„Verantwortungslos“: Empörung über ZDF-„Traumschiff“
Es ist ein äußerst sensibles Thema, das in der Neujahrsfolge vom ZDF-„Traumschiff“ behandelt wird. Zuschauer reagieren empört.
Die Neujahrsfolge des ZDF-„Traumschiffs“ hat viele Zuschauer irritiert und teilweise für Empörung gesorgt. Erstmals wird das Thema Suizid in der Klassiker-Reihe thematisiert, die normalerweise für leichtere Geschichten, exotische Reisebilder und immer für ein Happy End steht.
Umstrittene Folge: „Traumschiff“ befasst sich mit dem Thema Suizid
Als sie bereits dabei sind, ihren dramatischen Plan in die Tat umzusetzen und kurz davor stehen, über Bord zu springen, überraschen sie sich gegenseitig und beschließen ihr Vorhaben auf das Ende der Reise zu verschieben. Damit nicht genug: Im Laufe der Handlung fasst auch der Kellner Peter Keller – dargestellt von „heute-show“-Star Lutz van der Horst – denselben Plan.
Verdacht schöpft Hoteldirektorin Hanna Liebhold (Barbara Wussow), als sie die Schuhe von Emilia Gronewald an der Reling entdeckt, von der sie weiß, dass sie um ihre Mutter trauert, die kürzlich gestorben ist.
In der „Traumschiff“-Neujahrs-Folge wollen drei Menschen ihrem Leben ein Ende setzen
Als sie ihr ihre Hilfe anbietet, täuscht Emilia ihr vor, dass sie in Oliver Stiller einen Vertrauten gefunden habe. Die beiden gaukeln ihr plötzlich einen Flirt vor, gehen gemeinsam auf Safari – immer mit dem Ziel, ihr dramatisches Vorhaben noch in die Tat umzusetzen, so sieht es der Handlungsstrang vor.
Dazu gibt es Textpassagen wie: „Was ist ihnen lieber? Steuerbord oder Backbord?“. An anderer Stelle kommentiert Oliver seinen Ärger über den unfreiwilligen Flirt mit Emilia so: „Ich versuche mich zu beruhigen, bevor ich sofort zur Reling laufe und dem ganzen Wahnsinn hier ein Ende setze.“ Emilia entgegnet: „Das könnte Ihnen so passen, wir haben verabredet, entweder beide oder keiner.“
Zuschauer reagieren empört auf Tabubruch beim ZDF-„Traumschiff“
Viele Zuschauer finden solche Szenen und den Tonfall mehr als unpassend, wie kritische Kommentare auf der Social-Media-Plattform X zeigen. Sie vermissen die Ernsthaftigkeit und sind irritiert von dem Umgang mit dem sensiblen Handlungsstrang Suizid-Absichten, der sich abwechselt mit den typischen „Traumschiff“-Safari-Bildern, Liebes-Verwicklungen einer Patchwork-Familie und einem Flirt von Kapitän Max Parger (Florian Silbereisen).

„Mit so einem Thema macht man keine Späße, schämt euch, ZDF“
Eine Userin schreibt: „Das Thema Suizid hätte weiterhin auf der Tabuliste beim ‚Traumschiff‘ bleiben müssen, oder man spricht anders darüber“. Eine weitere kritisiert: „Das ist einfach unterirdisch. Wer das geschrieben hat, gehört entlassen. Mit so einem Thema macht man keine Späße, schämt euch, ZDF“.
Eine andere Zuschauerin moniert: „Menschen mit Depressionen und Suizidgedanken dürften sich bei dieser Folge absolut, sorry, verarscht vorkommen. Wie kann man ein so ernstes Thema so ins Lächerliche ziehen?“
Weitere Kommentare zielen in die gleiche Richtung: „Sehr, sehr fragwürdig, wie man das Thema Suizid [ein] bisschen ins Lächerliche zieht mit solchen Comedy-Dialogen.“
„OMG, das kann doch nicht deren Ernst sein? Mit dem Thema Suizid? Ernsthaft?“
„Diese Selbstmord-Nummer ist wirklich komplett daneben.“
„Mit dem Thema Suizid wird meiner Meinung nach in dieser Folge Traumschiff verantwortungslos umgegangen.“
„Suizid auf dem Taumschiff geht gar nicht an Neujahr. Nicht lustig. Was ist denn los bei Euch, ZDF?“
So endet die umstrittene „Traumschiff“-Folge
Die umstrittene Folge endet damit, dass sich Oliver und Emilia gegenseitig vom Suizid abhalten und dem beziehungsweise der anderen deutlich machen, dass ihr Leben lebenswert sei. Auch Kellner Peter Keller stimmen sie um. Der merkt nur wenig später an: „Ich glaube, ich wäre eh nicht gesprungen. Ich habe Höhenangst.“
Was viele Zuschauer neben solchen Passagen zusätzlich irritiert haben dürfte: Die drei vereinbaren, sich in einem Jahr wieder auf dem „Traumschiff“ zu treffen – „und dann entscheiden wir aufs Neue“. Ihren geplanten Suizid schließen sie also bis zum Ende nicht endgültig aus.

ZDF blendet vor „Traumschiff“-Abspann Hinweis ein
Kurz vor dem Abspann hat das ZDF folgenden Hinweis und entsprechende Hilfs-Telefonnummern eingeblendet: „Wenn Sie oder jemand, den Sie kennen, Suizidgedanken haben, stehen Hilfsangebote zur Verfügung. Sie sind nicht allein.“
Eine ZDF-Sprecherin hat den umstrittenen Handlungsstrang gegenüber der „Bild“-Zeitung damit gerechtfertigt, dass das „Traumschiff“ das Leben in all seinen Facetten abbilde. „Es werden Geschichten erzählt, die unterhalten, berühren, bewegen und nachdenklich machen.“ Am Ende solle jedoch eine positive Botschaft stehen. Die vermissen viele Zuschauer hier aber offensichtlich.
Psychische Erkrankungen und Suizidgedanken können jeden treffen. Wenn du selbst oder jemand in deinem Umfeld von Suizidgedanken betroffen ist, scheue dich nicht davor, Hilfe zu suchen!
Du erhältst kostenlos und anonym Hilfe von erfahrenen Beratern bei der Telefonseelsorge unter den Telefonnummern 0 800-111 0 111 oder 0 800-111 0 222. Weitere Hilfsangebote bietet auch die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention.
Darüber hinaus kannst du dir bei deinem Hausarzt des Vertrauens Rat holen. Er kann dir helfen, geeignete Psychiater und Psychotherapieplätze zu finden.



