Als Mutter kannst du es niemandem recht machen
10.03.2026, 07:16 Uhr
10. März 2026 um 07:16 Uhr
Wolke Hegenbarth über Mom-Shaming, ihre Liebe zu Indien und warum sie Fake News den Kampf ansagt.
Als wir Wolke Hegenbarth (45) treffen, schwebt sie buchstäblich zwischen zwei Welten. Auf der einen Seite hängen noch die dicken Winterjacken vom Skiurlaub Anfang des Jahres in Leogang an der Garderobe. „Das Hotel ‚Mama Thresl‘ ist für uns wie nach Hause kommen. Berge, Skifahren, Yoga, meine Batterien sind in kürzester Zeit wieder aufgeladen“, schwärmt sie. Auf der anderen Seite steht schon die Kiste mit den Saris, die die Schauspielerin vor neun Jahren schon einmal auf einer Hochzeit in Indien trug. Diese glamourösen Roben legt sie vorsichtig in ihren Koffer. Morgen fliegt sie mit ihrer Familie nach Neu-Delhi zur Hochzeit der Cousine ihres Mannes. „Indische Hochzeiten sind unvergleichlich. Diese dauert vier Tage und über 400 Gäste sind geladen.“
Wolke Hegenbarth lernte Ehemann Oliver durch Glück kennen
BUNTE: Welche Rolle spielt Indien für Sie?
Wolke Hegenbarth: Eine sehr große! Allerdings nicht erst, seit ich meinen Mann Oli kennengelernt habe, der ja halber Inder ist. Ich habe schon 2011 mit Henning Baum in Mumbai gedreht und alles, was schiefgehen konnte, ging damals schief. Es war richtig wild! Wir hingen sieben Wochen in diesem Hotel ab und tauchten tief ins indische Leben ein. Seitdem bin ich fasziniert von der Kultur, von den Menschen und ihrer Art, Probleme zu lösen. Mich hat die Liebe zu Indien nie mehr losgelassen. Ich glaube, man kann sich nicht weiter von sich selbst wegbewegen als nach Indien.
Dann war es ja ein Riesenglück, dass Sie Oliver kennengelernt haben?
Wie weit sind denn die Vorbereitungen für Ihre eigene indische Hochzeit?
Nicht sehr weit, um ehrlich zu sein. Ich lasse mich erst mal als Gast auf diesem Fest berauschen und inspirieren. Aber eigentlich stehen meine Antennen voll auf Arbeiten. Ich will wieder mehr Filme drehen und Serien spielen.
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„Anfangs habe ich es nicht ernst genommen und weggeschmunzelt“
Neulich gingen ja Fake News durchs Netz, dass Sie Ihre Karriere beenden?
Oh ja, das grenzte an Rufmord. Anfangs habe ich es nicht ernst genommen und weggeschmunzelt. Bis ich merkte, dass alle voneinander abschreiben und auch meine Fans auf Insta geschockt fragten: Warum arbeitest du nicht mehr? Irgendwann habe ich auf der Jobplattform LinkedIn klargestellt, dass ich das nie gesagt habe. Zum Glück habe ich auch gerade einen Film für die ARD abgedreht und zwei große Deals abgeschlossen. Wieso bitte sollte ich mit 40 in Rente gehen? Außerdem habe ich in den letzten Jahren viel gearbeitet, nur wenig gedreht. Als Unternehmerin, als Coach. Aber wer mich kennt, weiß, dass ich nichts schöner und erfüllender finde, als Serien zu drehen.
Sie haben es lange nicht gemacht?
Aber jetzt ist meine Elternzeit vorbei, jetzt habe ich wieder Kapazitäten. Zugegeben, sie ist viel, viel länger geworden als erwartet, aber ich hatte das Gefühl, dass mein Kind mich braucht. Nicht nur das erste Horrorjahr, in dem ich quasi nicht geschlafen habe, sondern auch danach. Ich sage immer: Ich habe ein Koalabärchen, das am liebsten auf mir wie auf einem Eukalyptus lebt. Avi würde auch jetzt noch in meine Trage hüpfen, wenn er könnte. Deswegen musste ich ganz klar priorisieren, weil sich mein Beruf, Serienhauptrollen zu spielen und wochenlang unterwegs zu sein, mit dieser Konstellation nicht vereinbaren ließ. Einfach ist mir diese Entscheidung nicht gefallen, aber Oli und ich teilen uns die Care-Arbeit bis heute fifty-fifty.
Wolke Hegenbarth über Mom-Shaming
Auch darauf gab es unterschiedlichste Reaktionen, z. B. Mom-Shaming.
Manchmal habe ich das Gefühl, dass man es als Mutter ohnehin niemandem recht machen kann. Entweder man bleibt zu lange zu Hause, arbeitet zu früh oder zu viel. Deswegen bin ich in meinen Äußerungen immer sehr vorsichtig und betone, dass meine Entscheidungen nur für mich und mein Kind gelten.
Und jetzt haben Sie sich dafür entschieden, wieder sichtbarer zu werden?
Ich will Frauen ein Vorbild sein und zeigen, dass man ab 40 keineswegs unsichtbar wird. Wir sind wertvoller denn je, weiser, besser ausgebildet und warum bitte sollten uns in unserer alternden Gesellschaft nur noch 20-Jährige im Fernsehen das Leben erklären?



