauplatz der späteren Ereignisse.
Henriksbø präsentierte Beweismaterial, darunter Bilder der Unterkunft und einen kurzen Videoclip, der die Geschädigte mit nacktem Unterleib zeigt. Der Clip wurde um 4.58 Uhr aufgenommen und soll ein zentrales Beweisstück im Prozess sein. Zudem wurden Daten aus der Herzfrequenzmessung der Smartwatch der Frau sowie Bewegungsdaten von Marius‘ Handy ausgewertet. Beide Beweise seien jedoch nicht eindeutig und könnten nicht allein zur Klärung des Vorfalls herangezogen werden.
- Marius Borg Høiby (29) steht seit dem 3. Februar vor Gericht
- Er ist der Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit und Morten Borg, Stiefsohn von Kronprinz Haakon von Norwegen
- Für den Prozess am Bezirksgericht in Oslo sind 24 Prozesstage in sieben Wochen geplant, am 19. März erwarten wir das Urteil
- Marius Borg Høiby ist in 38 Punkten angeklagt, darunter Vergewaltigung, Körperverletzung und Sachbeschädigung
- Das Anwaltsduo Ellen Holager Andenæs und Petar Sekulic vertritt Marius Borg Høiby in dem komplexen Prozess
- Das Gericht hat strenge Regeln für Medienvertreter aufgestellt, um die Privatsphäre der Geschädigten und des Angeklagten zu schützen
Tinder-Date belastet Marius Borg Høiby schwer
Die junge Frau, vertreten durch Rechtsanwältin Lill Vassbotn, schilderte ihre Sicht der Ereignisse. Sie berichtete, dass sie und ihre Freunde Marius zu einer Veranstaltung eingeladen hatten, bei der Skifilme gezeigt wurden. Nach der Veranstaltung sei Marius mit in ihre Unterkunft gekommen. Die Frau erklärte, dass sie zunächst einvernehmlichen Geschlechtsverkehr mit ihm hatte, bevor sie einschlief. Später sei sie jedoch davon aufgewacht, dass Marius ohne ihre Zustimmung mit ihr Geschlechtsverkehr hatte.
„Ich erinnere mich, dass ich aufwachte und einen kleinen Schock bekam“, sagte die Frau vor Gericht. „Ich habe nicht verstanden, wie jemand Sex mit jemandem haben kann, der schläft.“ Sie habe ihm außerdem zu keinem Zeitpunkt erlaubt, Fotos oder Videos von ihr zu machen.
Mette-Marits Sohn bestreitet die Vorwürfe
Marius Borg Høiby bestreitet die Vorwürfe vehement. Seine Verteidiger Petar Sekulic und Ellen Holager Andenæs erklärten, dass sie ihren Mandanten am Verhandlungstag noch nicht gesehen hätten und sich daher nicht zu seinem aktuellen Befinden äußern könnten. Die Verteidigung hat einen Zeugen geladen, der später aussagen soll.
Richter Jon Sverdrup Efjesta erinnerte alle Anwesenden daran, dass während des Prozesses strenge Regeln gelten. Foto- und Videoaufnahmen sind verboten, ebenso wie die Veröffentlichung sensibler Informationen über die Geschädigte.
Im Prozess gegen Marius Borg Høiby werden viele sensible und private Informationen besprochen, über die wir nicht berichten können oder dürfen. Das Osloer Bezirksgericht hat außerdem eine Veröffentlichungssperre für identifizierende Beschreibungen der Geschädigten, Informationen über familiäre Verhältnisse, Gesundheit oder sexuelle Präferenzen verhängt. BUNTE.de bemüht sich, den Leser*innen so schnell wie möglich alle relevanten Informationen zu liefern und gleichzeitig die Privatsphäre der Beteiligten zu schützen.
Marius Borg Høiby: „Nehme immer noch ziemlich viele Medikamente“
Am Nachmittag trat der 29-Jährige dann selbst für seine Aussage in den Zeugenstand – und entschuldigte sich erst einmal: „Wie an allen anderen Tagen hier nehme ich immer noch ziemlich viele Medikamente und so weiter. Wenn es also ab und zu etwas holprig wird, dann liegt das daran.“ Im Anschluss schilderte Høiby die Zeit vor Okotber 2023, in der ihm zufolge sehr viel gefeiert wurde. Eine für ihn schwierige Zeit. Doch Bonus-Papa Haakon soll für ihn dagewesen sein: „Haakon und ich teilen das Interesse am Surfen. Er sagte: ‚Jetzt machen wir einen Ausflug‘, um mich ein wenig aus Oslo herauszuholen. Dann fuhren wir auf die Lofoten. Ich war schon mehrmals dort.“
Über die Geschädigte sagte er: „Wir haben uns in einer der Pausen getroffen. Wir haben uns erst einmal ein wenig angesehen (…) Sie war sehr süß und so.“
Marius habe Stiefvater Haakon angemerkt, dass dieser müde wurde. Dann habe die Frau Marius angeboten, er könne bei ihr übernachten, was er annahm. Sie blieben noch ein bisschen mit ihren Bekannten bei der Party, dann seien er und die Frau alleine zu dem Ort gegangen, an dem sie übernachten wollten.
„Es war nicht viel anders als an vielen anderen Abenden“
„Irgendwann gehen wir ins Zimmer und haben Sex“, zitiert die „VG“ Marius. „Und dann weiß ich natürlich, dass ich mich in meiner ersten Aussage gegenüber der Polizei nicht daran erinnern kann, ob wir einmal oder mehrmals Sex hatten. Ich erinnere mich nicht mehr so genau daran. Es war nicht viel anders als an vielen anderen Abenden“, erzählte er.
Seine Verteidiger Petar Sekulic und Ellen Holager Andenæs erklärten, dass ihr Mandant die Tat nicht begangen habe und dass er sich an viele Details jener Nacht nicht mehr genau erinnern könne. Während seiner Aussage betonte Marius mehrfach, dass er keinen Geschlechtsverkehr mit Frauen habe, die schlafen.
„Ich verstehe nicht, wie das für irgendjemanden Sinn ergeben soll“, sagte Marius laut „VG“. Er beschrieb den Abend als „normal“ und erklärte, dass der Geschlechtsverkehr einvernehmlich gewesen sei. Über den Videoclip auf seinem Handy sagte er: „Ich glaube nicht, dass ich um Erlaubnis gefragt habe, aber ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass ich eine Ablehnung erhalten habe.“
Nach einer intensiven Befragung bat Marius mehrfach resigniert wirkte, bat er um eine Pause: „Ich werde langsam sehr müde.“ Der Richter vertagte daraufhin die Verhandlung auf den nächsten Tag. Der Prozess wird am 11. Februar um 9:30 Uhr fortgesetzt.
(Mit Material von Dana Press)
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