Kein Gedanke an Arsenal-Abgang

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Rückkehrer Kai Havertz (26) sieht sich nach seinem großen Verletzungspech fast schon wieder in Top-Form und will bei der WM im Sommer eine tragende Rolle einnehmen. „Ich bringe das ein oder andere Spiel an Erfahrung mit und hoffe, wenn es auf das Turnier zugeht, vorne wegzumarschieren und den Jungs zu helfen, um bestmöglich auf dem Platz abzuliefern“, sagte der Nationalspieler bei der Pressekonferenz vor dem Auftakt ins WM-Jahr an diesem Freitag (20.45 Uhr/RTL) mit einem Testspiel in Basel gegen die Schweiz.
Havertz, der im vergangenen Frühjahr schon mit einer Oberschenkelverletzung zu kämpfen gehabt hatte, verpasste zunächst mehr als die Hälfte der Saison wegen einer Knieverletzung. Dann hatte der 26-Jährige Muskelprobleme. Seit März kommt er aber regelmäßig zum Einsatz, unter anderem in den zwei Achtelfinalspielen der Champions League gegen seinen Ex-Klub Bayer Leverkusen. Beim 1:1 im Hinspiel hatte Havertz dem englischen Favoriten mit einem Foulelfmeter in der Nachspielzeit das Remis gerettet. „Es war eine schwierige Zeit, die ich hinter mir habe“, gab Havertz zu. Er fühle sich mittlerweile aber wieder „sehr, sehr gut“. Doch er wisse auch, dass er noch ein paar Spiele über 90 Minuten brauche, um endgültig an seine alte Leistungsstärke anknüpfen zu können.
Das letzte seiner bislang 55 Länderspiele bestritt der frühere Leverkusener im November 2024 beim 1:1 gegen Ungarn. Er wolle im DFB-Trikot wieder seine Flexibilität („Fühle mich offensiv auf fast allen Positionen sehr wohl“) und seine Erfahrung einbringen. „Dass ich jetzt kein laustarker Spieler bin, der in der Kabine die großen Ansprachen hält, das weiß glaube ich jeder. Aber es gibt auch Spieler, die mit der Leistung vorne weggehen – und da zähle ich mich dazu.“
Will Arsenal Kai Havertz loswerden?
Angesprochen auf Gerüchte, dass er aufgrund seiner Verletzungshistorie womöglich bei Arsenal als Wechselkandidat gehandelt wird, beantwortete Havertz mit Selbstbewusstsein. Er habe davon noch nicht gehört, außerdem fühle er sich „pudelwohl“ bei den Gunners „und ich glaube, da sind auch alle zufrieden und happy mit mir“. Die Londoner hatten ihn 2023 für 75 Millionen Euro von Stadtrivale FC Chelsea verpflichtet. Seitdem erzielte er in 101 Spielen 32 Tore und bereitete 15 weitere vor. Sein Vertrag ist noch bis 2028 gültig. Zuletzt hatte er aber auch verletzungsbedingt im Marktwert-Update der Premier League eine Abwertung auf 50 Mio. Euro kassiert. Das ist der niedrigste Stand in acht Jahren.
Kimmich verteidigt Rüdiger: Keine „Bauchschmerzen“
DFB-Kapitän Joshua Kimmich (31) hat derweil in der Diskussion um Auftreten und Spielweise von Antonio Rüdiger (33) Partei für seinen Teamkollegen ergriffen. „Ich habe manchmal das Gefühl, wir in Deutschland vergessen, was der Toni die letzten drei, vier Jahre abgeliefert hat.“ Rüdiger sei „bei Real Madrid unumstrittener Stammspieler, der ist jedes Jahr Champions-League-Viertelfinale, Halbfinale. Davon haben wir nicht viele Spieler, wenn wir mal ganz ehrlich sein sollen, bei uns im Kader“, sagte Kimmich zu den sportlichen Meriten des Innenverteidigers.
Rüdiger hatte sich zuletzt erneut Kritik erwehren müssen. Gegenspieler Diego Rico (33) vom FC Getafe warf dem 33-Jährigen vor, er habe ihn mit einem Foul im Ligaspiel absichtlich schwer verletzen wollen. Dieser Vorwurf wurde von dem deutschen Top-Verteidiger vehement bestritten. „Wenn man sich natürlich die Bilder in Zeitlupe anschaut, dann sieht es schlimm aus. Das will ich nicht herunterspielen“, sagte Rüdiger. „So wie er nach dem Spiel geredet hat, könnte man meinen, ich hätte ihn umgebracht.“
Nagelsmann: Rüdiger schützt „Familie Nationalmannschaft“
Unterstützung bekam Rüdiger auch von Bundestrainer Julian Nagelsmann. „Was ich sagen kann, ist, dass Antonio sich unglaublich committet, was die Nationalmannschaft angeht. Dass er einer ist, der die Familie Nationalmannschaft auch extrem schützt und alles dafür tut, dass wir erfolgreich sind“, sagte der DFB-Chefcoach.
Im Vorjahr war der gebürtige Berliner allerdings auch von der DFB-Führung kritisiert worden, nachdem er im Clásico gegen den FC Barcelona mit einem Kühl-Pad Richtung Referee geworfen hatte. „Ich mag es, hart zu spielen. Aber auch ich habe Grenzen“, verteidigte sich Rüdiger nach der jüngsten Szene mit Getafe-Kontrahent Rico. Im DFB-Team will der Vize-Kapitän nun vorangehen. „Ich will kein Unruheherd sein, sondern Stabilität und Sicherheit geben. Die Diskussion zeigt mir noch einmal, dass ich eine Verantwortung habe, der ich in manchen Momenten nicht gerecht geworden bin», sagte er der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Aktuell gilt Rüdiger nach langer Verletzungsauszeit im DFB-Team hinter Jonathan Tah (30) und Nico Schlotterbeck (26) nur als Ersatz-Innenverteidiger.
Für Kimmich kann Rüdiger bei der WM ein entscheidender Faktor sein. „Er ist einfach jemand, der das schon sehr, sehr oft unter Beweis gestellt hat, dass er auf allerhöchstem Niveau performen kann, und das ist für eine Mannschaft extrem wichtig, solche Spieler zu haben“, versicherte Kimmich. „Toni ist für uns natürlich ein sehr wichtiger Spieler.“ Man müsse „nie Bauschmerzen“ haben, wenn er spielt. Im aktuellen Aufgebot Nagelsmanns haben Kimmich mit 106 Länderspielen und Rüdiger mit 81 die meisten DFB-Einsätze bestritten.




