Philipp Amthor: Zu meinem Vater wünsche ich keinen Kontakt

Philipp Amthor: Zu meinem Vater wünsche ich keinen Kontakt

Philipp Amthor zog mit 24 Jahren als jüngster Abgeordneter in den Bundestag, wurde mit 32 Jahren Staatssekretär. In BUNTE spricht er ungewöhnlich offen über sein Privatleben.

VON MARTIN HEIDEMANNS

Für die einen ist er der Senkrechtstarter. Für die anderen der Sonderling. Unstrittig ist: Philipp Amthor (33) aus der ostdeutschen Provinz Torgelow hat in der Bundespolitik eine ungewöhnliche Karriere hingelegt: mit 24 Jahren jüngster Abgeordneter des Bundestages. Mit 32 Jahren jüngster Staatssekretär in der Regierung. Als enger Vertrauter geschätzt von Kanzler Friedrich Merz (70), als Lieblingszielscheibe verspottet in der ZDF-„heute-show“. BUNTE spazierte mit Philipp Amthor durch seine Heimat Ueckermünde – und sprach mit dem CDU-Politiker über seine Herkunft, sein Leben ohne Vater und seine große Liebe.

Philipp Amthor: „Die politische Unzufriedenheit ist sehr groß“

Hier gingen Sie zur Schule, hier leben sie heute noch – und hier haben 47,2 Prozent bei der Bundestagswahl AfD gewählt. Wie erklären Sie das?

Philipp Amthor: Die politische Unzufriedenheit in Vorpommern und in vielen Teilen unseres Landes ist sehr groß, aber ich warne davor, darin einen Makel der Wähler zu erkennen. Ich verstehe es eher als einen Auftrag: Unsere Regierung muss noch besser zeigen, dass wir die Sorgen der Bürger verstanden haben, sie ernst nehmen und aufgestaute Probleme konsequent lösen – und wir müssen die AfD dabei inhaltlich stärker stellen.

Philipp Amthor bei einem Termin in Berlin.

Philipp Amthor bei einem Termin in Berlin. JOHN MACDOUGALL/AFP via Getty Images

Sehr enger Kontakt zur Mutter

Wie hat sich das Stadtbild – um Ihren Kanzler zu zitieren – in Ihrer Heimat verändert?

Es hat sich auch hier verändert – aber nicht nur zum Schlechten. Wer mit wachem Auge durch diese Region geht, erkennt sie als liebenswürdigen Ort. Heimat ist ein besonderes Gefühl. Hier lebt meine Mutter, hier bin ich sehr oft.

Wie eng ist der Kontakt zur Mutter?

Sehr eng. Das ist mir sehr wichtig. Ich bin ihr sehr dankbar. Sie hat mich – wie auch meine Großeltern – gelehrt, wie wichtig Fleiß, Disziplin und Pflichtgefühl sind. Insbesondere durch meinen Großvater, dessen Beruf als Bundeswehrsoldat meine Kindheit mitgeprägt hat, habe ich früh eine positive Beziehung zu Ordnung und Patriotismus entwickelt.

Ihr Vater war auch Soldat. Sie haben keinen Kontakt zu ihm. Warum?

Das habe ich bewusst so entschieden. Ich hatte auch nie ein wirkliches Bedürfnis, ihn kennenzulernen. Ich habe eine sehr liebenswerte Familie, bei der es mir an nichts gefehlt hat.

Warum haben Sie kein Bedürfnis?  Vater und Mutter – das sind die stärksten Bindungen eines Menschen. 

Das ist sicher richtig, aber mit der Rolle eines Vaters verbindet sich mehr, als der reine Umstand, biologisch Vater zu sein. Eine solche Rolle hat mein Vater für mich jedoch nie gehabt, weil sich meine Eltern noch vor meiner Geburt getrennt haben. Daran gibt es für mich aber auch nichts zu pathologisieren, weil es mir in meiner Familie glücklicherweise nie an Zusammenhalt gefehlt hat. 

Dafür spielt Ihre Mutter eine besondere Rolle in Ihrem Leben… 

Ihre Leistung als alleinerziehende Mutter ist umso größer. Ich habe meiner Mutter alles zu verdanken, was man seinen Eltern überhaupt verdanken kann.  Sie hat immer für mich gekämpft. Nach der Wende verlor sie ihren Job und hatte es nicht leicht. Sie hat mir gezeigt, dass Zusammenhalt in der Familie das Wichtigste ist. Sie hat mich gelehrt, dass man trotz widriger Umstände durch Zielstrebigkeit viel erreichen kann. Sie hat viele eigene Wünsche für mich hintenangestellt. 

