Tochter von Fußball-Legende Diego Maradona (†) erhebt im neuen Prozess um dessen Tod schwere Vorwürfe gegen Ex-Leibarzt

Tochter von Fußball-Legende Diego Maradona (†) erhebt im neuen Prozess um dessen Tod schwere Vorwürfe gegen Ex-Leibarzt
Hätte Fußball-Legende überlebt?

Diego Maradonas (†60) Tochter erhebt schwere Vorwürfe gegen Leibarzt

von Tagesspiegel

20.05.2026, 12:46 Uhr

20. Mai 2026 um 12:46 Uhr

Mehr als fünfeinhalb Jahre nach dem Tod von Diego Maradona (†60) beschäftigt der Fall erneut die Justiz in Argentinien.

Im neu begonnenen Verfahren belastet Maradonas Tochter Jana den früheren Leibarzt ihres Vaters schwer. Die 30-Jährige sagt am Dienstag (19. Mai) vor Gericht, der Neurochirurg Leopoldo Luque habe die Familie nach der Hirn-Operation im November 2020 dazu gedrängt, Maradona nicht in einer Einrichtung, sondern zu Hause versorgen zu lassen.

Tochter von Diego Maradona berichtet unter Tränen

Nach ihren Angaben hatte der Direktor des Krankenhauses, in dem der ehemalige Nationalspieler operiert worden war, empfohlen, Maradona in eine Rehaklinik zu bringen. Luque habe diese Möglichkeit jedoch als „verrückte Option” bezeichnet und erklärt, ihr Vater wolle das nicht. Außerdem habe er gesagt, die Klinik werde den Aufenthalt für Werbezwecke nutzen.

Statt einer Unterbringung in einer Reha-Einrichtung habe Luque die Betreuung in einem Haus als „beste Option” präsentiert. Dabei habe er zugesichert, Maradona würde „rund um die Uhr betreut, wie in einer Klinik, aber angenehmer für meinen Vater”.

Die Familie habe dem am Ende zugestimmt, sagt Jana Maradona unter Tränen. „Luque war ein Arzt, dem mein Vater vertraute.”

Siebenköpfiges medizinisches Team angeklagt

Luque zählt zu den zentralen Angeklagten in dem Verfahren. Insgesamt stehen sieben Mitglieder eines medizinischen Teams vor Gericht, darunter Ärzte, Psychiater, Psychologen und Pfleger. Sie müssen sich wegen Maradonas Tod verantworten. Der Neurochirurg weist jede Schuld von sich.

Maradona starb am 25. November 2020, zwei Wochen nach seiner Hirn-Operation, kurz nach seinem 60. Geburtstag. Laut Obduktion führten ein Herzinfarkt und ein Lungenödem zum Tod. Der Vorwurf gegen das Team lautet, den früheren Fußballstar in dem von ihm gemieteten Haus grob nachlässig behandelt zu haben.

Neurochirurg Leopoldo Luque ist einer der Hauptangeklagten im Prozess um den Tod des früheren Fußballstars Diego Maradona.

Neurochirurg Leopoldo Luque ist einer der Hauptangeklagten im Prozess um den Tod des früheren Fußballstars Diego Maradona. TOMAS CUESTA / Kontributor

Verteidigung spricht von natürlichem Tod

Die Beschuldigten bestreiten die Anschuldigungen. Ihre Anwälte vertreten die Position, Maradona sei eines natürlichen Todes gestorben. Dabei verweisen sie auch darauf, dass er über Jahre alkohol- und kokainabhängig gewesen sei.

Ein erstes Verfahren war im Mai des vergangenen Jahres nach zweieinhalb Monaten mit zahlreichen Zeugenaussagen gescheitert. Auslöser war ein Skandal um Richterin Julieta Makintach, die sich nach Vorwürfen der Befangenheit aus dem Prozess zurückziehen musste.

Rund 120 Zeugen sollen in San Isidro aussagen

Im neu aufgerollten Prozess in San Isidro bei Buenos Aires sollen nach Gerichtsangaben etwa 120 Zeugen gehört werden. Das Verfahren soll bis Juli laufen. (AFP)

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