Prozesstag 8: Marius Borg Høiby nutzte App, um Videos zu verstecken

Prozesstag 8: Marius Borg Høiby nutzte App, um Videos zu verstecken

Am 8. Prozesstag gegen Mette-Marits Sohn Marius Borg Høiby geht es um Videoaufnahmen einer Frau, die er in einer verschlüsselten App versteckte.

Im Bezirksgericht Oslo wird am 8. Prozesstag (13. Februar) die Aussage eines dritten mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers bezüglich der Geschehnisse nach einer Afterparty am 24. März 2024 aufgenommen. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit werden zunächst fünf Videos von Marius Borg Høibys (29) Handy gezeigt, die die Polizei sichergestellt hatte. Datiert sind die auf den Morgen des 24. März. Wie „Dana Press“ berichtet, soll nur eines der Videos einvernehmlichen Geschlechtsverkehr zeigen, während die restlichen vier gemäß der Staatsanwaltschaft den Missbrauch der Frau belegen sollen. Der betroffenen Frau waren die Videos laut eigener Aussage bis zur polizeilichen Vernehmung unbekannt gewesen. Auch Marius sagt selbst über den Abend aus und betont, er habe nicht gewusst, dass die Frau geschlafen habe. Zudem legt er Drogenkonsum am betreffenden Abend offen.

  • Marius Borg Høiby (29) steht seit dem 3. Februar vor Gericht
  • Er ist der Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit und Morten Borg, Stiefsohn von Kronprinz Haakon von Norwegen
  • Für den Prozess am Bezirksgericht in Oslo sind 24 Prozesstage in sieben Wochen geplant, am 19. März erwarten wir das Urteil
  • Marius Borg Høiby ist in 38 Punkten angeklagt, darunter Vergewaltigung, Körperverletzung und Sachbeschädigung
  • Das Anwaltsduo Ellen Holager Andenæs und Petar Sekulic vertritt Marius Borg Høiby in dem komplexen Prozess
  • Das Gericht hat strenge Regeln für Medienvertreter aufgestellt, um die Privatsphäre der Geschädigten und des Angeklagten zu schützen

Frau war nach Afterparty „neugierig“ auf Marius Borg Høiby

Bezüglich des Abends der Afterparty erklärt die Frau, Marius habe eine Plastikflasche mit Alkohol dabei gehabt, aus der beide ein paar Schlucke, „aber nicht besonders viel“, getrunken hätten. Dennoch sei selbst bereits „ziemlich betrunken“ gewesen. Mit zu sich nach Hause habe sie ihn genommen, da sie neugierig auf ihn gewesen sei. „Er stammt aus einer geheimnisvollen Familie, die Königsfamilie ist ja irgendwie geheimnisvoll. Ich war neugierig, wie es ist, in einem solchen Umfeld aufzuwachsen, das finde ich eigentlich ganz natürlich“, erklärt sie. Marius habe ihr gegenüber gestanden, dass er nicht geglaubt hätte, Chancen bei ihr zu haben, wenn er nicht zur Königsfamilie gehört hätte, berichtet „Nettavisen“. Er habe zudem erwähnt, dass er „wenig Selbstvertrauen“ habe, woraufhin er der Frau leidgetan habe.

Haakons Stiefsohn riss sich im Streit mit Freundin das T-Shirt vom Leib

Zusätzlich zum Alkohol habe sie später vor dem Zubettgehen ein Schlafmittel eingenommen. Sie habe sich jedoch gefragt, ob sie möglicherweise auch noch etwas anderes zu sich genommen haben könnte. „Ich kann nichts mit Sicherheit sagen“, so die Frau. Die Polizei konnte bisher keine weiteren Substanzen in den untersuchten Alkoholflaschen feststellen. Marius sagt in Bezug auf Drogen aus, dass es an dem Abend Kokain gegeben hätte und er auch Ketamin konsumiert habe, weshalb er sich mit seiner Ex (ebenfalls ein mutmaßliches Opfer), gestritten habe. Infolge des Streits habe er sich in einem Club, zu dem er nach der Afterparty fuhr, das T-Shirt vom Leib gerissen – was er selbst als „unangebracht“ bezeichnet.