Wovon hat Ihre Mutter gelebt? 

 Sie war nur kurze Zeit arbeitslos.  Hat eine Umschulung zur Garten- und Landschaftsbauerin gemacht. Hatte Jobs in der Videothek und im Baumarkt. Es war ihr immer wichtig, dass ich nicht spüre, wie knapp es finanziell ist. Und es war knapp, wenn monatlich 70 Euro für die Busfahrkarte fällig wurden oder mal 200 Euro für die Klassenfahrt.  

Heute bekommen Sie als Parlamentarischer Staatssekretär gut 20.000 Euro monatlich. Was macht das mit Ihnen? 

Das muss man mit der notwendigen Demut sehen. Mir ist bewusst, dass das sehr viel Geld ist und dass nicht jedem Aufsteigerkind solche Chancen offenstehen, wie ich sie ergreifen konnte. Ich führe mir vor Augen, dass das sehr große Summen für Menschen sind, die am Monatsende jeden Euro zweimal umdrehen müssen. 

Philipp Amthor: „Glück ist für mich, gehalten zu werden. Das spüre ich in meiner Partnerschaft“

Was machen Sie mit so viel Geld? 

Ich bin nicht übermäßig verschwenderisch und gebe auch gern Geld für gute Zwecke. Sehr gern lade ich auch Freunde und Familie zu Geselligkeit ein. 

Wie haben Sie Weihnachten verbracht? 

Mit meiner Partnerin und unseren Müttern in Norddeutschland. Es war eine schöne und besinnliche Zeit.  

Die Beziehung zu Ihrer Partnerin besteht also noch? 

Ja, natürlich. Ihre Frage klingt ja fast so, als hätte ich einen unsteten Lebenswandel. Wir sind sehr glücklich. Glück ist für mich ein Zustand, in dem ich mich verstanden und gehalten fühle. Das spüre ich sehr stark in meiner Partnerschaft.  Meine Partnerin hat Humor, sie ist klug und vielseitig interessiert – wir sind einfach auf einer Wellenlänge. Ich bin sehr dankbar, sie zu haben. 

Sie sind konfessionslos aufgewachsen. Weihnachten 2019 sind Sie in die katholische Kirche eingetreten. Warum? 

Das war ein längerer und ganz bewusster Prozess. Ich hatte mich schon lange für den Glauben und die Kirche interessiert. Als historisch interessierter Mensch kommt man ja gar nicht umhin, eine gewisse Faszination für die Kirche zu entfalten. Aus meiner Jugend habe ich zudem einen passenden Satz in Erinnerung: Wenn man Jesus nicht kennt, fehlt er einem auch nicht.  

Dann werden Sie Ihre Lebensgefährtin auch kirchlich heiraten … 

Wenn, dann erfahren Sie es bestimmt als erstes. (lacht) Ich habe übrigens auch dahingehend große religiöse Toleranz, dass meine Partnerin eine evangelische Pfarrerstochter ist. 

Sie gelten mit ihren jungen Jahren in diesen hohen Ämtern als Sonderling. Empfinden Sie das auch so? 

Ich bin ein fröhlicher Mensch. Es heißt: Konservative Politiker haben oft schlechte Laune. Da bin ich vielleicht das Gegenteil. ‚Sonderling‘ finde ich als Begriff aber trotzdem nicht sehr schön. Heute wird da ja eher der Begriff ‚Nerd‘ verwendet. Den finde ich für mich gar nicht schlecht. Ich habe mich schon in der Kindheit und Jugend für Dinge begeistert, für die sich andere in dem Alter nicht begeistert haben. Geschichte, Bücher, Politik.  

Sie strahlen stets eine Fröhlichkeit aus, was hat Sie zuletzt traurig gemacht? 

 Das Leiden in der Ukraine. Und die AfD und ihr Verhalten im Bundestag. Dieser 

Rassismus, der frauenverachtende Grundton und diese fortschreitende Radikalisierung – es macht mich traurig, wie man die Werte unserer liberalen Demokratie so mit Füßen treten kann.   

  Sie tragen am Revers stets einen schwarz-rot-goldenen Anstecker. Warum? 

Wir sollten unser Schwarz-Rot-Gold nicht denen überlassen, die mit Einigkeit, Recht und Freiheit am wenigsten am Hut haben. Insbesondere nicht der AfD. 

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