Dank Havertz & Sané

©IMAGO
Die deutsche Nationalelf hat im letzten Testspiel vor der Weltmeisterschaft 2026 einen Sieg gegen den Gastgeber USA eingefahren. Kai Havertz und Leroy Sané trafen für das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann, der Gegner hatte zwischenzeitlich durch ein Traumtor von Antonee Robinson ausgeglichen.
Acht Tage vor dem Turnierauftakt gegen Curaçao bewiesen Kapitän Joshua Kimmich und seine Kollegen viel Widerstandsfähigkeit und kaschierten so auch Anfälligkeiten im Defensivverhalten, die gegen Topteams bei der WM hart bestraft werden. Havertz (2. Minute) hatte vor 63.636 Zuschauern in der riesigen Schüssel am Lake Michigan für einen furiosen Start gesorgt. Robinson (37.) aber per Traumtor für die USA ausgeglichen. Mit seinem Tor in der 57. Minute sorgte der oft umstrittene Offensivspieler Sané für den moralisch wichtigen 2:1 (1:1)-Erfolg in Chicago.
Ohne den nach seiner Muskelverletzung und dem Tränen-Abschied schon wieder nach Hause abgereisten WM-Pechvogel Lennart Karl und noch ohne Rekordtorwart Manuel Neuer wurde deutlich, dass Bundestrainer Julian Nagelsmann nach der Reise ins WM-Quartier in Winston-Salem noch eine arbeitsreiche Woche vor sich hat, bevor in Houston mit einem Torefestival gegen den krassen Außenseiter aus der Karibik die WM beginnen soll.
DFB-Team mit dem Motto „Alle für Lenny“ gegen die USA
Alle für Lenny. Dieses Motto gaben Nagelsmann und auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf vor dem Anpfiff noch mal aus. Zusammenhalt, Trotzreaktion. So soll ein Umkehrschub für den Stimmungsdämpfer nach dem Verletzungs-Aus von Karl erzeugt werden. „Das tut weh, hat uns wehgetan, tut uns als Mannschaft weh, weil er ein wichtiger Spieler gewesen wäre“, sagte Nagelsmann vor dem Spiel bei RTL. Aber: Weiter geht’s. Die WM ist größer als die Trauer.

Und in den USA ist immer Showtime. Feuerwerk und zwei Riesenjets als Flugeinlage über der Arena während der Hymnen vor dem Anpfiff waren ein echter Vorgeschmack, wie auch Soccer im wichtigsten WM-Gastgeberland zelebriert wird. Da passten auch die schwarz-rot-goldenen Rautenshirts der DFB-Elf beim Aufwärmen ins bunte Ambiente.
Den ersten sportlichen Knaller zündete Havertz. Nach einer Freistoß-Chip-Flanke von Kimmich köpfte er unbedrängt von Miles Robinson zur frühen Führung ein. Eine Parallele: Auch für den FC Arsenal hatte der 26-Jährige eine Woche zuvor im Finale der Champions League gegen Paris Saint-Germain früh getroffen. Nun gab es das perfekte Startsignal für Nagelsmann. Den US-Boys lag die große Last der bevorstehenden Heim-WM förmlich auf den Schultern.
Kimmich schien die Probleme der Gastgeber zu spüren, trieb das deutsche Spiel an. Karls Ersatz auf der rechten Seite Sané wurde mit Steilpässen gesucht, doch das letzte Timing stimmte nicht. Auffällig auch Jamal Musiala und Florian Wirtz konnten ihren Zauber nicht entfalten. Wirtz fehlte die Präzision, Musiala war ungewöhnlich oft als Lückenschließer in der Rückwärtsbewegung gefordert.
Hitzeschlacht in Chicago: Bruch im DFB-Spiel nach Trinkpause
Rund um die Trinkpause nach gut 20 Minuten kam ein Bruch ins deutsche Spiel. Die USA erkannten, dass sie gar nicht so schüchtern spielen müssen und die DFB-Elf mit Umschaltmomenten in Bedrängnis gebracht werden kann. Zuvor hatten die Heimfans noch am lautesten über die Sonne gejubelt, die nach einem kräftigen Schauer das Soldier Field nun flutete. Nagelsmann hatte da sein regennasses Shirt von weiß auf blau schon einmal gewechselt.
Die kalte Dusche in Form des Ausgleichs war ein Tor-Kracher. Robinson haute nach einem Eckball von Christian Pulisic und der Kopfballabwehr von Jonathan Tah den Ball volley aus knapp 20 Metern spektakulär hinter Baumann ins Netz. Diesen Schuss hätte auch Neuer nicht parieren können. Der Jubel von Robinson war ebenso artistisch: Handstandüberschlag mit Salto rückwärts. Wow! Jetzt drückte das US-Team und die DFB-Abwehr hatte enorme Probleme bei Chancen von Sergino Dest (42.) und Pulisic (44.), schlimmeren Schaden zu verhindern. Mehrfach blockte Tah in höchster Not.
Gleich zum Start der zweiten Halbzeit parierte Baumann zweimal gegen den Ex-Schalker Weston McKennie (49.), ein Zeichen des Hoffenheimers, dass auf ihn als Neuer-Backup Verlass ist – unabhängig davon, dass die Fahne des Assistenten dann noch nach oben ging.
Felix Nmecha (50.) prüfte kurz darauf US-Keeper Matt Freese per Flachschuss. Ein Freistoß aus ähnlicher Position wie vor dem Havertz-Treffer schoss Sané (55.) noch zentral weit über das Tor. Dafür hätte es nur beim American Football einen Extrapunkt gegeben. Immerhin, jetzt zeigte die DFB-Elf wieder mehr Offensiv-Aktionen. Und Sané schlug dann nach Vorarbeit von Musiala und Havertz doch noch zu.
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