In der Wohnung der anderen Frau, in die es später ging, sei es am Abend zunächst zu einvernehmlichem Geschlechtsverkehr gekommen, an den sie sich nur „sehr vage“ erinnere. Sie erinnere sich eher nur „an einzelne Momente“ und habe vor allem die vorliegenden Videos im Sinn. „Es ist schwer vorstellbar, dass dies freiwillig geschehen ist“, fügt sie hinzu. 

Frau sagt vor Bezirksgericht Oslo aus: Mette-Marits Sohn war „rastlos“

Danach hätten sie sich schlafen gelegt, doch Marius sei nicht zur Ruhe gekommen. Er habe „herumgewühlt“, sich im Bett bewegt und sei mehrfach aufgestanden. Sein „rastloses“ Verhalten habe sie nicht nur anstrengend, sondern auch irritierend gefunden. „Ich war sehr müde, unglaublich erschöpft, sehr betrunken. Es fiel mir schwer, die Augen offen zu halten, ich wollte schlafen. Schlafen. Ich war schlaftrunken, sehr müde“, erinnert sie sich zurück.

Zeugin nahm im Schlaf einen Lichtblitz wahr

Neben Marius Borg Høibys Unruhe habe sie zudem einen Blitz wahrgenommen. Ein Licht, das sie auch durch die geschlossenen Augen hatte wahrnehmen können. Als sie sich am nächsten Tag an diesen Lichtblitz erinnert habe, sei in ihr ein ungutes Gefühl aufgestiegen, berichtet sie. Wenn sie gewusst hätte, dass er filmt, hätte sie dies gestoppt, sagt sie aus und bestätigt nochmal, dass sie dabei ja geschlafen habe. 

Insgesamt beschreibt sie ihren Abend davor als „sehr angenehm“, weshalb es ihr vorerst zu drastisch erschienen wäre, Kronprinzessin Mette-Marit von Norwegens (53) Sohn wegen ihrer diffusen Licht-Wahrnehmung anzuzeigen. Sie habe Marius am nächsten Tag noch per Nachricht kontaktiert und ihm mitgeteilt, dass er seine Mütze vergessen habe. Vom Richter nach der Nachricht gefragt, antwortet Marius, er habe diese einfach gelöscht. 

Marius Borg Høiby: Frau hätte sich melden können, wenn sie nicht mit Video einverstanden gewesen wäre

Bezüglich Videoaufnahmen erklärt er, dass er sich nicht konkret daran erinnern könne, ob zuvor besprochen wurde, ob er Videos machen dürfe. Insgesamt könne er sich nicht daran erinnern, Videos aufgenommen zu haben. Die Frau hätte sich jedoch wohl gemeldet, wenn es ihr nicht recht gewesen wäre. Er geht zudem davon aus, dass sie in Kenntnis der Videos gewesen sei: „Ich habe nicht den Eindruck, dass sie es nicht bemerkt hat. Es gab einen Blitz in einem völlig dunklen Raum.“

„War sehr einsam“: Emotionale Aussage zu ihrem Gemütszustand

Als die Polizei der Frau später die Videos zeigte, sei dies „sehr schwierig“ für sie gewesen. Auch die Erwägung der Anzeige sei ihr schwer gefallen: „Was bedeutet es für mich als Privatperson, jemanden aus der Königsfamilie dafür anzuzeigen? Es kostet etwas mehr, sich hier zu behaupten, da er ist, wer er ist.“ Marius‘ Berühmtheit verkompliziert den Fall für sie. Es sei ihr wichtig für sich einzustehen, doch in Anbetracht des starken Medieninteresses sei dies anstrengend. 

Sie berichtet von Einsamkeit nach der Polizeivernehmung: „Ich wurde angewiesen, Stillschweigen zu bewahren. Daher konnte ich mit niemandem darüber sprechen. Das war sehr einsam. Ich fühlte mich sehr gefangen. In meinem Leben drehte sich alles nur noch darum. Ich konnte an kaum etwas anderes denken. Ich hatte das Gefühl, dass mein Leben irgendwie auf Eis lag.“ So habe sie ihr Zimmer renoviert, das „gewissermaßen von etwas anderem heimgesucht worden“ war, um dem Thema zu entkommen.

Auf Nachfrage von Rechtsbeistand Salomon erklärt sie in Bezug auf Bekanntwerden der Anklage: „Es war eine Art Retraumatisierung“. Sie habe viel geweint und sich wie verfolgt gefühlt. Ihr Empfinden vergleicht sie mit dem eines „Tiers im Käfig“.

„Ich konsumiere seit so vielen Jahren Kokain, dass ich normalerweise keine Auswirkungen spüre“

Im weiteren Verlauf der Befragung durch den Staatsanwalt wird Marius nach Diskrepanzen zwischen seiner vorherigen Aussage und der Aussage vor Gericht konfrontiert. Er begründet dies mit der Erschöpfung und Traumatisierung durch die damalige Verhaftung. Er sei nicht ganz bei sich gewesen und erklärt, dass die Aussage vor Gericht stimme. 

In Bezug auf die Afterparty sagt er aus, „völlig auf Koks“ gewesen zu sein. Ketamin habe er auf der Party jedoch nicht nochmal eingenommen. Die Urteilsfähigkeit sei durch die Kombination mit Alkohol beeinträchtigt, Kokain würde bei ihm jedoch nicht viel auslösen. „Ich konsumiere seit so vielen Jahren Kokain, dass ich normalerweise keine Auswirkungen spüre. Am Anfang war das anders“, gesteht er das Ausmaß seines Konsums.

Nach dem Party-Abend und dem Streit mit seiner Ex habe er bereut, was passiert sei. Er habe versucht, die Geschehnisse zu verdrängen und nicht daran zu denken. Er sei danach erneut mit seiner Ex zusammengekommen. 

Der Angeklagte hat eine Frage „so satt“

Immer wieder kommt der Staatsanwalt auf eine Frage zurück: ob es eine Absprache gab, dass Marius Sex mit der Frau haben dürfe, während sie schliefe. Mette-Marits Sohn, der bereits in den vergangenen Tagen offen damit umging, dass er erschöpft von dem Verfahren ist, scheint immer weiter die Luft auszugehen. So platzt ihm im Gerichtssaal der Kragen. „Und diese Frage, die Sie mir jetzt schon dreimal gestellt haben, habe ich so satt“, wettert er laut „Nettavisen“.

Verschlüsselte App sollte Videos vor seiner Freundin verstecken

Der Staatsanwalt fragt weiter und möchte wissen, ob Marius sich daran erinnere, in anderen Fällen Frauen gefilmt zu haben und dabei behauptet zu haben, dass das Licht nur seine Taschenlampe sei und kein Kamerablitz. „Ja“, antwortet er und sagt dazu: „Das war dumm.“

Während des Gesprächs wird offenbart, dass die Videos auf Marius‘ Handy in einer verschlüsselten App gespeichert worden waren. Er selbst könnte sich nicht mehr daran erinnern, wann sie von der normalen Galerie in die zugangsbeschränkte App verschoben wurden. Unterlagen zeigen jedoch, dass die App am 24. März 2024 abonniert wurde, also kurz nachdem die Videos aufgenommen wurden. Er habe die App genutzt, damit seine damalige Freundin, die seinen Handy-Code kannte, keinen Zugriff habe. Er habe die Aufnahmen ausschließlich für sich selbst angefertigt, zitiert ihn „vg.no„. 

mit Material von Dana Press

Im Prozess gegen Marius Borg Høiby werden viele sensible und private Informationen besprochen, über die wir nicht berichten können oder dürfen. Das Osloer Bezirksgericht hat außerdem eine Veröffentlichungssperre für identifizierende Beschreibungen der Geschädigten, Informationen über familiäre Verhältnisse, Gesundheit oder sexuelle Präferenzen verhängt. BUNTE.de bemüht sich, den Leser*innen so schnell wie möglich alle relevanten Informationen zu liefern und gleichzeitig die Privatsphäre der Beteiligten zu schützen.

Alles zum Prozess gegen Marius Borg Høiby

Weiterlesen

Weitere Nachrichten

Streit über ICE führt zu erneutem Teil-Shutdown

Streit über ICE führt zu erneutem Teil-Shutdown

Die Trump-Regierung und die oppositionellen Demokraten hatten sich im Vorfeld gegenseitig die Schuld für den nahenden Teil-Shutdown gegeben: So sagte Trump-Sprecherin Karoline Leavitt dem Sender Fox News, die Demokraten würden das Land aus »parteipolitischen Gründen...

mehr lesen